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Sonntag, 17. Dezember 2017

Porträt der Woche

Werte schaffen Zukunft

Von Ken Fouhy | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Renate Pilz übergibt Ende 2017 die Führung des schwäbischen Automatisierungsspezialisten an ihre zwei Kinder.

S2 Portrait der Woche (2)
Foto: Pilz

Renate Pilz: Zukunft gesichert! Sohn Thomas und Tochter Susanne sind bereits in der Geschäftsführung des Unternehmens tätig.

Renate Pilz versprüht eine ansteckende Zuversicht. Es gibt anscheinend nichts, was die 76-jährige Unternehmenslenkerin aus Ostfildern lange aus der Bahn werfen kann. Im Gespräch redet Renate Pilz leise, lacht viel, hört genau zu, fragt nach und gibt einem das Gefühl, als Gesprächspartner geschätzt zu sein. Auch bohrende Fragen eines Journalisten beantwortet sie präzise und ruhig. Diese Wertschätzung des Gegenübers ist sicherlich ein Schlüssel zu ihrem Erfolg als Unternehmerin und als Führungskraft. Für Pilz ist Führung ohne ein Wertefundament nicht vorstellbar. Deshalb steht in der Führungsrichtlinie ihres Unternehmens: „Ethisches Führen setzt ein echtes Interesse am anderen Menschen, am Geführten voraus.“

Renate Pilz

Zu der bei Pilz entwickelten Führungsrichtlinie gehören neben respektvollem Umgang Ehrlichkeit, Offenheit, Loyalität und Zuverlässigkeit. Aber auch Hilfsbereitschaft und Fleiß sind gefragt. Die Unternehmerin verkörpert ihre eigene Leitlinie.

Das Unternehmertum bleibt aber in einem Gespräch mit Renate Pilz nie lange unerwähnt. „Werte und die Führungskultur sollen Freiräume schaffen, um Ideen einbringen zu können. Sie sind das Fundament für die Innovationskraft“, sagt sie.

Von dieser Innovationskraft lebt der mittelständische Hersteller von Automatisierungstechnik. Immer wieder ist es dem Unternehmen im Laufe der letzten Jahrzehnte gelungen, mit neuen Produkten wie dem Pilz-Taster De-Facto-Industriestandards zu setzen. Wenn es um Safety und Security in der Automatisierungstechnik geht, kommen oft die gelben Produkte von Pilz zum Einsatz.

Mit einer langjährigen Forschungs- und Entwicklungsquote von ca. 20 % gemessen am Umsatz, gestaltet Pilz seine eigene Zukunft. Derzeit werden am Stammsitz in Ostfildern 7 Mio. € in ein F&E-Zentrum investiert. Nach Abschluss der Baumaßnahmen werden dort rund 330 Ingenieure arbeiten.

Beim Thema Industrie 4.0 sieht die Chefin viele Chancen für neue Anwendungen. Gleichzeitig stellt sie fest: „Die Industrie befindet sich in einem Transformationsprozess. Vernetzung und Digitalisierung der Geschäftsprozesse verändern nicht nur die Produktion, sondern auch die Art, wie wir zusammenarbeiten.“ Industrie 4.0 ist in der eigenen Fertigung in Ostfildern mit ersten Anwendungen etabliert. Im Einsatz ist bereits ein intelligenter Werkstücktransport zur Produktion von Leiterplatten.

Noch sind die Auswirkungen solcher Automatisierungen überschaubar. Für Renate Pilz bleibt es eine wichtige Aufgabe des Managements, die Mitarbeiter auf die kommenden Änderungen vorzubereiten, denn viele manuelle Tätigkeiten werden in Zukunft durch die Vernetzung wegfallen. Denn bei Pilz hat es noch nie eine betriebsbedingte Kündigung gegeben – auch nicht nach der Finanzkrise im Jahr 2009.

Heute beschäftigt Pilz etwa 2200 Mitarbeiter – circa 10 % kommen jedes Jahr hinzu. Trotzdem hat das Unternehmen eine durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von zwölf Jahren. Der Umsatz überschritt im vergangen Jahr erstmals die 300-Mio.-€-Marke.

Mit solchen Kennzahlen würde Renate Pilz nie angeben. „Erfolg ist nicht nur eine Sache des Umsatzes; kein Wachstum um jeden Preis“, sagt sie. Viel wichtiger sei, dass die Gewinne reinvestiert werden, um dem Unternehmen Nachhaltigkeit zu garantieren. Denn „Pilz will weiter wachsen, um unabhängig zu bleiben“.

Über den Fortbestand des Unternehmens macht Renate Pilz sich keine Sorgen. Seit Jahren teilt sie die Geschäftsführung des Unternehmens mit ihrer im Jahr 1970 geborenen Tochter Susanne Kunschert und ihrem Sohn Thomas Pilz (Jahrgang 1967).

„Sie werden basierend auf unseren Unternehmenswerten und unserer Strategie auf gute und bewährte Weise das Unternehmen weiterführen“, zeigt sich Renate Pilz überzeugt.

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