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Montag, 11. Dezember 2017

Kino

Apps machen Kino barrierefrei

Von Fabian Kurmann | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Heute wird der diesjährige deutsche Filmpreis verliehen. „Einen Großteil der dort nominierten Filme können mittlerweile auch Sehbehinderte und Hörgeschädigte sehen“, sagt Seneit Debese, Gründerin und Geschäftsführerin von Greta und Starks, – dank der Apps des Start-ups.

Kultur-Einspalter (2)
Foto: Greta und Starks

Untertitel-Headset: Das Gerät blendet im Kino individuell die Untertitel des Films für Hörgeschädigte ein.

 Diese nutzen nämlich das Handy, um Audiodeskriptionen und Untertitel mit dem laufenden Kinofilm zu synchronisieren. „Man kann bei jeder Stelle einsteigen, auch wenn man zu spät ins Kino kommt“, sagt Marketingchef Andres Schüpbach.

Der Nutzer wählt in der App einen Film. Die Software „hört“ über das Mikro den Filmton und sucht anhand der Frequenz die richtige Stelle. Im Normalfall soll das laut Schüpbach 4 s bis 6 s dauern, bei Extremfällen wie Regen im Freiluftkino oder bei längeren absolut stillen Szenen 10 s bis 15 s. Dann kann der Nutzer auf dem Smartphone die Untertitel mitlesen oder bekommt über Kopfhörer Kernelemente der Handlung erzählt.

Während deutsche Filme per Gesetz die Barrierefreiheit mitliefern müssen, wenn sie Filmförderung erhalten, liefern große Verleiher wie Disney, Warner oder Universal diese freiwillig. „Der Markt ist gar nicht so klein“, sagt Schüpbach. Im deutschsprachigen Raum gebe es über 6 Mio. Schwerhörige, Taube und Sehbehinderte.

„Ich hab die Apps im Kino schon öfters eingesetzt und bin damit sehr zufrieden“, sagt Wilhelm Gerike, der für den Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten arbeitet und selbst blind ist. „Meine Frau und ich benutzen sie beide.“

Den nächsten Schritt geht das Vierpersonen-Start-up Greta und Starks im September. Dann will es ein Headset auf dem Markt bringen, das Untertitel direkt im Sichtfeld, also auf der Kinoleinwand, anzeigen kann. „Seit wir vor drei Jahren mit der Entwicklung der App begonnen hatten, wussten wir: Man braucht ein Headset, um die Untertitel komfortabel darzustellen“, erklärt Debese. Die Anforderung, einen ganzen Film durchzuhalten, erfüllte damals keine Hardware, also entwickelte man zusammen mit der BBW-Hochschule in Berlin und der Westsächsischen Hochschule Zwickau ein eigenes Gerät. Das Headset gibt keinen Ton wieder. Es zeigt nur Untertitel und soll bis zu drei Stunden durchhalten. Googles Datenbrille „Glass“ und andere waren wegen der Kamera keine Option. Die Verleiher hatten Angst vor Filmpiraterie. „Außerdem ist ein Headset angenehmer zu tragen als eine Brille“, sagt Marketingchef Schüpbach. Ein endgültiger Prototyp soll Anfang Mai fertig sein. Die Geräte könnten sich Hörgeschädigte ab September an den Kinokassen ausleihen oder bei Greta und Starks für den Zielpreis von 350 € bis 400 € pro Gerät erwerben.

Auch Touristen könnten von der Entwicklung profitieren, obwohl sie gut hören: „Wir arbeiten daran, dass man sich internationale Untertitel auf das Headset laden kann“, sagt Debese. So könnten beispielsweise deutsche Urlauber einfach in Frankreich ins Kino gehen. Auch mit dem Londoner Nationaltheater sei man in Gesprächen, so Debese. „Für diese Weiterentwicklung braucht unser Start-up aber noch Verstärkung.“ kur

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