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Dienstag, 12. Dezember 2017

Jubiläum

Tamagotchi – Liebe bis zum finalen Tastenklick

Von Jens D. Billerbeck | 11. Mai 2017 | Ausgabe 19

Heute vor 20 Jahren begann in Deutschland der Verkauf des Tamagotchis, jenes elektronischen Haustiers, das in den folgenden Monaten einen beispiellosen Siegeszug durch deutsche Kinderzimmer und Schulen antrat. Um dann, nach wenigen Monaten, wieder in der Versenkung zu verschwinden.

Diese Woche (2)
Foto: Reuters/Chris Helgren

Bunt und billig: Anfang 1997 traten die Tamagotchis von Japan aus ihren Siegeszug um die Welt an. Am 12. Mai war Deutschland an der Reihe.

So lange aber kümmerten sich Abertausende kleine Väter und Mütter liebevoll um das elektronische Ei, fütterten das entschlüpfte virtuelle Küken, spielten mit ihm und sorgten so für eine mehr oder weniger prächtige Entwicklung. Bis das Tamagotchi nach etlichen Tagen seinen elektronischen Tod starb. Sogar virtuelle Friedhöfe im damals noch jungen World Wide Web wurden für heimgegangene Tamagotchis eingerichtet.

„Liebe bis zum finalen Mausklick“ titelten die VDI nachrichten, die sich am 18. Juli 1997 des Phänomens Tamagotchi annahmen. Mit ingenieurmäßiger Gründlichkeit wurde zunächst das technische Innenleben des Spielzeugs analysiert: „Weniger als 20 Einzelteile – das ist das ganze Geheimnis der Tamagotchis. Wer einmal das Ei von seinem einfachen Plastikgehäuse befreit, dem fällt zunächst ein simples LC-Display (2,5 cm x 2,4 cm) entgegen. Über einfache Kunststoffschienen hält das Display Kontakt zur Platine. Auf ihr ist zentral ein Chip vergossen, flankiert von einigen Widerständen und Kondensatoren. Ein Piezo-Piepser und drei Kunststoffknöpfchen sorgen für den Kontakt zu den Tamagotchi-Vätern und -Müttern. Vorausgesetzt natürlich, die beiden Knopfbatterien versorgen das kleine Elektronik-Teil mit Strom.“

Natürlich kamen auch Kritiker wie der Psychotherapeut Ulrich Schmitz zu Wort. Er kritisierte, dass die Geräte ihrem Besitzer Einmaligkeit suggerierten, obwohl die Variation der Charaktere aufgrund der eingesetzten Algorithmen höchst begrenzt war. Doch das störte die weltweite Fangemeinde nicht. Der japanische Hersteller Bandai meldete Produktionsrekorde, von 10 Mio. Stück monatlich war die Rede.

Immer wieder hat es seitdem Tamagotchi-Neuauflagen gegeben, aber der Hype der ersten Monate hat sich bisher nie wiederholen lassen.

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