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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Im Interview

„Auf lange Sicht genügend Arbeit“

Von Klaus Jopp | 9. November 2017 | Ausgabe 45

Ivam-Geschäftsführer Thomas Roland Dietrich über das, was Ingenieure bei der Medizintechnik erwartet.

VDI nachrichten: Herr Dietrich, wenn man über den Gemeinschaftsstand des Fachverbandes für Mikrotechnik (Ivam) auf der Compamed, der Zulieferermesse für Medizintechnik, geht, gewinnt man den Eindruck, dass Mikro- und Medizintechnik auf engste Weise verbunden sind.

Foto: IVAM

Thomas R. Dietrich: „Medizintechnik ist ein wesentlicher Treiber für neue Entwicklungen in der Mikrotechnik.“

Dietrich: Das ist richtig. Die Mikrotechnik ist wichtiger Bestandteil der modernen Medizintechnik. Sensoren in diagnostischen Geräten, miniaturisierte Pumpen zur Medikamentendosierung und nanostrukturierte, antibakterielle Oberflächen sind nur einige Beispiele. Aber auch umgekehrt ist die Medizintechnik ein wesentlicher Treiber für neue Entwicklungen in der Mikrotechnik.

Wie viele Ihrer Mitgliedsunternehmen arbeiten im Bereich Medizintechnik?

Fast 80 % der Mikrotechnikunternehmen produzieren für die Medizintechnikindustrie.

Mikrotechnikverband fördert den Mittelstand

Wie wichtig ist die Medtech-Branche als Arbeitsmarkt?

Laut „Branchenbericht Medizintechnologien 2017“ von BVMed arbeiten in Deutschland 210 000 Menschen in der Medizintechnikbranche; weitere 150 000 Arbeitsplätze hängen direkt davon ab. Die meisten dieser Arbeitsplätze gibt es bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Hat die Medizintechnik großen Bedarf an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern?

Die Medizintechnik entwickelt sich rasant. Die Möglichkeiten der Digitalisierung führen zu erhöhtem Bedarf an mikrotechnischen Bauteilen, die den Arzt bei Diagnose und Therapie unterstützen. Mobile „Theranostik“ – eine Kombination aus tragbaren diagnostischen und therapeutischen Geräten –, minimal invasive, robotergesteuerte Operationsmethoden, intelligente Implantate sind nur einige Felder, mit denen sich Ingenieure, aber auch Laboranten und Techniker gerade beschäftigen.

Die Medtech-Branche ist ebenso mittelständisch geprägt wie ihre Mitgliedsfirmen. Welche Auswirkungen hat das auf den Arbeitsmarkt?

Mittelständler, speziell in expandierenden Industrien, halten ihre Mitarbeiter; die Fluktuation ist geringer als in größeren Unternehmen. Allerdings sind KMU auch anfälliger für die Änderung von externen Rahmenbedingungen. Insbesondere die regulatorischen Anforderungen sind für kleinere Firmen eine große Hürde, die Investitionen in neue Mitarbeiter hemmt. Wenn sich solche Firmen allerdings für die Schaffung neuer Arbeitsplätze entschieden haben, sind diese meist sicher und auf lange Sicht angelegt.

Befürchten Sie einen Fachkräftemangel in Deutschland?

Schon heute suchen laut BVMed-Herbstumfrage 88 % der Unternehmen neue Mitarbeiter. In den nächsten Jahren wird die Zahl der Absolventen an Hochschulen und in der Ausbildung wieder abnehmen. Auf der anderen Seite werden die Aufgaben für gut ausgebildete Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler zunehmen. Gerade KMU haben einen schweren Stand gegen die gut zahlende Großindustrie. Diesem Mangel muss frühzeitig entgegengewirkt werden. Neben ständiger Weiterbildung und neben Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitslose müssen dringend Konzepte für eine gezielte Einwanderungspolitik erarbeitet werden.

Die Medtech-Branche ist durch kurze Produktzyklen geprägt. Ist das ein Pluspunkt für junge Entwickler?

Kurze Produktzyklen kennzeichnen eine allgemeine Entwicklung aller Industriebereiche. Es entstehen immer wieder spannende Aufgabenfelder. Ein Drittel des Umsatzes in der Medizintechnikindustrie wird mit Produkten erzielt, die nicht älter als drei Jahre sind. Das eröffnet große Chancen für junge Entwickler mit neuen Ideen.

Wie sehen die Verdienstmöglichkeiten in der Medizintechnik aus?

Sie liegen auf Augenhöhe mit der Pharmaindustrie. Durch gute Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten und zunehmende Internationalisierung der expandierenden mittelständischen Medizintechnikunternehmen sind gute Gehaltsentwicklungen zu erwarten. ws

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