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Montag, 11. Dezember 2017

Metalle

Marktverzerrung beklagt

Von Katharina Otzen | 18. Mai 2017 | Ausgabe 20

Abgeschottete Märkte, eine ausgeweitete Lkw-Maut sowie chinesische Dumpingpreise sehen Metallerzeuger aktuell als große Bedrohung. Dabei sind die Vorzeichen deutlich positiver geworden.

BU_Metallhandel
Foto: imago/Sven Simon

Aluminium: Die Nachfrage am Weltmarkt hat wieder angezogen.

Die Rohstoffpreise haben sich weltweit erholt. Gerade bei Industriemetallen zeigt der Trend seit Monaten wieder nach oben. Mit etwas unter 2000 $/t kostet Aluminium so viel wie seit drei Jahren nicht mehr. Trotzdem nimmt in der westlichen Welt das Jammern kein Ende. China bleibt Sündenbock Nummer Eins. Das gilt besonders für die Wirtschafts-Vereinigung Metalle (WV Metalle). Sie spricht davon, dass die Verflechtungen des chinesischen Staates mit den chinesischen Metallkonzernen zu massiven Marktverzerrungen führen, und zwar bei Aluminium, Blei, Kupfer, Magnesium, Nickel, Wolfram und Zinn. Franziska Erdle, die streitbare Hauptgeschäftsführerin der WV Metalle, fordert Außenschutz für die europäische Industrie. Als Basis für solche Schutzzölle will sie einen regelmäßig – natürlich im Westen – erstellten „Marktverzerrungsbericht“ und nicht die ihrer Meinung nach „marktverzerrten chinesischen Preise“.

Wie viel Aluminium oder sonstige NE-Metalle die Chinesen wirklich nach Deutschland und Europa einführen, gibt die WV Metalle nicht an und schon gar nicht, welche Rolle „chinesische Dumpingpreise“ wirklich am heimischen Markt spielen. Bei Kupfer kann der Vorwurf noch weniger stimmen als bei Aluminium: China ist nämlich Nettoimporteur von Kupfer und versucht, von Afrika bis nach Südamerika durch Beteiligungen seine Metallversorgung zu sichern. In Deutschland, so der Verband Deutscher Metallhändler (VDM), nimmt die Branche zudem nach wie vor die Preise der London Metal Exchange (LME), der größten Metallbörse der Welt, als Benchmark.

Inzwischen, da der VDM selbst Mitglied der LME geworden ist, freuten sich die im Verband engagierten Händler besonders, dass Matthew Chamberlain, der frisch berufene LME – Vorstandschef zur VDM-Jahresversammlung nach Berlin kam. Er und sein Vorstandsteam arbeiten in enger Abstimmung mit Charles Li, als Vorstandschef der Hong Kong Exchange & Clearing (HKEx) eigentlich der Hausherr bei der LME, an einem Zukunftskonzept für die über 135 Jahre alte Londoner Börse.

Li hat die LME 2012 für damals 1,3 Mrd. Pfund gekauft. Chamberlain konnte in Berlin den Metallern auf jeden Fall versichern, dass die „LME die Börse der physischen Nutzer“ bleibe, das tägliche Preis-Fixing ein ganz elementares Kernelement jeder Börsenreform bleibe und die LME „auf keinen Fall“ etwas gegen den physischen Markt tun wolle.

Vor einer weltweiten Abschottung der Märkte, wie sie gerade US-Präsident Trump verfolgt, warnt Thomas Reuther, Präsident des VDM und Vorstandsmitglied der Essener Trimet SE. Dies gefährde nur den freien Handel, von dem die Branche lebt. Trotz dieser Gefahren sehen aber über 90 % der VDM-Mitglieder ihre Lage als besser oder mindestens gleichbleibend wie zu Jahresbeginn und im Prinzip überwiegt die positive Erwartung für die kommenden Monate.

Konkret sorgen sich die Metallhändler und Recycler aber um die Folgen der geplanten Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Klassen zwischen 3,5 t und 7,5 t und alle Straßen. Die Mehrkosten für diese zum Jahr 2018 beschlossene Maut schätzt Michael Diekmann, Geschäftsführer der Wachtmann Rohstoffhandel GmbH und VDM Vorstandsmitglied, schon jetzt auf 61 000 € je Fahrzeug. Das nütze weder der Umwelt noch der Wirtschaft, sondern gefährde Firmen und Arbeitsplätze. Denn diese Kosten an die selbst schon von „viel zu viel Bürokratie“ überlasteten Kunden weiterzugeben, sei so gut wie unmöglich. „Wenn statt eines großen Lkw kleinere, noch nicht mit Maut belastete Lieferwagen das Altmetall transportieren, sind viel mehr Fahrten nötig und damit steigen die CO2-Emissionen“, erklärt Diekmann.

Gunther Maassen, geschäftsführender Gesellschafter der auf die im modernen Elektronikzeitalter so wichtigen Seltenerd-Metalle spezialisierten Haines & Massen Metallhandelsgesellschaft, will sich wegen der „völlig überzogenen Bürokratie“ in Deutschland sogar aus dem aktiven Geschäft zurückziehen. Der erfolgreiche Metallunternehmer ist den Kampf gegen die „Windmühlenflügel der deutschen Bürokratie“ leid. 

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