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Dienstag, 12. Dezember 2017

Fokus Digitalisierung der Energiewirtschaft

Smarte Impulse

Von Stephan W. Eder | 26. Januar 2017 | Ausgabe 04

Der Wandel hin zu Bits und Bytes wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dabei ändert sich die Branche fundamental.

S1 Aufmacher (2)
Foto: [M] Mario Vedder/ddp images/VDI nachrichten

Kaum ein Stein wird auf dem anderen bleiben. Getrieben wird der Wandel in der Energiewirtschaft durch „zwei große Herausforderungen: durch Energiewende und Digitalisierung“, weiß Johannes Kempmann, Präsident des Branchenverbands BDEW.

Das System müsse insgesamt dynamischer und flexibler werden, fordert Ralf Klöpfer, Vertriebsvorstand beim Mannheimer Versorger MVV Energie. Das bisherige Prinzip: „Der Stromverbrauch ist gesetzt und die Erzeugung muss irgendwie folgen“, das gelte nicht mehr – „und wäre am Ende auch nicht bezahlbar“, betont er.

Digitalisierung sei nichts Neues für die Branche, erklärt Ralf Klöpfer. Jetzt aber kommunizierten Geräte und Systeme zunehmend untereinander und vernetzten sich selbst. „Als Folge verschwimmen Märkte und Branchen, und es entwickeln sich neue Geschäftsmodelle – zum Beispiel wenn Automobil, Energie und Telekommunikation bei der Elektromobilität zusammenkommen.“

Foto: RWE

„Mit digitalem Fortschritt steigen die Anforderungen an die Bearbeitung relevanter Daten weiter – eine Fortschrittsspirale.“ Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der Innogy SE.

Was sich in der Folge ändert, sind die Komplexität und die sich in den Unternehmen dynamisch wandelnden Prozesse. Frank Brinkmann, Chef der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung, glaubt, dass es schon in absehbarer Zeit möglich sei, durch die Digitalisierung „mit zehn oder 20 Leuten Milliardenumsätze zu machen“. Eine Crew von wenigen Spezialisten als Kernteam reiche, der Rest werde durch Dienstleister abgedeckt. Ein Bedrohungsszenario, wie Brinkmann gesteht, das man nicht ignorieren dürfe. Mit anderen Worten: Es wird Verlierer geben. Wie groß ihre Zahl sein wird, bleibt offen.

Was in den von Traditionen und Sicherheitsdenken geprägten Unternehmen fehle, sei in Zeiten der Digitalisierung eine Start-up-Mentalität, das Denken, die Dinge völlig neu anzupacken, kritisiert Ulrich Goldschmidt, Vorsitzender des Verbands „Die Führungskräfte“. Auch BDEW-Präsident Kempmann fordert einen Bewusstseinswandel in den Firmen. Vor allem im Vertrieb werde man sich auf eine Fehlerkultur einlassen müssen. Die Digitalisierung lebe vom Erfolg kleiner Fortschritte, Rückschläge nicht ausgeschlossen.

Beispiel Smart Metering: Die seit Jahren anhaltende Phase von Pilotprojekten und Experimenten bedeute einen hohen technischen und menschlichen Aufwand für die Versorger, sagt Dirk Briese, Geschäftsführer des Marktforschers Trendresearch. Wenn die Technik aber einmal installiert sei, ergäben sich „Einspareffekte“ beim Personal. Was nicht heißen solle, dass die Unternehmen fortan auf Ingenieure und ITler verzichten könnten. Die aber dürften in großer Zahl kaum zu finden sein. Der Branche fehlen schon lange Energiefachleute, mit der Digitalisierung öffnet sich eine zweite große Baustelle, da es auch an dringend benötigtem IT-Personal mangelt.

Zur Ruhe kommen wird die Energiebranche vorerst nicht, prophezeite Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der RWE-Tochter Innogy SE, am Dienstag dieser Woche. „Mit digitalem Fortschritt steigen die Anforderungen an die Bearbeitung relevanter Daten weiter – eine Fortschrittsspirale.“ Wer sich diesem Trend verweigere, der werde auch die Energiewende nicht erfolgreich gestalten können.

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