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Freitag, 15. Dezember 2017

Kommentar

59 Kilometer

Von Peter Schwarz | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Mit Heidelberg, Köln und Erfurt existierten Ende des 14. Jahrhunderts gerade einmal drei Universitäten. Heute gibt es kaum noch eine Kreisstadt, die sich nicht mit einer wissenschaftlichen Lehranstalt schmückt.

Peter Schwarz, Redakteur: Flächendeckendes Hochschulangebot darf nicht zur Verflachung führen.

Wer hierzulande studieren will, hat es nicht weit. Rein rechnerisch ist die nächste Hochschule maximal 59 km, also etwa eine Auto- oder Zugstunde, entfernt. Das zeigt eine neue Studie des zur Bertelsmann-Stiftung gehörenden Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Danach ist die Zahl der Hochschulniederlassungen in den vergangenen 26 Jahren rapide gestiegen. Von den 619 Standorten, die die Forscher Ende vergangenen Jahres ausgemacht haben, existierten 1990 erst 232.

Auffällig ist dabei die enorme Zunahme bei privaten Fachhochschulen. Sie stehen inzwischen für jede sechste Akademikerschmiede in Deutschland. Wissensfabriken boomen vor allem in Großstädten und Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Dabei gilt: Je höher die Abiturientendichte einer Region, desto üppiger das Angebot an akademischen Weiheorten. Ähnlich wie Unternehmen richten auch Hochschulen ihre Standortentscheidungen mehr denn je an potenzieller Nachfrage aus.

Eine erfreuliche Entwicklung? „Die geringe Distanz zum nächsten Hochschulstandort erleichtert den Hochschulzugang, weil mangelnde Bereitschaft zu räumlicher Mobilität eine geringere Zugangshürde darstellt“, schreibt das CHE zu Recht in seiner Studie. Die Vielfalt schaffe größeres Potenzial für ein „Matching“ von persönlicher Studienpräferenz und Hochschulprofil.

Doch der Boom birgt auch Risiken. Vor allem bei kleinen Hochschulstandorten ist fraglich, ob Personal und Ausstattung ausreichen, dauerhaft hohe Studienqualität zu gewährleisten. Es ist gut, wenn Hochschulen in die Fläche gehen – nur darf das nicht zur Verflachung führen.  

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