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Dienstag, 12. Dezember 2017

Porträt der Woche

Karrieresuche zwischen Pakistan und Sachsen

Von Peter Schwarz | 23. Februar 2017 | Ausgabe 08

Warum der Ingenieurgeologe Rana Ammad Bin Sadiq in Sachsen seine Dissertation schreibt.

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Foto: Harald Lachmann

Rana Ammad: „In Lahore wusste jeder, dass in Freiberg die weltweit erste geologische Uni arbeitet.“

Rana Ammad Bin Sadiq

Wenn in deutschen Medien von Pakistani die Rede ist, handelt es sich meist um Flüchtlinge oder Kriegsopfer. Dabei stellten selbst 2015, dem Jahr der großen Zuwanderung, nur gut 8000 Menschen aus Pakistan hierzulande einen Asylantrag.

Wesentlich mehr Bürger des islamischen Landes leben seit Jahren legal in Deutschland, ohne dass Krieg oder Terror sie vertrieben hätte. Einer von ihnen heißt Rana Ammad Bin Sadiq. Der 36-Jährige ist einer von derzeit über 200 ausländischen Doktoranden an der TU Bergakademie Freiberg. Schon daheim in Lahore, wo er Geologie studierte, später an der Uni lehrte und forschte, war die sächsische Bergstadt für ihn das Ziel der Sehnsüchte. „Jeder wusste dort, dass in Freiberg die weltweit erste geologische Universität arbeitet“, schwärmt er.

Auch in China arbeitete Rana Ammad ein Semester wissenschaftlich. Doch sein heimliches Ziel blieb Freiberg in Deutschland. Wenn eben möglich, wollte er dort promovieren. Als sich ihm in Pakistan die Chance für ein Auslandsstipendium bot, zögerte er nicht. Dass deutsche Hochschulen keine Gebühren erheben, war ein weiterer Pluspunkt.

Zunächst galt es, Deutsch zu lernen. Ein halbes Jahr lang besuchte er zweimal in der Woche einen Sprachkurs. Dies sei für die Arbeit am Geologischen Institut nicht zwingend erforderlich gewesen, sagt er, denn hier verstehe auch jeder Englisch. Doch es war ihm wichtig, um sich auch sonst im Alltag zu verständigen. Denn zugleich suchte er erste Arbeit, auch um Geld für die Zeit des Forschungsstudiums zurückzulegen. Denn sein Stipendium lief im Dezember aus.

So wirkte Rana Ammad acht Monate für die GEOS Ingenieurgesellschaft mbH im sächsischen Halsbrücke am Projekt „Granitgebundene Erze strategischer Metalle“ mit. Hierbei half ihm seine solide Erfahrung mit Fachsoftware wie Flac und Comsol. Auch beim Geologieunternehmen MeSy Solexpert GmbH in Bochum absolvierte er ein Praktikum. Zugleich arbeitete er an seiner Dissertation zu „Bohrlochrandausbrüchen bei geothermischen Tiefenprojekten“.

Das Zimmer im Souterrain des Instituts teilt er mit einem chinesischen Doktoranden – und seinen Alltag endlich mit Frau und Söhnchen. Erst vor wenigen Wochen kamen beide nach, nachdem er sie gut zwei Jahre nicht gesehen hatte. Nur via Skype erlebte er, wie der Junge heranwuchs.

Inzwischen sei dieser vier Jahre alt, gehe in eine Freiberger Kita und spreche fast besser Deutsch als er, freut sich der Vater. Doch zugleich ist er nun wieder auf Arbeitssuche, um sein Studium fortsetzen zu können. Denn alles zahlt er selbst – die Wohnung in einem Plattenbauviertel, den Lebensunterhalt, den Kitaplatz. Und er zeigt sich zuversichtlich: „Wer als Ausländer in Deutschland schon mal einen Arbeitsvertrag hatte, findet deutlich leichter eine Beschäftigung“, weiß er.

Im Herbst 2018 läuft seine Aufenthaltserlaubnis ab. Würde er gerne darüber hinaus in Deutschland bleiben? Der stets freundliche Pakistani schaut unschlüssig. Einerseits zieht es ihn in die alte Heimat, wo die Mutter lebt. Andererseits gefällt ihm Deutschland besser, als er anfangs erwartet hatte – nicht nur in beruflicher Hinsicht.

Dabei würde ihm mit einem deutschen Doktorhut, zumal aus Freiberg, auch in Lahore eine glänzende Karriere offenstehen. Bei dortigen Bergbaufirmen könnte er sofort gut dotiert einsteigen.

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