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Dienstag, 12. Dezember 2017

Spionage

Mit der Lizenz zum Geld verteilen

Von Peter Odrich | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Israels Geheimdienst Mossad investiert ganz offen in Start-ups.

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Foto: Eddie Gerald/laif

Allzeit bereit: Israelische Militärtechnik verdankt viel dem Einfallsreichtum einheimischer Unternehmen. Im Bild eine Überwachungsstation auf den Golanhöhen.

Die etwa 30-jährige Frau sitzt im Straßencafé und steckt sich eine Kontaktlinse ins Auge. Über ein elektronisches Kästchen auf dem Bistrotisch scannt die Linse die vorbeiflanierenden Männer nach Alter, Gewicht, Größe und Augenfarbe und zeigt der Frau an, ob die Männer in ihr Beuteschema passen.

Was wie ein Trailer für einen Blockbuster im Stil von „Mission Impossible“ daherkommt, ist in Wahrheit das Werbevideo eines Wagniskapitalgebers. Das Ungewöhnliche daran: Der Finanzier ist der legendäre israelische Auslandsgeheimdienst Mossad. Noch ungewöhnlicher: Die klandestine Organisation tritt im Abspann des Films ganz offen mit ihrem Logo auf.

Der Investmentfonds des Mossad mit dem Namen „Libertad“ gibt Start-ups maximal 500 000 € als Zuschuss für ihre Produktentwicklungen, wenn für geheimdienstliche und militärische Zwecke attraktiv sind. Über das Gesamtvolumen gibt es es keine Informationen. Das Internetportal „The Times of Israel“ weist auf die grundsätzliche Bedeutung des Fonds hin: „Der Mossad, der Inlandsgeheimdienst Schin Bet und selbst die Armee treten aus dem Schatten, um mit zivilen Firmen zusammenzuarbeiten. Das ist notwendig, um die Kämpfe zu gewinnen, die sich vom Schlachtfeld in den Cyberspace verlagern.“

Foto: Reuters/Lucy Nicholson

„Es reicht angesichts der aktuellen Bedrohungen nicht mehr, die verfügbare Technik zu kaufen. Stattdessen ist es notwendig, sich frühzeitig in die Entwicklung einzuschalten.“ Eli Groner, Büroleiter des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Laut Eli Groner, Büroleiter von Premierminister Benjamin Netanyahu, reiche es unter den heutigen Bedrohungen nicht mehr, die auf dem Markt verfügbare Technik zu kaufen. Stattdessen sei es „notwendig, sich möglichst frühzeitig in die Entwicklung einzuschalten und auf sie Einfluss zu nehmen“. Dazu erwirbt der Fonds keine Anteile an den jungen Unternehmen, sondern sichert sich langfristige Nutzungsrechte an deren geistigem Eigentum. Den Firmen wird vertraglich zugesichert, dass der Mossad die Erfindungen nicht selbst kommerziell verwertet und dass die Unternehmen sie unbeschränkt verwenden können. Die Zusammenarbeit ist auf zwei Jahre angelegt und die Auszahlung der Gelder erfolgt in vier Tranchen nach Erreichen zuvor definierter Meilensteine. Neben dem Kernziel, von Innovationen schneller als andere zu profitieren, betreibt der Mossad mit seinem Fonds Wirtschaftsförderung, wie Koby Simana hervorhebt. Er ist Chef des in Tel Aviv ansässigen IVC-Research Center, einer gemeinsamen Einrichtung der Hightechindustrie des Landes: „Das ist hervorragend für eine Nation von Gründern“, kommentiert er. Es würden sich neue Möglichkeiten für Kooperationen junger Firmen untereinander ergeben, die sich auf ähnlichen Arbeitsgebieten bewegen.

Mithilfe der Start-ups will der Mossad vor allem Informationen auswerten, die er sich auf seine spezielle Weise im Ausland verschafft. So geht es um Inhaltserfassung, Katalogisierung sowie semantische Analysen mithilfe statistischer Methoden und selbstlernender Systeme. Spezialgebiete sind die Verschlüsselung einer Geschwindigkeit von mindestens 100 Gbit/s sowie die Analyse von Persönlichkeitseigenschaften aufgrund der Onlineaktivitäten.

Der Mossad fördert jedoch auch Projekte außerhalb der Informationstechnologie. Dazu gehören etwa geländegängige und Miniaturroboter, in deren Entwicklung bionische Erkenntnisse einfließen. Energietechnik steht ebenfalls auf der Wunschliste. Besonders interessiert sind die Geheimdienstler an der Verkleinerung und Leistungssteigerung von Batterien.

Den Weg aus der Schattenwelt in die Öffentlichkeit wagen Israels Geheimdienste bereits seit einiger Zeit. Zu Beginn des Jahres beteiligten sich Mossad und Schin Bet mit jeweils einem Stand an der Messe „Cybertech“ in Tel Aviv. Die jungen Besucher wurden eingeladen, spielerisch ihre analytischen Fähigkeiten zu beweisen und Bewerbungsfragebogen auszufüllen. Den Anstoß für das Werben um Köpfe und Ideen könnte dem Mossad, von dessen Chefs jahrzehntelang weder Namen noch Gesichter bekannt waren, sein eigener Wahlspruch gegeben haben, der am Ende des Libertad-Videos erscheint: „Ohne Orientierung scheitert eine Nation. Aber ein Überfluss an Ratgebern verleiht Sicherheit.“  

http://libertad.gov.il

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