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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Stromnetze

„Netzausbau nimmt Fahrt auf“

Von Stephan W. Eder | 11. Mai 2017 | Ausgabe 19

Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur, ist zuversichtlich, dass die großen Nord-Süd-Trassen bis 2025 „irgendwie stehen“.

w - Bundesnetzagentur BU
Foto: AGS-Verfahrenstechnik

Erdkabelverlegung: Bei Stade erprobten die örtlichen Stadtwerke in einem Pilotprojekt ein neues Verfahren für schmale Trassen.

Manchmal hat Jochen Homann, der Präsident der Bundesnetzagentur, so seine ganz eigene Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen. „Die Fortschritte beim Stromnetzausbau, würde ich sagen, sind durchwachsen, aber mit erfreulichen Botschaften am aktuellen Rand.“

In der Tat: Der Stromnetzausbau nach dem Energieleitungsausbaugesetz (Enlag), 2009 verabschiedet, bringt es bis heute laut Homann auf durchwachsene 40 % der geplanten 1800 km, zum Jahresende rechnet er mit 45 %. Was die „Rand“-Notizen angeht, ist das der Löwenanteil des Netzausbaus: 6100 km nach Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG). Gebaut sind bisher knapp 150 km, aber Homann ist guter Dinge, dass diese Trassen schnell realisiert werden können.

Kern des BBPlG sind drei große Nord-Süd-Verbindungen: die rund 700 km lange „Südlink“-Trasse von Brunsbüttel nach Großgartach bei Heilbronn und Grafenrheinfeld in Bayern; „Südostlink“ von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt zum Netzpunkt Isar bei Landshut (540 km); im Westen eine mehr als 600 km lange Leitung, die den Strom der Offshore-Windparks von Emden über Osterath in Nordrhein-Westfalen bis Philippsburg in Baden-Württemberg bringen soll.

„Wir haben jetzt schon alle Anträge für die großen Stromleitungen“, berichtete Homann auf der Jahrespressekonferenz der Agentur am Montag in Bonn. Letzte Woche startete in Magdeburg ein Marathon von 17 Antragskonferenzen, die Homann noch vor der Sommerpause abgeschlossen haben will. „Wir legen ein erhebliches Tempo vor. Bis 2025 sollten diese Stromautobahnen irgendwie stehen. Das ist sehr ambitioniert“, gesteht er ein, „aber an uns wird es jedenfalls nicht liegen.“

Ende 2015 hatte die Bundesregierung beschlossen, die Leitungen für diese drei Trassen vorrangig unter der Erde zu verlegen. „Wir sehen deutlich, dass die Akzeptanz für die Leitungen steigt, seit klar ist, dass diese als Erdkabel realisiert werden“, sagt der Agenturchef. Das rechtfertigt aus Sicht der Behörde die Mehrkosten: „Ohne Erdkabel würden wir überhaupt nicht vorankommen“, heißt es aus der Agentur. So viel teurer müsste es aber vielleicht nicht werden, wenn die Trassen nicht mit dem gängigen offenen Verlegeverfahren gebaut würden (s. Kommentar Seite 12).

Was vielleicht möglich wäre, zeigt die AGS-Verfahrenstechnik aus Stade, die zu den fünf Nominierten des Hermes Awards 2017 gehörte. Deren Verlegeverfahren ist für Schmaltrassen bis zu 2 km Länge gedacht. Ein Kabeltransportrohr wird mit innen liegendem Kabel zugbelastungsfrei über Rollen in ein wassergefülltes Leerrohrsystem eingeführt. Das Ingenieurbüro verspricht sich weniger Kabelverbindungsmuffen und geringeren Aufwand für Erdarbeiten.

Homann betonte, dass seine Agentur generell darauf achte, „dass die modernsten Technologien, auch solche, die den Netzausbau dann perspektivisch entlasten können, eingesetzt werden“. Schließlich zahlen die Verbraucher den Netzausbau über die sogenannten Netzentgelte, und deren Anteil am Strompreis, so Homann, „wird weiter steigen“.

Bis die Stromleitungen in Betrieb gehen, wird weiterhin eine Netzreserve benötigt, um das deutsche Stromnetz in kritischen Situationen stabil zu halten. Die Analysen für den Winter 2017/2018 zeigen einen Bedarf an Reserveleistung in Höhe von 10 400 MW.

Ein guter Teil des neuen Bedarfs geht auf einen erhöhten Sicherheitsstandard zurück, den die Bundesnetzagentur bei der Berechnung angelegt hat. Er kann weitestgehend aus dem Bestand an Netzreservekraftwerken gedeckt werden. Hierzu zählen Kraftwerke aus Deutschland mit 5700 MW Kapazität und bereits kontrahierte Kraftwerke aus dem Ausland mit 3100 MW Kapazität.

Im nächsten Jahr sei mit einer deutlichen Entspannung bei der Netzreserve zu rechnen, so Homann. Hierzu trage insbesondere das geplante Engpassmanagement an der Grenze zu Österreich bei. Der Agenturchef rechnet damit, dass sich dafür ein sowohl für die deutsche wie die österreichsche Seite gangbarer Kompromiss finden lässt.

Nach dem starken Anstieg 2015 ist die Zahl der Eingriffe der Netzbetreiber in den Kraftwerksbetrieb 2016 insbesondere aufgrund günstiger Witterungsbedingungen und der Fertigstellung der „Thüringer Strombrücke“ zurückgegangen. Die Redispatch- und Einspeisemanagementmaßnahmen verringerten sich um rund ein Viertel. Eine echte Trendwende bei der Anzahl der Eingriffe sei erst zu erwarten, wenn nach Abschaltung der letzten Kernkraftwerke der Netzausbau realisiert worden ist, so die Bundesnetzagentur.

Mit Material von dpa

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