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Dienstag, 12. Dezember 2017

Kommentar

Abschreckendes Beispiel Trump

Von Peter Steinmüller | 22. Juni 2017 | Ausgabe 25

Es wirkt wie der Traum jeder Führungskraft: das Video von der Kabinettssitzung der US-Regierung, zu deren Beginn jeder Minister sich erst einmal verbal vor Donald Trump in den Staub wirft. Gegenseitig überbietet sich die politische Elite der USA mit Bekundungen von „Ehre“ und „Dank“ für diesen so großartigen Präsidenten arbeiten zu dürfen.

Peter Steinmüller, Ressorleiter: Wer sich auf sein Charisma verlässt, ist verlassen.

Doch mit gutem Grund fielen Kritikern dazu Stichworte wie „Speichelleckerei“ und „Nordkorea“ ein. Zum einen gehört die Loyalität von Mitarbeitern primär dem Amt oder der Rolle des Vorgesetzten, nicht der Person. Sie ist grundsätzlich austauschbar, die Organisation muss unabhängig von Einzelnen funktionieren, um ihr Überleben zu sichern.

Zum anderen ist die Führungsmethode, die der Soziologe Max Weber als charismatische Herrschaft bezeichnete, mehr als problematisch: Denn Manager, die sich alleine auf ihre besondere Ausstrahlung verlassen, sind immer darauf angewiesen, dass diese bei ihren Mitarbeitern wirkt, was in Zeiten zunehmender Diversität immer seltener der Fall ist.

Zudem verhindert der Konformitätsdruck, den die Aufnahmen aus dem Trump-Kabinett exemplarisch belegen, dass wichtige Informationen aufgenommen werden. Und letztlich nutzt sich Charisma ab, was dazu führt, dass solche Persönlichkeiten ihre Durchsetzungsfähigkeit verlieren – in der Fußballersprache: „Der Trainer erreicht die Spieler nicht mehr.“

Offensichtlich setzt Trump in der Politik auf die gleichen Methoden, denen er seine zweifelhaften Erfolge als Immobilienmogul zu verdanken hat. Der Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer bemerkte dazu einmal sarkastisch, dass man Menschen wie Trump, „die in der Bauindustrie groß geworden sind, hier nur aus Zeitungen oder dem Tatort kennt“.

Wer also außerhalb der Immobilienbranche von Las Vegas oder New York Karriere machen will, sollte seine Allmachtsfantasien nachdrücklich zähmen und seine Mitarbeiter als verantwortungsbewusste und mündige Persönlichkeiten behandeln.

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