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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Energiespeicherung

Zeit der Großspeicher kommt erst noch

Von Stephan W. Eder | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Deutschland ist in Europa führend bei Solarbatterien für den Hausgebrauch. Für den Durchbruch auf breiter Front braucht es aber eine bessere Einbindung der Technologie in das Energierecht.

w - Energy Storage SWE BU
Foto: dpa Picture-Alliance/Uli Deck

Großbatterietechnik: Beim Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie in Pfinztal wird eine Batterie in Redox-Flow-Technik zur Speicherung von Windstrom aufgebaut. Die Batterie soll 20 MWh Strom speichern können.

Rund 52 000 Solarstromspeicher waren Ende 2016 in Deutschland installiert, teilte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) auf Basis einer aktuellen Markterhebung zu Wochenbeginn in Berlin mit. Damit seien 2016 gut 20 000 neue Heimspeicher hinzugekommen.

„Wer sich einen Stromspeicher zulegt, kann größere Mengen des selbst erzeugten Solarstroms auch selbst verbrauchen. Das ist ein konkreter Nutzen für Verbraucher. Weil für den solaren Eigenverbrauch keine EEG-Förderung gewährt und zugleich Netzausbau vermieden wird, profitiert auch die Allgemeinheit von solaren Heimspeichern“, erläutert BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.

Batteriespeicher gelten als wesentlicher Baustein der Energiewende, weil sie mit ihrer Pufferfunktion das Stromnetz stabilisieren können. Der BSW weist darauf hin, dass der intelligente Einsatz von Photovoltaik-Heimspeichern den Anteil erneuerbarer Energien im Haushalt erhöhen und Kosten für den lokalen Netzausbau reduzieren könne. Zu einem entsprechenden Ergebnis kam die zu Monatsbeginn vorgestellte Netzflexstudie der Deutschen Energie-Agentur.

Die sogenannten Solarstrom- oder Photovoltaikspeicher für den Hausgebrauch sind allenfalls ein Anfang für die Energiespeicherbranche. Um mittel- bis langfristig große Speicherkapazitäten zu errichten, die bei Dunkelheit und Flaute ganze Kraftwerke ersetzen könnten, braucht es zusätzliche Speichertechnologien. Beispiele dafür sind die Power-to-X-Technologien oder Redox-Flow-Batterien, wie sie derzeit das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie in Pfinztal baut. Die Anlage soll 20 MWh Strom aufnehmen können.

Eine Großanwendung klassischer Batterien ist der Plan des Energiekonzerns Vattenfall, vom Autohersteller BMW bis zu 1000 Elektrobatterien zu kaufen, die dieser auch in seinen i3-Modellen verbaut, und diese Speicher in einem Offshore-Windpark vor den Niederlanden und an Land in Südwales einzusetzen. Die Pläne wurden am Dienstag in Berlin bekannt; Vattenfall experimentiert aber bereits im Hamburger Hafen gemeinsam mit Bosch und BMW an einem Stromspeicher aus 100 ausgedienten Autobatterien mit einer Kapazität von 2,8 MWh. Er soll überschüssigen Wind- oder Solarstrom aufnehmen und kurzfristig wieder ins Netz abgeben.

Direkten Subventionen für bestimmte Technologien wie die Energiespeicher erteilte Thorsten Herdan, Abteilungsleiter Energiepolitik im Bundeswirtschaftsministerium, am Dienstag dieser Woche eine Absage. Es gehe darum, im Energiemarkt einen Wettbewerb für Flexibilitätsoptionen zu erreichen, betonte er auf der Eröffnung der Energiespeichermesse Energy Storage Europe in Düsseldorf.

Hier sieht auch Tudor Constantinescu, Chefberater der Generaldirektion Energie der EU-Kommission, die Rolle der Energiespeichertechnik. „Wir werden sie brauchen, wenn es darum geht, die Back-up-Kapazitäten in Europa zu dekarbonisieren“, betonte er. Bisher werden diese Back-up-Kapazitäten oft durch fossil befeuerte Großkraftwerke gestellt. Es sei nicht nötig, dass man bestimmte Technologien wie die Energiespeicher konkret fördere, sondern dass die Wettbewerbsbedingungen fair seien, so Herdan. „Da haben wir Hausaufgaben zu machen, in Deutschland und in Europa“, räumte er ein.

