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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Politik

„Wir haben den Luxus nicht mehr, Zeit zu haben“

Von Stephan W. Eder | 9. November 2017 | Ausgabe 45

Am Montag eröffnete die Weltklimakonferenz in Bonn. Das Beispiel der Bundesstadt zeigt, wie herausfordernd Klimaschutz sein kann.

w - Weltklimahauptstadt BU
Foto: dpa Picture-Alliance/Oliver Berg

Eröffnung der Weltklimakonferenz COP23: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (Mitte) und Salaheddine Mezouar (li.), Präsident der 2016er-Konferenz, kommen gemeinsam.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks kam mit vollen Händen zur Weltklimakonferenz: „Deutschland unterstützt den Anpassungsfonds zusätzlich mit 50 Mio. €“, erklärte sie bei der Eröffnung am Montag in Bonn. Der Anpassungsfonds finanziert unter anderem Maßnahmen zum Küstenschutz und die Umstellung auf neue Anbaumethoden in der Landwirtschaft. Das Bundesentwicklungsministerium gibt weitere 50 Mio. € in den „Least Developed Countries Fund“, der gezielt die ärmsten Länder bei der Klimaanpassung unterstützt.

„Klimawandel ist mit jedem einzelnen Aspekt von Entwicklung verbunden“, betonte Patricia Espinosa, Direktorin des Weltklimasekretariats UNFCCC. Es werde in Bonn um feste Zusagen bei Finanzhilfen und der Abschwächung des Klimawandels gehen, das sei essenziell, sagte sie. „Wir haben den Luxus nicht mehr, Zeit zu haben, wir müssen jetzt handeln“, mahnte sie. Die Präsidentschaft der Konferenz, der Südseestaat Fidschi, legt einen Schwerpunkt auf die am meisten vom Klimawandel betroffenen Nationen und Regionen.

Treibhausgasemissionen senken müssen die Industrieländer. Dass das nicht einfach ist, zeigt das Beispiel der Stadt Bonn, die die Weltklimakonferenz beherbergt. Weil dort auch das Weltklimasekretariat angesiedelt ist, hat sie sich eigene Ziele zur Senkung der Treibhausgasemissionen pro Kopf bis 2020 gesetzt. „Nach der aktuell vorliegenden CO2-Bilanz hat Bonn seine Emissionen von 1990 bis 2014 um 22 % pro Kopf reduziert“, erklärte Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Damit werde das 20-%-Ziel im Rahmen des „Covenant of Mayors“ erreicht. „Für eine Halbierung der CO2-Emissionen bis 2030, wie sie das Klimabündnis anstrebt, sind weitere Maßnahmen erforderlich, die aber nur teilweise durch die Kommune steuerbar sind“, sagte Sridharan.

„Die beiden größten Herausforderungen zur weiteren Senkung der CO2-Emissionen sind zum einen die energetische Sanierung des Bonner Gebäudebestandes und die Trendumkehr der steigenden Emissionen aus dem Verkehrsbereich“, so Sridharan weiter. Bonn ist damit Spiegelbild Deutschlands: „Der überwiegende Teil der Bonner Gebäude stammt aus der Zeit vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Auf ihn entfallen allein 40 % der CO2-Emissionen in Bonn“, so der Oberbürgermeister. Die Stadt hat daher eine eigene Energieagentur gegründet, die spezielle Beratungsangebote für Eigentümer von Bestandsimmobilien anbietet.

Foto: dpa Picture-Alliance/Klaus-Dietmar Gabbert

„Der Kampf gegen den Klimawandel muss vor Ort stattfinden. Die Weltklimakonferenz ist eine Chance zu zeigen, dass lokale und regionale Aktionen globale Klimapolitik antreiben können.“ Ashok Sridharan, Oberbürgermeister Bonn.

Alleine könne eine Stadt wie Bonn die avisierten Emissionssenkungen nicht schultern, machte Sridharan deutlich. „Zur Identifizierung besonders problematischer Bereiche des Stadtklimas und seiner zukünftigen Entwicklung arbeitet die Stadt Bonn mit wissenschaftlichen Einrichtungen in einem vom BMBF geförderten Projekt an einer hochaufgelösten Stadtklimaanalyse und zukünftigen Entwicklungsszenarien.“ Die Ergebnisse sollen wichtige Grundlagen für Entscheidungen zukünftiger Bauvorhaben liefern.

Beispiele dafür, was Sridharan nicht beeinflussen kann, sind die beiden Autobahnprojekte, die in und um Bonn herum geplant sind: Im Süden von Bonn soll ausgebaut werden, nördlich der Stadt ist eine neue Autobahn-Rheinquerung in Diskussion. Eine Abschätzung, welche Auswirkungen die Pläne auf die Treibhausgasemissionen in der Stadt hätten, könne laut Sridharan im Falle der geplanten nördlichen Rheinquerung bei Wesseling „noch nicht vorgenommen werden, da von Straßen NRW noch keine Planungsvarianten und Aussagen zum erwarteten Verkehrsfluss vorliegen“.

Für den Ausbau der sogenannten „Südtangente“ sei bereits im Bundesverkehrswegeplan 2030 eine erste überschlägige Bewertung vorgenommen worden. Dort werde, so der Oberbürgermeister, „für den Planfall von knapp 10 000 t pro Jahr (9881 t/a) höheren Emissionen für CO2 ausgegangen“. Insgesamt lagen die Treibhausgasemissionen von Bonn 2014 bei 2,32 Mio. t – und die verkehrsbedingten Emissionen stiegen von 1990 bis 2014 um fast ein Viertel.

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