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Freitag, 15. Dezember 2017

Sicherheit

Krisen vorbeugen

Von Uwe Sievers | 4. Mai 2017 | Ausgabe 18

Gut vorbereitet lassen sich Pannen besser überstehen. Doch das ist nicht einfach. Ein Handbuch hilft Unternehmen beim Notfallmanagement.

Notstand (2)
Foto: ddp images/inter TOPICS/STAR-MEDIA

Übungen wie hier auf dem Flughafen Erfurt sind wichtiger Bestandteil des Notfallmanagements. Doch sie sind aufwendig und werden nur selten durchgeführt.

Der Umgang mit Notfällen ist ein heikles Thema und bei Unternehmen äußerst unbeliebt. Nur wenige lassen sich aus Angst vor Produktionsausfällen und Imageverlust zu Vorkehrungen bewegen. Die meisten scheuen den hohen Aufwand und die Komplexität der Materie. Deshalb werde oft erst gehandelt, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, weiß Timo Kob, Gründer und Vorstand der Beraterfirma HiSolutions. Kob hat in seiner Karriere schon viele beraten – die OSZE, die europäische Behörde für IT-Sicherheit, Enisa, und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, BSI. Er weiß: „Erst die durch das IT-Sicherheitsgesetz veränderte Gesetzeslage bringt viele Unternehmen zum Umdenken.“

Aber: Wie erkennt ein Unternehmen die relevanten Risiken und wie kann man Notfallprozeduren vorbereiten? Allein schon die Frage, „was kann alles ausfallen?“, könnten viele nicht auf Anhieb beantworten, erzählt Kob im Gespräch mit den VDI nachrichten.

Deshalb stellte er während der 11. Sicherheitstagung des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) das neue Modul „Notfallmanagement“ für das „Handbuch Wirtschaftsgrundschutz“ vor. Das Modul ist an die BSI-Richtlinie 100-4, IT-Notfallmanagement, angelehnt, ergänzt diese jedoch um nicht-digitale Risiken. Es wird herausgegeben von der Initiative Wirtschaftsschutz, die laut Webseite „die Expertise von Staat und Wirtschaft“ bündeln will. Denn das Projekt wird gemeinsam betrieben von staatlichen Sicherheitsbehörden und -diensten, wie BSI, BKA, BND und Verfassungsschutz sowie Wirtschaftsverbänden, darunter der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und die Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW).

Foto: Uwe Sievers

„Viele übersehen ihre Abhängigkeiten von Lieferanten oder externen Dienstleistern.“ Timo Kob, Gründer der Beratungsfirma HiSolutions.

Das Handbuch stellt einen Baukasten aus verschiedenen Modulen dar, die „konkrete Handlungsempfehlungen und Orientierungen zum Schutz Ihres Unternehmens geben“, heißt es auf der Webseite des Projekts. Gemäß seiner betriebswirtschaftlichen Orientierung steht „Business Continuity“ im Zentrum, also Vermeidung und Umgang mit Betriebsstörungen, um die Kernprozesse aufrechtzuerhalten.

„Notfälle zeichnen sich durch eine gewisse Planbarkeit im Vorfeld aus“, erläutern die Autoren des Moduls. Für deren Bewältigung wollen sie Verfahrensweisen anbieten, „um das Schadensausmaß im Notfall zu begrenzen“ und „vor weiterem Schaden durch eine unkontrolliert eskalierende Situation zu schützen“. Wenn das nicht gelingt: Neben dem Modul Notfallmanagement ist auch ein Modul Krisenmanagement verfügbar.

Kob beschreibt den neuen Baustein als „eine Handreichung von Profis für Leute, die so etwas noch nie gemacht haben“. Viele hätten zwar in ihrer IT für Redundanz gesorgt, doch beispielsweise nicht bei Räumen oder Personal. Wenn etwa durch massenhafte Infektionen im Rahmen einer Pandemie eine signifikante Zahl der Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheinen kann, sind schnell Produktionsausfälle die Folge.

Doch nicht nur an die internen Betriebsabläufe muss gedacht werden: „Viele übersehen ihre Abhängigkeiten von Lieferanten oder externen Dienstleistern“, warnt der Spezialist. Dort auftretende Ausfälle könnten Auswirkungen auf den eigenen Betrieb haben.

Als besonders wichtiges Element des Notfallmanagements gelten Übungen. Doch die sind schnell sehr komplex und aufwendig, so dass sie oft nicht durchgeführt werden. Dabei könne man Übungen auch in kleinen Teilen durchführen, erklärt der Fachmann.

 Kob kennt Beispiele, die den Wert von Notfallübungen verdeutlichen. Etwa die Übung einer großen deutschen Bank 2005 in London. Sie simulierte gemeinsam mit der örtlichen Polizei größere Ausfälle im Nahverkehr, was bei der hohen Pendlerquote in der britischen Hauptstadt kritisch ist. „Die Bank wollte wissen, was passiert, wenn viele Leute nicht zur Arbeit gelangen“, erinnert sich Kob. Kurz darauf kam es dann zu den Terroranschlägen auf die U-Bahn. Die Londoner Polizei habe später berichtet, dass sie durch die vorab durchgeführte Übung besser reagieren konnte.

„Notfallmanagement ist die unabdingbare Voraussetzung für die Abwehr akuter Gefahren“, deshalb könne das Handbuch vor allem für kleine und mittlere Unternehmen eine große Hilfe sein, glaubt Kob. „Die Sorge, ich kann ja eh nichts machen, ist falsch.“ Man könne mit wenigen Maßnahmen die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens bei Störfällen signifikant erhöhen.  

http://www.wirtschaftsschutz.info

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