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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Energie

„Raus aus der Kohle, rein in das Gas“

Von Stephan W. Eder | 7. Dezember 2017 | Ausgabe 49

Der Deutsche Verein des Gas und Wasserfaches mahnt an, das Potenzial von Gas für die Energiewende endlich zu heben.

Allein durch den Umstieg von Braunkohle auf Gas ließen sich im deutschen Kraftwerkssektor jährlich 110 Mio. t an CO2-Emissionen einsparen. Diese Zahl präsentierte Michael Riechel, Präsident des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches, kurz DVGW. „Der notwendige Kohleausstieg hat bei den Jamaikaverhandlungen andere drängende Themen auf der energiepolitischen Agenda überlagert“, klagte er am Mittwoch letzter Woche zum Auftakt der gasfachlichen Aussprachetagung (gat) 2017 in Köln. Mache man so weiter wie bisher, sei 2030 das noch zur Verfügung stehende Treibhausgasbudget von 10 Mrd. t CO2- Äquivalenten zur Erreichung des 2-Grad-Zieles aufgebraucht. Die deutschen Klimaschutzziele seien nach Abschluss des Kernenergieausstiegs 2022 nur durch neue gesicherte Leistung zu erreichen. „Raus aus der Kohle, rein ins Gas“, forderte er.

Das energiewirtschaftliche Dreieck aus Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit ließe sich so zügig erreichen, ist der DVGW sicher. Dennoch nehme die Nutzung von Kohlekraftwerken weiterhin einen großen Anteil an der deutschen Stromerzeugung ein und seit der Jahrtausendwende seien daher die Treibhausgasemissionen kaum gesunken. „Wir brauchen eine CO2-Minderungssstrategie mit schnellen Erfolgen und die Gaswirtschaft hat eine mögliche Lösung“, betonte Riechel. Er wolle deutlich machen, dass „Gas keine Brücke, sondern der Schlüssel der Energiewende sein wird“.

Keine Sorgen macht dem DVGW-Präsidenten dabei die Versorgungssicherheit mit Erdgas in Europa; das Angebot sei mittel- und langfristig hinreichend diversifiziert. „Wir haben kein Versorgungsproblem“, sagte Riechel. Er verwies dabei auf erhebliche Potenziale. Nicht nur drängt Gazprom mit Vorbereitungen zur neuen Erdgaspipeline Nordstream II mit mehr Angebote nach Europa.

Riechel berichtete von „gigantischen“ Erdgasvorräten auch in norwegischen Offshoregebieten der Barentssee, die bisher noch nicht erschlossen seien. Hinzu käme LNG (Liquid Natural Gas: Flüssigerdgas), ob aus dem Mittleren Osten oder in Zukunft vielleicht aus den USA, wenn dort im Land die erforderliche Infrastruktur für den LNG-Export bereitstünde.

Der DVGW-Präsident machte sich in Köln auch für die Entwicklung von Power-to-Gas-Technologien stark. „Power-to-Gas ist die zentrale Energiewendetechnologie“, betonte Riechel auch mit Blick auf die Sektorenkopplung. Daher habe der Verein ein Innovationsförderprogramm vorgeschlagen mit dem Schwerpunkt auf Power-to-X-Anwendungen im Mobilitätssektor. Mit dabei seien auch Audi, der Gaspipelinebetreiber Ontras, Kraftwerksspezialist Uniper und der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellenverband.

„Wir müssen jetzt anfangen, uns Gedanken zu machen – das gilt sowohl für Gaskraftwerke wie für Power-to-Gas – und nicht erst 2030, 2040 oder 2050“, sagte Anke Tuschek, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Branchenverbandes BDEW.

Im Gebäudesektor ist und bleibt Erdgas nach aktuellen Zahlen des BDEW führend bei den Heizungssystemen in Deutschland. In den ersten drei Quartalen 2017 seien 219 000 Baugenehmigungen für Wohnungen gemeldet worden, davon seien 39,6 % mit Heizungssystemen auf Erdgas ausgestattet. „Das Brot- und Buttergeschäft ist nach wie vor Gasbrennwerttechnik“, erklärte Tuschek auf der gat 2017. Im Bestand seien 49,4 % mit Erdgas beheizt worden.

Im Rahmen der Energiewende sieht Tuschek Erdgas auch langfristig als gesetzt an, trotz der angestrebten Kopplung des Strom- und Gebäudesektors: „Gas kann grün“, sagte Tuschek. „Wir sind fest davon überzeugt, dass eine Vollelektrifizierung des Wärmesektors sich nicht darstellen lässt.“ Auch müsse Bioerdgas endlich als erneuerbare Energiequelle vollumfänglich anerkannt werden.

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