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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Währung

„Trumponomics“ treiben den Dollar

Von Notker Blechner | 9. Februar 2017 | Ausgabe 06

Der US-Präsident wirft Deutschland Währungsmanipulation vor. Doch der Höhenflug des Greenback ist selbst verschuldet.

Blechner BU
Foto: Foto [M]: panthermedia.net/Eric Scherrer

Der Höhenflug des Dollar zwingt den Euro in die Knie. Seit 2015 steht die Gemeinschaftswährung unter Abwertungsdruck (siehe Grafik).

Wie sich die Zeiten ändern! „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem“, erklärte 1971 John Connally, der damalige US-Finanzminister unter Präsident Nixon, der Welt. Inzwischen ist der Dollar das Problem für die USA. „Unser Dollar ist zu stark, er bringt uns um“, klagte US-Präsident Trump kurz vor seiner Amtseinführung.

Der neue mächtige Mann im Weißen Haus fürchtet um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Unternehmen. Sie könnten mit den chinesischen Konkurrenten nicht mehr mithalten.

Schuld am starken Dollar sind laut Trump Währungsmanipulationen. China würde seine Währung, den Renminbi, künstlich schwach halten. Ähnliches tue Japan mit dem Yen. Und auch Deutschland beute die Amerikaner und die europäischen Handelspartner aus – mithilfe eines deutlich unterbewerteten Euro.

Es ist wohl das erste Mal in der Geschichte, dass sich ein US-Präsident über die Dollarstärke beschwert. In den letzten zwei Jahrzehnten hatte Washington stets betont, dass ein großes Land auch eine starke Währung haben müsse. An den Devisenmärkten jedenfalls haben Trumps Äußerungen Wirkung gezeigt. Sie bremsten den Höhenflug des Greenbacks. Mittelfristig spricht aber vieles für einen steigenden Dollar.

Denn ironischerweise stärkt Trumps „Make America Great Again“-Politik die US-Währung. Mit massiven Steuersenkungen und einem billionenschweren Infrastrukturprogramm für den Bau und die Sanierung von Brücken, Straßen und Flughäfen will Trump die US-Konjunktur ankurbeln. Er träumt von einem Wachstum von 4 % und 25 Mio. neuen Jobs. Ein solcher Wirtschaftsaufschwung in den USA würde zu steigenden Zinsen führen – und den Dollar noch attraktiver machen.

Anleger und Unternehmen würden dann wohl einen Teil ihres im Ausland gehorteten Gelds in die USA zurückbringen. Finanzmarktexperte und Fondsmanager Heiko Thieme rechnet mit bis zu 3 Bill. $, die in die Vereinigten Staaten zurückfließen.

Seit der Wahl Trumps legte der Dollar bereits gut 4 % zu – auch gegenüber dem Euro. Viele Experten halten die zuletzt 2002 erreichte Parität von Euro und Dollar nur noch für eine Frage der Zeit. Die Deutsche Bank rechnet sogar damit, dass im Laufe des Jahres der Euro auf bis 0,95 $ fällt.

Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau traut Trump eine starke Beschleunigung des Wirtschaftswachstums zu. Es sei vorstellbar, dass sich das Bruttoinlandsprodukt der weltgrößten Volkswirtschaft in den nächsten Jahren verdopple. Für das laufende Jahr erwartet der Konjunkturexperte ein Plus von 2,4 %. 2018 könnten es dann 3,6 % werden. Die Trump-Regierung werde schwaches Wachstum nicht tolerieren, glaubt Folkerts-Landau.

Wie will der neue US-Präsident einen weiteren Anstieg des Dollars stoppen? Er könnte direkt in die Währungspolitik der US-Notenbank Fed eingreifen. Die müsste dann z. B. Fremdwährungen kaufen, um den Dollar zu schwächen. Axel Weber, Verwaltungsratschef der Schweizer Bank UBS und früherer Bundesbank-Chef, sah auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Gefahr, dass wir in eine Welt mit Währungsinterventionen zurückfallen. Dabei hatten sich auf dem G7-Gipfel 2013 in London die führenden Industriestaaten darauf geeinigt, nicht (mehr) in die Währungsmärkte einzugreifen.

Washington könnte auch Handelszölle gegen Staaten oder einzelne Branchen verhängen. „Wir werden es noch sehr bedauern, so leichtfertig zum Scheitern eines transatlantischen Handelsabkommens beigetragen zu haben“, erklärte kürzlich der frühere CDU-Politiker Friedrich Merz.

Trumps Antiglobalisierungskurs und der starke Dollar könnten der US-Wirtschaft massiv schaden. Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, glaubt, dass wegen des protektionistischen Kurses „der Boom ausbleibt, den der neue Präsident so sehr versprochen hat“. Die Experten der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch prophezeien gar ein Abgleiten der US-Wirtschaft in die Rezession, falls der Dollar noch stärker wird.

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