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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Energierohstoffe

Spotmarkt gewinnt bei Gas an Bedeutung

Von Katharina Otzen | 26. Oktober 2017 | Ausgabe 43

Während in Europa der Wunsch nach Versorgungssicherheit die Gaspreise oben hält, ist der Gaspreis in Asien rapide gesunken. Das liegt am Flüssiggashandel, in den inzwischen auch europäische Konzerne drängen.

Foto: Reuters/Tou Hanai

Yuji Kakima, CEO des japanischen Energiehändlers Jera, sieht auf Dauer im Gasmarkt weniger Chancen für Langfristverträge.

Wenn die Gasproduzenten nicht mehr Flexibilität zeigen und vor allem wettbewerbsfähigere Preise bieten, beginnt das „Goldene Zeitalter für Gas“ in Asien gar nicht erst. Davor warnt Yuji Kakimi, der als Vorstandschef der japanischen Jera-Gruppe an der Spitze des größten Gaseinkäufers der Welt steht. Japan fehlt es in vieler Hinsicht an heimischen Rohstoffen und Energieträgern. Ein Grund, weshalb das Land weltweit die Nummer eins bei Flüssiggasimporten ist.

In der erst 2015 entstandenen Jera-Gruppe haben Chubu Electric Power und Tokyo Electric Power (Tepco), zwei der größten japanischen Energieversorger, ihre Interessen beim Einkauf von Gas, vor allem dem Flüssiggas, kurz LNG (liquefied natural gas), gebündelt. Mit LNG-Käufen von jährlich 40 Mio. t liegt Jera derzeit noch vor der südkoreanischen Kogas mit 30 Mio. t LNG pro Jahr an der Weltspitze. Mit einigem Abstand folgen dann CNOOC aus der Volksrepublik China, CPC aus Taiwan und weitere drei Gaseinkäufer aus Japan: Tokyo Gas, Kansai Electric und Osaka Gas.

Während die großen Gas- und Ölproduzenten ihre Kunden in der Vergangenheit mehr oder minder massiv zu langfristigen Verträgen zwingen konnten, weil die Versorgungssicherheit für die Gaskäufer im Vordergrund stand, hat sich das nun drastisch geändert. Dies ist vor allem auf die Shalegas-Gewinnung in Nordamerika und Australien zurückzuführen.

Bernadette Cullinane, Leiterin des Geschäftsbereichs Öl und Gas – Australien bei Deloitte, erklärt, dass die Gaseinkäufer nun selbst entscheiden wollen, wo und bei wem sie kaufen und das Thema Liefersicherheit eine weit geringere Rolle spielt als früher. Kakimi von Jera geht aber noch weiter und betont, dass am LNG-Markt heute die Käufer die besseren Karten haben.

Das wirkt sich auf den Preis aus. Je 1 Mio. Btu (British thermal unit) mussten die Einkäufer in Asien 2014 noch 20,20 $ zahlen, heute sind es um die 6 $. Eine Btu ist eine Handelseinheit, bezogen auf die Energiemenge (1 Btu = 1055 J). Jera-Chef Kakimi sieht in dieser Hinsicht bislang keine schnelle Änderung kommen, sondern geht davon aus, dass der Käufermarkt bei LNG bis mindestens 2020 vorherrschen wird.

Dabei will Kakimi kräftig mitmischen: Jera hat unter seiner Führung von der französischen EdF Trading den kompletten Kohlehandel und das Frachtgeschäft gekauft und beides in die bewusst in Singapur angesiedelte Jera Trading eingebracht. Singapur gilt als einer der größten Öl- und LNG-Umschlagplätze der Welt.

Der Käuferkreis weitet sich aus, auch Europas Konzerne drängen nach. Nicht ohne Grund hat Shell einen weiter ausgelegten umfangreichen Energiehandel in Singapur aufgebaut. Andere Energieproduzenten haben zumindest Handelsteile nach Singapur verlegt.

Dabei ist auffällig, dass über diese Beziehungen die Entwicklung des Gashandels in Fernost auch schon auf den europäischen Markt auszustrahlen beginnt. Dabei geht es vor allem um Spotmarktgeschäfte. So kann LNG inzwischen auch noch umdirigiert werden, wenn der Tanker längst abgelegt hat. Wenn woanders höhere Preise locken, dann fährt der Tanker eben dorthin – eine Folge des LNG-Spotmarkts.

Singapur hat im LNG-Geschäft insofern eine besondere Position, als es über seine großen Terminals sowohl Flüssiggas importiert wie exportiert. Nahezu alle anderen Länder mit eigenen LNG-Terminals beschränken sich – auf den Export oder den Import. Singapur aber setzt auf den Handel. Käufer sind vor allem die südostasiatischen Länder. 

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