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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Personalmangel

Vater Staat wirbt um IT-Sicherheitsexperten

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Sicherheitsbehörden des Bundes, die Bundeswehr sowie Datenschutzaufsichtsbehörden von Bund und Ländern suchen händeringend nach Fachkräften.

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Foto: panthermedia.net/Dimitriy Shironosov

Wanted! Fachkräfte im Bereich IT-Sicherheit werden nicht nur von der Privatwirtschaft gesucht.

Diverse Bundesbehörden, darunter der Bundesnachrichtendienst, suchen derzeit dringend nach IT-Sicherheitsleuten. Und ausgerechnet das Bundesinnenministerium hat beim Bundesnachrichtendienst mit Wilfried Karl einen Top-Mann abgeworben, der nun Chef der neuen „Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich“, kurz Zitis, werden soll. Zuvor war Karl kommissarischer Leiter der Abteilung Technische Aufklärung.

Zitis soll unter anderem Programme entwickeln, mit denen die Messenger-Dienste auf Smartphones abgehört werden können. Die neuen Räumlichkeiten der zum 1. Januar gegründeten Hackerbehörde auf dem Campus der Bundeswehr-Universität in München stehen noch immer nahezu leer. Dabei sollten schon 120 Leute dort arbeiten, bis 2022 sogar 400.

Möglicherweise sind die Stellen nicht attraktiv genug für die IT-Sicherheitsexperten. Sie können in der Wirtschaft teilweise das Doppelte verdienen. Das bestätigt Kai Figge, Chef des IT-Sicherheitsunternehmens G-Data. „Ob Dax-Unternehmen, Telekom oder Behörden – die suchen alle. IT-Sicherheitsexperten sind gefragt und haben ein entsprechend hohes Einstiegsgehalt. Wenn sie denen mit irgendwelchen Besoldungs- und Tarifstufen kommen, dann lachen die nur“, sagt Figge.

Auch der Bundesverfassungsschutz klagt über Anwerbungsprobleme. So richtete er in den letzten drei Jahren rund 350 neue Stellen für IT-Experten ein, um in Bereiche des Darknets eindringen und selbst offensive Hacker-Tools entwickeln zu können. Doch viele der Stellen sind bis heute nicht besetzt. Hans-Georg Maaßen, Chef des Bundesverfassungsschutzes, versucht daher inzwischen die Neugier der Bewerber mit dem Argument zu wecken, dass sie im Dienst Dinge tun dürften, die ihnen in der Privatwirtschaft rechtlich untersagt blieben.

Der Bedarf der Sicherheitsbehörden wird derzeit aber noch von der Bundeswehr getoppt: Sie sucht mindestens 1800 IT-Experten. Der Grund: Täglich werden rund 6500 Angriffe auf Bundeswehrnetze registriert. Anfang April wurde eine neue Teilstreitkraft gegründet, das Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR). Es soll sowohl in Sachen Abwehr wie auch Offensive tätig werden können. Im Moment arbeiten dort 260 IT-Fachleute, im Juli sollen vier weitere Bundeswehreinheiten der Truppe zugeschlagen werden. Insgesamt soll das Kommando 13 500 Dienstposten umfassen. Das Forschungszentrum für Cybersicherheit der Bundeswehr-Universität in München ist dem Kommando angegliedert.

Der an der Bundeswehr-Universität mit mehreren Professuren neu eingerichtete Cyber-Studiengang soll jährlich 70 Absolventen haben. Die Aufstellung einer Cyberarmee für die Bundeswehr erfordert nach Ansicht der Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, Katrin Suder, ein Umdenken bei der Suche nach Personal. Die Regeln etwa für die Cyberreserve müssten geändert werden. Es gebe viele „Nerds“, die ihr Studium abbrechen. Mittlerweile dürften sie in der Truppe die höhere Laufbahn einschlagen.

Auch der Fitnessgrad müsste bei der Einstellung überdacht und gelockert werden. Die Bundeswehr hat aktuell eine Rekrutierungskampagne unter dem Namen „Projekt Digitale Kräfte“ gestartet, die mit Sprüchen wie „Wir verteidigen die Freiheit – jetzt auch im Netz“ und „Wann darf man Hacker hacken?“auf IT-Sicherheitsfachleute abzielt. So werden in diesem und nächsten Jahr 1000 IT-Soldaten und 800 zivile und militärische IT-Administratoren mit höherer Ausbildung gesucht.

Schließlich suchen auch die Datenschutzaufsichtsbehörden von Bund und Ländern händeringend nach neuem Personal. Nicht nur Juristen, sondern auch IT-Experten sollen die Behörden pünktlich zur Einführung der neuen europäischen Datenschutz-Grundverordnung im Mai 2018 handlungsfähig machen. Einem Gutachten des Kasseler Jura-Professors Alexander Rossnagel zufolge müsste jede Landesbehörde ihr Personal um 24 bis 33 Stellen aufstocken – das wären bundesweit insgesamt rund 450 neue Stellen.

Ein Teil dieser Stellen ist in den neuen Haushalten vorgesehen. Der Bundestag bewilligte etwa der Bundesdatenschutzbeauftragten Andrea Voßhoff für dieses Jahr 49 neue Planstellen. Aber schon jetzt finden die Behörden kein geeignetes Personal. Mit Blick auf Europa müssen die Neuen nicht nur komplizierte, technische Sachverhalte verstehen, sondern Englisch verhandlungssicher beherrschen. Die Landesbehörde in Mecklenburg-Vorpommern klagt, dass sich solches Personal kaum auf die vom Landtag bewilligten befristeten Stellen ins nördliche Flachland locken lasse. Und falls man doch einen Kandidaten finde, ließe sich dieser nicht selten von Behörden an attraktiveren Standorten wieder abwerben.  

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