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Montag, 11. Dezember 2017

Porträt der Woche

Sanierer mit Weitblick

Von Wilfried Urbe | 22. Juni 2017 | Ausgabe 25

Ulrich-Nicolaus Kranz war maßgeblich an Rettung und internationaler Neupositionierung von Kiekert beteiligt.

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Foto: Kiekert

Ulrich-Nicolaus Kranz, Vorstandsmitglied bei Kiekert, kam 2007 als Restrukturierer nach Heiligenhaus.

Normalerweise gelten Finanzinvestoren nicht gerade als Bereicherung, wenn es um ihr Engagement bei traditionsreichen Unternehmen geht. Und so war es auch bei Kiekert um die Jahrtausendwende: Der 1857 in Heiligenhaus gegründete Weltmarktführer für Autoschließsysteme wurde von einem Private-Equity-Unternehmen gekauft – und geriet in die Schieflage. Weil die Investoren die hohen Akquisitionskosten an das Unternehmen weitergegeben und sich sonst wenig gekümmert hatten, drohte die Insolvenz.

Zur Person

Als dann Ende 2006 zwei Hedgefonds Kiekert übernahmen, brachten sie einen Mann mit, der bis heute erfolgreich großen Einfluss auf die Geschicke des Industriebetriebs nimmt.

„Es war keine Marktkrise, sondern eine hausgemachte Krise, die sich schon über Jahre hingezogen hatte“, erinnert sich Kiekert-Vorstandsmitglied Ulrich-Nicolaus Kranz an die Zeit seines Einstiegs im Jahr 2007 zurück. „Das hatte dazu geführt, dass die ersten Kunden abwanderten, die Kosten aus dem Ruder liefen und zu wenig in Innovation investiert worden war.“

Dabei war es eher ein Zufall, dass der studierte Jurist und Betriebswirtschaftler nach Stationen als Insolvenzverwalter und strategischer Unternehmensberater im Rheinland landete. Aber die Bedeutung der neuen Aufgabe war ihm direkt klar: „Die Position als Chief Restructuring Officer, die mir angeboten worden war, reizte mich sofort, denn sie entsprach meinen Interessen und Fähigkeiten.“ Die hohe Geschwindigkeit der Branche, das internationale Marktumfeld und die Möglichkeit, die Nachhaltigkeit der eigenen Tätigkeit unter Beweis zu stellen, gaben für ihn den Ausschlag.

„Vorher, als Berater, war ich mit Projekten befasst, die in der Regel ein Jahr dauerten“, sagt Kranz. „Nun ging es um längere Zeiträume sowie eine ganzheitliche Neuorganisation.“ Natürlich wäre es dabei auch um das „primitive“ Kostensenken gegangen, aber auch darum, den Aufbau zu verändern, innovative Prozesse zu stärken und die Internationalisierung zu stärken.

Bereits nach 18 Monaten zeigten sich die positiven Folgen dieser Kur, und 2008 gründete Kiekert seinen ersten Standort in China. Eine richtungweisende Entscheidung, wie sich später zeigen sollte. Denn 2010 kam die Idee auf, einen Eigentümer aus China in Betracht zu ziehen.

„China war schon zu dieser Zeit der größte Automarkt der Welt“, erklärt Kranz den Ursprung dieser Überlegung, „und wir gingen davon aus, dass mit einem chinesischen Gesellschafter ein enorm langfristiges Interesse und Engagement gesichert sind.“ Beim künftigen Investor sollte es keine Überschneidungen zu den Produkten und Kunden geben. Und der wurde auch schnell gefunden.

Bis heute ist Kranz mit der Zusammenarbeit hochzufrieden. Das Unternehmen wird nicht anders als vorher geführt, ein „Aufpasser“ des Investors sitzt nicht vor Ort und auch der oft befürchtete Ideendiebstahl findet nicht statt.

„Heute befindet sich weltweit in jedem dritten Automobil ein Schloss, das auf einem Design von Kiekert basiert“, verweist der Manager auf eine eindrucksvolle Bilanz. 70 Mio. Schließsysteme mit 3,5 Mrd. verbauten Komponenten werden aktuell pro Jahr für rund 60 Automobilhersteller an acht Standorten rund um den Globus gefertigt.

Auch wenn Kranz betont, dass ihm jeder Arbeitstag bisher Spaß gemacht hat und es für ihn bei Kiekert in Zukunft noch viel zu tun gibt, kann er sich vorstellen, irgendwann noch einmal etwas anderes zu machen: „Vielleicht würde mich später eine noch stärker unternehmerische Tätigkeit reizen, also selbst als Inhaber oder Teilhaber einer Firma im Bereich Maschinenbau oder Automotive, die ein industriell gefertigtes Produkt weltweit vertreibt.“

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