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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Studie

Schlechte Chancen für Hochschulkarrieren

Von Lisa Schneider | 23. Februar 2017 | Ausgabe 08

Wer in Deutschland promoviert hat, kann nur selten im Wissenschaftssystem aufsteigen.

Wissenschaftliche Karrieren werden immer attraktiver. Zumindest ist die Zahl junger Wissenschaftler seit 2005 innerhalb von zehn Jahren von gut 87 000 auf fast 145 000 (plus 66 %) gestiegen. Das legt der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs offen, der kürzlich in Berlin vorstellt wurde.

Die Bundesregierung feiert das, schließlich hat sie dafür einiges getan: Mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz stemmte sie sich gegen die gängige Befristungspraxis an deutschen Hochschulen, mit der Reformation des Hochschulstatistikgesetzes veranlasste sie das Wissenschaftssystem, wieder verlässliche Daten über Abbruch- und Erfolgsquoten Promovierender zu sammeln und mit dem Tenure-Track-Programm bemüht sie sich, den jungen Mitarbeitern in Forschung und Lehre mehr langfristige Planbarkeit zu geben.

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (Efi) allerdings weist auf ein starkes Ungleichgewicht im Verhältnis von Nachwuchskräften zu Professoren hin, das „die längerfristigen Beschäftigungschancen des wissenschaftlichen Nachwuchses im Hochschulsektor beeinträchtigt“, so Efi-Mitglied Uschi Backes-Gellner von der Uni Zürich. Die Anzahl der hauptberuflich und unbefristet beschäftigten Professorinnen und Professoren ist von 2005 bis 2015 vergleichsweise langsam gewachsen, um plus 21 % auf 43 700. Der Projektleiter des BMBF beauftragten Berichts, Stefan Krabel vom Institut für Innovation und Technik in Berlin, bestätigt, dass „der Anstieg der Professorenstellen relativ zum Anstieg der Positionen für wissenschaftliche Mitarbeiter deutlich geringer“ sei. „Der Wettbewerb um Professorenstellen nimmt zu.“ Aber, so gibt er zu bedenken, im Wissenschaftssystem gäbe es nie genug Dauerstellen für alle Promovierenden und Post-Docs.

In den Ingenieurwissenschaften wurde das früh erkannt. Die Hälfte der Nachwuchswissenschaftler in diesem Fach strebt schon zu Beginn ihrer Promotion eine forschende Position in der Wirtschaft an. Ein Wert, der in anderen Fächern deutlich darunter liegt. Aber Krabel warnt davor, die Ingenieurwissenschaften als Vorzeigemodell auf die anderen Disziplinen zu übertragen. „Der Sprung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist in den Ingenieurwissenschaften leichter als bei vielen anderen Fächergruppen, weil die Diskrepanz der ausgeübten Tätigkeiten geringer ist“, so der Berliner Wissenschaftler. Die Efi schlägt deshalb zwei Lösungsansätze vor: mehr unbefristete Professuren, um neue Beschäftigungsperspektiven zu schaffen und eine stärkere Berücksichtigung von Karriereperspektiven außerhalb des Hochschulsektors bei der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

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