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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Schule

Mint im Stand-by-Modus

Von Mareike Knoke | 15. Juni 2017 | Ausgabe 24

Im Unterrichtwird immer noch zu sehr auf Auswendiglernen statt auf Verstehen gesetzt, hieß es auf dem 5. Mint-Gipfel. Die Umsetzung zündender Didaktik lässt auf sich warten.

Mint BU
Foto: panthermedia.net/Victor Cap

Begeisterung sieht anders aus. Mädchen und junge Frauen für Mathematik zu gewinnen, bleibt trotz zahlreicher Initiativen eine Großbaustelle.

Der Bund will in den nächsten Jahren eine halbe Milliarde Euro in kreative Konzepte der Lehrerausbildung sowie zur Stärkung der Berufsschullehrer im Mint-Bereich investieren. Das kündigte der Abteilungsleiter für strategische Grundsatzfragen im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Matthias Graf von Kielmansegg, auf dem 5. Nationalen Mint-Gipfel in Berlin an. Die Veranstaltung brachte Akteure aus Hochschule, Schule und Politik zum kreativen Brainstorming zusammen – an die 500 diesmal.

Spitzenförderung, bessere Vernetzung und Finanzierung

Fördermittel sollten sinnvoll investiert werden, war von den Teilnehmern im Publikum zu hören. Beispiel Digitalisierung in der Schulbildung – „Digitalpakt#D“: Experten sind sich einig, dass die von Bildungsministerin Johanna Wanka schon im vergangenen Jahr in Aussicht gestellten Milliarden für mehr digitale Bildungsangebote verpuffen werden, wenn nicht die Basis, sprich: die Lehrer, ebenfalls für die Vermittlung digitaler Inhalte geschult werden.

Es liegt aber nicht nur am mangelnden Verständnis für den Lehrstoff. „Wir wissen sehr viel über die Vorteile der Mint-Bildung, wir haben hervorragende Ideen, aber in der Umsetzung könnte es besser werden“, sagte Christoph Igel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz auf der Veranstaltung.

In der Bildungsrealität hat die verbesserungswürdige Schulbildung folgende Auswirkungen: Noch immer brechen mit rund 30 % viele Studierende in Mint-Fächern ihr Studium ab. Das belegt eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Noch immer interessieren sich viel zu wenige Mädchen und junge Frauen für Ingenieurwissenschaften – und noch immer stöhnt die Wirtschaft über Fachkräftemangel.

Der Vortrag „Education for the future“ des Bildungsforschers und OECD-Direktors Andreas Schleicher bot ernüchternde Fakten einer aktuellen Studie seiner Organisation: Demnach zeigen die Mädchen nach wie vor so gut wie kein Interesse an Ingenieurthemen, auch bei den Jungen ist es die Begeisterung gering. Laut der Studie liegt Deutschland, was die Leistungen und das Interesse am Mint-Bereich anbelangt, insgesamt zwar seit der ersten Pisa-Veröffentlichung im Jahr 2000 über dem OECD-Durchschnitt, doch seit etwa fünf Jahren stagniert die Entwicklung oder geht sogar abwärts. Schleicher bezeichnete dies als „Seitwärtsbewegung, nicht Vorwärtsbewegung“.

Nur rund 20 % der Jugendlichen in Deutschland wollen einen Mint-Beruf ergreifen, halb so viele wie etwa Kinder in den USA. Damit findet sich Deutschland auf dem drittletzten Platz wieder. Bildungssysteme, die das entdeckende Lernen und damit den Spaß am Fach fördern, hätten die Nase vorn, so Schleicher. Deutschland habe hier erhöhten Nachholbedarf.

Für Andreas Schleicher ist klar: Diese Entwicklung kann nur gestoppt bzw. in eine positive Richtung gewendet werden, wenn bereits in der Schule und später in der Hochschule die geeigneten Unterrichtsmethoden zur Anwendung kommen: Lehrer und Hochschullehrer sollten partizipatives Lernen, den Austausch mit anderen und eigenständiges Denken statt stures Auswendiglernen – Bulimie-Lernen – in den Mittelpunkt stellen. Und dafür brauchen sie selbst Anleitung.

Berit Heintz, Referatsleiterin Schulpolitik beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), sagte am Rande der Tagung, die Schulen müssten intensiver als bislang eine bessere Berufs- und Studienorientierung bieten. Denn das, was von der Wirtschaft, hauptsächlich vom Mittelstand, als dramatischer Fachkräftemangel beklagt werde, beziehe sich vor allem auf den nichtakademischen Bereich der technischen Fachkräfte. „Auch Abiturienten muss eine technische Ausbildung als Option nahegebracht werden. Für einige ist ein Studium sofort nach der Schule vielleicht gar nicht das Richtige, dafür aber eine praxisbezogene Ausbildung, auf die sich später noch Fortbildungen oder ein Weiterbildungsstudium satteln lassen.“

Derzeit ist eine Berufsausbildung für die Mehrheit der Abiturienten keine Option, wie Berufsberater bestätigen. Heintz: „Ich sehe die Gymnasien, die Studien- und Berufsberatungen der Arbeitsagenturen in der Pflicht, Karriereoptionen besser bekannt zu machen.“ Auch duale Studiengänge sollten mit Nachdruck gefördert werden.

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