„Da bewegt sich einiges“, bestätigt Martin Ammon, Leiter des Bereichs Energiewirtschaft beim Bonner Marktforschungsinstitut EuPD Research. Es gebe erste Ansätze, wie man einen Speicher definieren könne, ihn also technologisch einordne. „Wenn die Speicher von Netzentgelten und EEG-Umlage befreit würden, könnten sich am Markt ganz andere Geschäftsmodelle entwickeln, wie zum Beispiel Quartiersspeicher. Die technologische Machbarkeit und Einsatzreife solcher Konzepte wurden schon belegt, sie scheitern derzeit an den Rahmenbedingungen.“

Kurt Baes, Partner und Energiespeicherexperte bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little (AdL), ist vorsichtig, wenn es um die Installation großer Batteriesysteme durch Energieversorger und Kraftwerksbetreiber geht. „Aus Sicht der Netzbetreiber können Batteriespeicher eine Rolle bei der Netzstabilisierung spielen. Aber immer nur als Teil eines Mixes einer Vielzahl von Lösungen, die jede mit ihren spezifischen Eigenschaften zur Netzstabilisierung beitragen.“ Das zeige eine neue Studie. Die Wettbewerbsfähigkeit von Batteriespeichern „sehen wir innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte nicht kommen“.

Die im BSW-Solar organisierten Speicheranbieter rechnen hingegen im Heimbereich mit einem weiteren Anziehen der Nachfrage. Innerhalb der nächsten zwei Jahre dürfe sich die Zahl der installierten Stromspeicher auf 100 000 verdoppeln, so ihre Prognose. Allein in den letzten drei Jahren seien die Preise für Heimspeicher um 40 % gesunken.

Schon jetzt werde zu annähernd jeder zweiten neu installierten Photovoltaikanlage im Eigenheimbereich ein Batteriespeicher direkt dazu gekauft. Dank sinkender Preisen werde auch eine Nachrüstung bei bestehenden Solarstromanlagen immer wirtschaftlicher.

„Solarsysteme mit Speicher werden im Vergleich zu reinen Photovoltaikanlagen immer rentabler, weil die Speicherkosten rasch sinken. Schon im kommenden Jahr könnte ein System mit Speicher wirtschaftlicher sein als eines ohne Speicher“, erklärt Ammon den gegenläufigen Trend im Heimspeichermarkt.

Nach Angaben von AdL gebe es jenseits der Kostensenkung bei der Batterietechnologie sogar weiteren Spielraum für Preissenkungen. Es fehle zum Beispiel im Bereich der Wechselrichter die Konkurrenz. „Hier sehen wir auf lange Sicht, dass die Batteriesystemanbieter die Inverter komplett in das Speichersystem integrieren werden. Das wird dann in den nächsten Jahren auch hier zu fallenden Preisen führen“, sagt Baes. Seite 16

Weltweit soll sich die Kapazität dezentraler Batteriespeicher, wie jener für die Solarstromhausanlagen, nach EuPD-Angaben von geschätzten 6 GW in diesem Jahr auf 40 GW im Jahr 2022 vervielfachen. Deutschland gilt dabei mit seinen mehr als 50 000 Anlagen als europaweit führend.

Photovoltaikspeicher für Einfamilienhäuser hätten in einigen Ländern Europas, darunter Deutschland, einen deutlichen Schub bekommen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie von AdL. „Dies hängt teils an Vergünstigungen oder einer Förderung, in Deutschland aber auch daran, dass sich aufgrund der hohen Endverbraucher-Strompreise der Eigenverbrauch des Solarstroms lohnt“, erklärt Studienleiter Kurt Baes.

Hinzu kommt in Deutschland, dass ein Teil der Käufer gut verdienend und gebildet ist und diese Technik gerne als Erstanwender einsetzt.

Deutschland bildet insofern auch eine Ausnahme in Europa, dass hier das Vertrauen in die staatliche Förderung sehr hoch ist. In anderen Ländern, wie Spanien und Belgien, wurden früher Förderungen für Ökostromanlagen rückwirkend gekappt. Die Endverbraucher sind daher dort recht skeptisch eingestellt, die Förderung gilt als risikoreich.

Wichtig für den Erfolg der PV-Batteriespeicher in Deutschland ist nach Angaben von EuPD-Experte Ammon die hohe installierte Basis an Photovoltaikanlagen. „Die Technik ist bekannt und akzeptiert, die Hersteller etabliert. Dies spielt im europäischen Vergleich eine Rolle, das macht eine Marktdurchdringung mit einem Zusatzprodukt wie dem Speicher einfacher“, sagt Ammon.

Hierbei spielten auch die mit der Technik vertrauten Installateure eine wichtige Rolle. „In Deutschland hatten 2016 drei Viertel aller Solar-Installateure Photovoltaik-Speicherlösungen im Angebot, in Großbritannien waren es 18 %. Es dauert, bis die Installateure überzeugt sind, und hier hat Deutschland einen Vorsprung im europäischen Markt“, so Ammon.

Förderung spiele hingegen in Deutschland immer weniger eine Rolle, weil der Fördertopf der Kreditanstalt für Wiederaufbau ein gedeckeltes Budget habe. Ammon rechnet für dieses Jahr in Deutschland mit 7000 Anlagen, die gefördert werden können, insgesamt würden aber voraussichtlich 30 000 Photovoltaik-Batteriespeicher installiert werden.“

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