Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Dienstag, 12. Dezember 2017

Karrieretelefon

„Bauen Sie Ihr Netzwerk aus“

Von Claudia Burger | 12. Januar 2017 | Ausgabe 01

Petra Kasüschke (Vallourec Deutschland) und Marcus Holzheimer (MH3 Beratung) beantworteten vor Weihnachten die Fragen unserer Leser.

Bildartikel zu Karrieretelefon 15-12-2016_1.jpg
Foto: Foto U. Zillmann

Direkter Draht zu den Profis: Petra Kasüschke von Vallourec Deutschland und Marcus Holzheimer, Inhaber der MH3 Beratung, gaben wertvolle Tipps.

Ich bin Elektroingenieur, 29 Jahre alt, und habe mein erstes Arbeitsverhältnis nach anderthalb Jahren wegen Burn-out, zu hoher unbezahlter Überstundenanzahl auf Baustellen (zusätzlich noch in belastender Luft), kurzfristigen Auslandseinsätzen und Stress mit Vorgesetzten beendet. Wie stelle ich das im Vorstellungsgespräch dar?

Stellen Sie es positiv dar. Mit 29 Jahren und erstem Arbeitgeber darf man sagen, ich habe die Reißleine gezogen. Das war nicht meine Aufgabe und ich suche jetzt eine neue Herausforderung. Ich würde weder schlecht über den alten Arbeitgeber und dessen Umgang mit Überstunden noch auf Burn-out eingehen. Bewerben ist Verkaufen, und da betont man die positiven Eigenschaften, und wenn man wieder gesund ist ohne nachbleibende Schäden oder Auswirkungen, ist das im neuen Bewerbungsprozess irrelevant.

Ich bin 36 Jahre alt, habe Bio-Verfahrenstechnik studiert und arbeite im Bereich Life Science. Ich blicke auf elf Jahre Berufsleben bei vier Arbeitgebern zurück. Ich habe Projekterfahrung, habe im Vertrieb gearbeitet. Ich bin kommunikativ, kenne mich gut mit MS Office aus und kann mehrere Fremdsprachen, möchte aber jetzt in den Anlagenbau zurück. Wie stelle ich das am besten an?

In der Bewerbung würde ich die umfassende Berufserfahrung in Projekten und das technische Verständnis in den Vordergrund stellen. Aber bitte beachten Sie: Ein Branchenwechsel bedarf etwas Glück und Zeit.

Ich bin Elektroingenieur, 25 Jahre alt und wohne in Oberfranken. Ich habe einen Masterabschluss. Welches Gehalt soll ich für den Berufseinstieg fordern?

In erster Linie sollte die passende Aufgabe im Vordergrund stehen. Gehälter sind immer ein Gesamtpaket aus Grundgehalt, variablen Anteilen, Anzahl der Urlaubstage, Altersvorsorge, sonstigen Zusatzleistungen. Im Anschreiben würde ich eine Bandbreite angeben. Klären Sie im Gespräch, dass sie nach Suche in einschlägigen Medien eine Gehaltsvorstellung von 42 000 € bis 50 000 € je nach Paket haben.

Obwohl ich mein Masterstudium sehr gut abgeschlossen habe, bin ich seit über mehr als einem Jahr arbeitslos. Ich scheue soziale Kontakte, da ich mich für die Situation schäme.

Stehen Sie für Ihre Handlungen ein, akzeptieren Sie, dass Sie in den letzten Monaten die falschen Methoden benutzt haben – und ändern Sie Ihre Vorgehensweise. Der größte Teil der Stellen wird heute über das Netzwerk initiiert – nur dafür müssen Sie wissen, was Sie möchten und es Ihrem Netzwerk mitteilen. Das können Sie nicht, wenn Sie sich auf die Couch zurückziehen.

Auch ist es wichtig, dass Sie mit sich im Reinen sind, denn wenn Sie im (Vorstellungs-)Gespräch den Eindruck vermitteln, unzufrieden zu sein, wird es Ihr Gesprächspartner auch sein. Unterhalten Sie sich mit Ihren ehemaligen Kommilitonen, Professoren, den Menschen aus Ihrem Bezirksverein im VDI und besuchen Sie die Recruitingtage in Ihrer Nähe. Sie werden sehen, der Erfolg wird Sie finden.

Ich bin Maschinenbauingenieur, 44 Jahre alt, habe einen MBA in der Tasche. Zurzeit bin ich Projektleiter im Kraftwerksbau. Mein Lebenslauf ist leider nicht optimal, weil ich längere Zeit krank gewesen bin. Ich hatte mehrere kurze Anstellungen mit Dauer von drei bis sechs Monaten. Wie bewerbe ich mich mit einem solchen Lebenslauf?

Der Einstieg über Ingenieurvermittler ist ein guter Weg. Ansonsten würde ich jegliche Erfahrung und Kenntnisse positiv in den Vordergrund stellen und betonen. Ein roter Pfad sollte insofern erkennbar sein, dass man in den unterschiedlichsten Einsätzen viel gelernt hat, und deshalb jetzt nach einer längerfristigen Tätigkeit sucht, wo man das gewinnbringend und langfristig für ein Unternehmen einsetzen kann.

Ich bin Wirtschaftsingenieur, 25 Jahre alt. Zurzeit mache ich per Fernstudium meinen Masterabschluss. Ich werde in zwei Monaten fertig sein. Ich habe mehr als 100 Bewerbungen geschrieben, bekomme aber nur Absagen. Ich habe meine Bewerbung checken lassen, die ist okay. Meine Bachelornote ist 1,6. Meine Masternote wird wahrscheinlich bei 2,2 liegen. Warum bekomme ich beruflich keinen Fuß in die Tür?

Kurz gesagt: Auch für uns bei Vallourec ist Bachelor ein Grundstudium und für einen Eintritt ins Unternehmen zu wenig. Ich schlage vor, dass Sie das Masterstudium zügig beenden und dann suchen. Sie haben jetzt die Zeit sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln.

Mein Unternehmensbereich wird aufgelöst. Ich habe zwei Optionen angeboten bekommen – entweder einen Aufhebungsvertrag oder einen Wechsel in einen anderen Unternehmensbereich. Was soll ich machen?

Werden Sie sich darüber klar, wie attraktiv der Bereichswechsel für Sie ist. Dazu gehört auch die finanzielle Sicherheit. Sind Sie finanziell abgesichert, ist der Aufhebungsvertrag – auch auf die Gefahr hin, im Anschluss arbeitslos zu werden – eher denkbar. Sollte die finanzielle Situation kritisch sein, überlegen Sie sich, ob Sie nicht den Wechsel mitmachen, um dann aus dieser Position heraus den beruflichen Wechsel einzuleiten.

So oder so sollten Sie schleunigst Ihr Netzwerk auf- und ausbauen und Ihre Möglichkeiten bei anderen Arbeitgebern ausloten. Dadurch verändern Sie Ihre (Ver-)Handlungsoptionen massiv.

stellenangebote

mehr