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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Kernkraft

„Rückbau ist auf gutem Weg“

Von Stephan W. Eder | 18. Mai 2017 | Ausgabe 20

Die Branche fordert auf ihrer Jahrestagung in Berlin den Erhalt der Technologiekompetenz. Nur so könne man in Europa auf Dauer eigene Interessen wahrnehmen.

w - AMNT BU
Foto: dpa Picture-Alliance/Lino Mirgeler

Als Zukunftszweig der deutschen Kerntechnik gilt die Rückbaukompetenz. Im Bild EnBW-Technikvorstand Hans-Josef Zimmer (li.) und der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller, die am 10. April im Maschinenraum des Kernkraftwerks Neckarwestheim symbolisch die Abrissarbeiten starteten.

Für Manfred Möller ist der Rückbau eines Kernkraftwerks (KKW) nichts Neues; der technische Geschäftsführer der EnBW-Kernkraftwerke begleitet seit Jahren das im Mai 2005 stillgelegte KKW Obrigheim. „Rückbau ist kein Forschungsthema, er ist keine Blackbox“, betonte er am Dienstag in Berlin auf der diesjährigen Jahrestagung des DAtF, des Deutschen Atomforums, „aber er ist ein komplexes Ingenieurprojekt“. Das aber sicher machbar und effizient durchführbar sei.

„Der Rückbau ist auf einem guten Weg“, sagte DAtF-Präsident Ralf Güldner. Hier liegt für die deutsche Kerntechnik in den nächsten Jahrzehnten der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit, damit hat sich die Branche offensichtlich arrangiert. „Es ist ein Geschäft, das die Betreiber im Griff haben“, attestiert Gerrit Niehaus, Leiter des Bereichs Kernenergie beim baden-württembergischen Umweltministerium.

EnBW, so Möller, habe für sich entschieden, möglichst direkt nach dem Ende des Leistungsbetriebs der Anlagen jeweils mit dem Rückbau zu beginnen. Ziel: die grüne Wiese. Die letzte Phase hierzu beginnt in Obrigheim gerade.

Die Unternehmen der Branche arbeiten mit dem Rückbau auf ihre Abwicklung hin, macht Preussenelektra-Chef Guido Knott deutlich. 2040 soll das Unternehmen, für das er arbeitet, Geschichte sein. Dafür stellt die Eon-Tochter heute 11 Mrd. € zurück. Knott hofft, dass er 1 Mrd. € davon einsparen kann, unter anderem durch Lerneffekte.

Gefragt ist weiterhin, wie Knott betont, das Wissen seiner Ingenieure, auch für den Betrieb der Anlagen. „Das Interesse international an diesem Know-how ist immens.“ Preussenelektra hat unter dem Begriff „Utility Engineering“ ein neues Geschäftsfeld aufgebaut, um das eigene Wissen international an jene zu vermarkten, die gerade dabei sind, in die Kerntechnik einzusteigen. Jüngstes Beispiel ist die Kooperation mit dem französischen Nukleardienstleister Assystem bei Ingenieurdienstleistungen und Beratungen. Erste Kunde sollen die Vereinigten Arabischen Emirate sein, die erklärtermaßen in die Kernenergie einsteigen wollen.

„Wir machen das nicht, um Geld zu machen“, sagte Knott, sondern um eine Perspektive für unsere Mitarbeiter zu haben, beteuerte er. Nicht alle würden gern im Rückbau arbeiten wollen, ihnen wolle man eine Perspektive bei Preussenelektra geben.

„Unsere eigentliche Herausforderung ist die Erhaltung der kerntechnischen Kompetenz“, sagte Atomforumspräsident Güldner. Er forderte den Aufbau eines nationalen Kompetenzzentrums für kerntechnische Sicherheit in Deutschland. „Wenn wir an einer internationalen Diskussion in Sicherheitsfragen weiter teilnehmen wollen, dann gilt es, die Kompetenz langfristig auch im Bereich der Reaktorsicherheitsforschung zu erhalten“, erklärte er. Dann könne es nicht nur um die Rückbau- und Entsorgungsthemen gehen. „Wir müssen an den aktuellen Themen mitarbeiten“, betonte er.

Was ihm vorschwebt, ist „kein Riesenladen“, sondern eine Stelle, die Entwicklungsmonitoring betreibt, die bewertet und sich in Forschungsprojekte, die von der EU ausgeschrieben werden, einbringt. Dementsprechend müsse man das Know-how in diesem Zentrum auch nicht nur für Deutschland aufbauen, sondern durchaus in Kooperation mit anderen EU-Ländern.

Unterstützung bekommt Güldner von Steffen Kanitz, Mitglied der CDU-Bundestagsfraktion und dort zuständig für Kernenergie. „Mein Wunsch wäre, dass man im Sinne einer Kompetenzplattform ein Netzwerk bildet, um diese Kompetenz weltweit zu vermarkten.“ Dazu müsse man aber die Forschung auf diesem Gebiet in Deutschland erhalten und nicht etwa verbieten.

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