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Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

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Architektur

Bauhaus Dessau feiert 90. Jubiläum

Von Fabian Kurmann | 1. Dezember 2016 | Ausgabe 48

Das Gebäude gilt als Symbol für moderne Baukunst und als gebautes Manifest einer Gestaltungs- und Bildungsrevolution.

BU 90 J Bauhaus
Foto: Tadashi Okochi © Pen Magazine, 2010, Stiftung Bauhaus Dessau

Der Werkstattflügel des Bauhauses Dessau: Die Glasvorhangfassade kontrastierte mit ihrer Leichtigkeit und Transparenz die damals vorherrschende Ästhetik.

Das Bauhaus gilt als eine der bedeutendsten Schulen für Architektur und Kunst des 20. Jahrhunderts. Am 4. Dezember vor 90 Jahren wurde der Bauhauscampus in Dessau eingeweiht. Mittlerweile zählt das Gebäude zum UNESCO Welterbe und gilt als Symbol für moderne Baukunst. Am 4. Dezember 2016 wird in Dessau auch der Grundstein für ein neues Bauhausmuseum gelegt.

Der Berliner Architekt Walter Gropius gründete das Bauhaus 1919 in Weimar als interdisziplinäre Hochschule für Gestaltung. „Das Bauhaus war die erste Schule, die sich modernen Gestaltungsfragen im Wohnbedarf widmete und wurde damit europaweit bekannt“, sagt Werner Möller, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus in Dessau.

Warum die Bauhausschule ausgerechnet in Dessau steht, hat mehrere Gründe. „In Weimar war das Bauhaus zum ungeliebten Kind der erstarkenden rechtskonservativen Kräfte in der thüringischen Landesregierung geworden“, so Möller. Dort wurde dem Bauhaus die öffentliche Finanzierung entzogen.

Die Kunst- und Architekturschule war bereits so bekannt, dass sich neben Dessau auch Städte wie Frankfurt, München oder Hamburg dafür interessierten, die Bauhausschule aufzunehmen. Namhafte Professoren wie Johannes Itten, Gerhard Marcks, Paul Klee und Wassily Kandinsky lehrten am Bauhaus.

Die aufstrebende Industriestadt Dessau bot die beste Ausgangslage, denn hier durfte Gropius sein heute als „Ikone der Moderne“ bekanntes Schulgebäude realisieren. Der Bau ist ein Betonrahmensystem ausgefacht mit Backsteinen, so wie andere Industriebauten dieser Zeit.

„Das besondere ist die moderne Formensprache und Bauweise des Campus, die Wohnen, Arbeiten, Administration und Festebene in einem Gebäudekomplex integriert“, sagt Möller. Die Gebäudeteile wurden dabei streng nach ihren Funktionen getrennt. Hauptteile des Komplexes sind der dreigeschossige Werkstattflügel, die gewerbliche Berufsschule und das fünf Stockwerke hohe Ateliergebäude als Wohntrakt für 28 Studenten.

„Das Werkstattgebäude sieht aus wie eine Fabrik. Es sollte bildhaft gezeigt werden, dass dort Gestalter für die industrielle Produktion ausgebildet und Prototypen hergestellt werden“, sagt Möller. Werkstatt und Berufsschulflügel sind durch eine zweigeschossige Brücke verbunden, in der sich neben der Verwaltung auch das Architekturbüro von Gropius befand. Die eingeschossige Aula mit Bühne und Mensa ist das Verbindungsstück zwischen Werkstatt und Ateliergebäude.

Schon auf den ersten Blick spektakulär wirkt die berühmte Glasfassade des Werkstattflügels. Das Gebäude erhält dadurch den Anschein von Transparenz und Leichtigkeit.

Die Stützen des Gebäudes sind komplett von der Glasfassade zurückgesetzt. Die Glasschürze wird über die drei Geschosse und die gesamte Gebäudelänge nicht unterbrochen. Zwischen den Deckenplatten und den Vorhangfassaden gibt es zudem einen Schlitz, um die Luft zirkulieren zu lassen.

Doch diese Designidee hatte auch Nachteile. Durch die Schlitze breitete sich der Lärm über die Stockwerke aus. Und Gebäude baute man damals noch nicht energieoptimiert wie heute. „Im Winter ist es besonders im Glaskasten des Werkstattflügels recht kühl und im Sommer ist es ein Schwitzkasten“, sagt Möller. Deshalb mussten im Sommer teilweise schwarze Vorhänge angebracht werden, was aber die transparente Ästhetik wieder aufhob.

1933 wurde die Bauhausbewegung von den Nationalsozialisten aufgelöst. Die Designlehre verbreitete sich aber durch die zahlreichen Lehrer, die ins Exil flüchten mussten, in die ganze Welt. „Viele Campusbauten folgten dieser modernen Architektur bis in die 70er-Jahre“, sagt Möller. Beispiele stehen in Marburg an der Lahn oder in den USA: „Der IIT-Campus von Mies van der Rohe in Chicago folgt zwar einem anderen Prinzip als Gropius‘ Bauhaus, aber dennoch: Der Gedanke der Transparenz, der Werkstatthalle und des Laboratoriums vereint sie“, sagt Möller.

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