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Donnerstag, 20. April 2017, Ausgabe Nr. 16

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Arbeitsmarkt

Beständig ist nur der Wandel

Von Chris Löwer | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Cloud, Big Data, Industrie 4.0 – das sind Trends und das spiegelt sich auch auf der Cebit wider. Digital denkende Ingenieure haben gute Karten.

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Foto: panthermedia.ent/Buchachon Petthanya

Klick zur Karriere: Die Digitalisierung eröffnet Ingenieuren mit Affinität zur IT eine Fülle an Jobchancen.

Begeistert zeigte sich Jim Heppelmann, CEO des Softwareunternehmens PTC: „Wir befinden uns mitten in einem fundamentalen Wandel. Bald werden wir merken, dass wir Teil etwas Besonderen waren. Und das Besondere hat einen Namen: Internet of Things“, erklärte er zum Auftakt der Anwenderkonferenz LiveWorx, die sich im vergangenen Jahr rund um das Internet der Dinge (IoT) drehte. Für ihn ist das der mächtige IT-Trend schlechthin. Allein ein kurzer Gang über die LiveWorx machte klar, dass die Zukunft begonnen hat: vorausschauende Wartung von Maschinen, Reparaturen, die auch Ungeübte dank Augmented Reality meistern, virtuelle Konstruktion, die Entwicklungszeiten drastisch schmelzen lässt und ein nie dagewesenes Maß an Individualisierung schafft. All das passiert: jetzt. Und wird auch auf der Cebit in Hannover zu sehen sein.

Jobsuche auf der Cebit

„Konnektivitäts- und Kommunikationstechnologien sowie Embedded Systems und Cyber-Physical-Systems sind die wichtigsten Basistechnologien und Innovationstreiber für das IoT“, notieren die Autoren der VDE-Studie zur Digitalisierung 2020. Und weiter: „Das mit Abstand wichtigste Anwendungsfeld heißt Industrie 4.0.“

Für den Branchenverband Bitkom blickt Juliane Petrich, Referentin Bildungspolitik und Arbeitsmarkt, auf das, was ist und kommen wird, und bestätigt: „Im letzten Jahr waren IT-Sicherheit, Cloud-Computing und Industrie 4.0 die drei wichtigsten Digitalthemen. In der Spitzengruppe folgen Big Data und das Internet of Things“, zitiert sie die jährliche Trendumfrage des Digitalverbands, „Auch in diesem Jahr werden diese Themen ganz sicher eine bedeutende Rolle spielen.“ Die digitale Transformation erreiche alle Branchen. „Es betrifft die Fertigung, Banken und Versicherungen bis hin zum Gesundheitswesen – alle stehen vor gravierenden Veränderungen.“ Dabei gehe es nicht um die Optimierung von bestehenden Geschäftsprozessen, etwa bei der Einführung von Computern oder Bürosoftware, sondern um das Entstehen völlig neuer Geschäftsmodelle. Stichwort: App-Ökonomie oder Plattformökonomie.

Auch die Nutzung von Cloud-basierten Lösungen werde weiter zunehmen, heißt es bei Dell-EMC. Damit gehen immer ausgefeiltere Methoden der IT-Sicherheit einher, ohne die all diese Trends Rohrkrepierer würden. Denn Themen wie IoT und immer neue Bedrohungsfelder stellen den hergebrachten Sicherheitsansatz des „Schützens und Verteidigens“ infrage – die neue Herausforderung lautet: „Eindämmen und kontrollieren!“

Disruptive und destruktive Attacken gewinnen zunehmend an Bedeutung, etwa durch Erpressung mit Ransomware, benennt Rob Sadowski, Leiter des Bereichs Technology Solutions beim Sicherheitsanbieter RSA, einen traurigen Trend. Bedroht würden immer stärker auch cyberphysikalische Systeme der Industrie: „Kritisch sind vor allem Steuerungen von Kraftwerken oder Wasserwerken. Solche Infrastrukturen werden mehr und mehr zum Ziel von Angreifern“, sagt Sadowski. „Cyberkriminelle wechseln ständig ihre Taktik, was es schwer macht, vorauszusehen, was als Nächstes passieren könnte.“

Der Trend müsse hin zu besseren Analysewerkzeugen für immer komplexer werdende IT-Netzwerke gehen. Sadowski: „Wir müssen Datenströme der Organisationen sichtbar machen, um verdächtige Bewegungen frühzeitig zu erkennen. Und wir brauchen bessere Analyseinstrumente, um die Aktivitäten der Angreifer sichtbar zu machen.“ Hier geschehe die Innovation: bei multidimensionalen Analysen, die weitgehend automatisiert ablaufen und unter anderem das Verhalten Krimineller erkennen. „Wir müssen schneller werden – normalerweise dauert es noch Monate, bis eine Organisation bemerkt, dass sie unterwandert wird. Wir müssen daher möglichst in Echtzeit sehen und verstehen, was im Netzwerk passiert“, sagt er. Doch es gibt ein Problem: Es mangelt an qualifizierten Kräften. Beim Sicherheitssoftwareanbieter Kaspersky Lab wird bedauert, dass „immer weniger Spezialisten zur Verfügung stehen, die zudem mit ständig wachsenden Anforderungen konfrontiert werden“. Die Personaler des Unternehmens melden, dass nur etwa jeder 40. Bewerber die strengen Kriterien der ausgeschriebenen Expertenpositionen für einen Job bei Kaspersky erfüllt. Mithin stiegen die Anforderungen an Sicherheitsexperten: Neben einem tief gehenden technischen Know-how werden auch Managementeigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit und strategisches Denken verlangt.

Das Problem Fach- und Führungskräftemangel zieht sich quer durch alle Bereiche, und es wird in diesem Jahr nicht besser werden: „Schon jetzt haben wir in der ITK-, aber auch in den sogenannten Anwenderbranchen einen Fachkräftemangel an 51 000 IT-Experten“, sagt Petrich vom Bitkom. Die Anzahl stieg innerhalb eines Jahres um 20 %. „Unternehmen, zum Beispiel aus den Bereichen Automotive, Medizintechnik oder Maschinen- und Fahrzeugbau, suchen händeringend nach Software-Ingenieuren.“

Generell tun sich für Ingenieure etliche neue Chancen auf: „Der Bereich Software Engineering befindet sich auf einem Wachstumskurs. In nahezu allen Branchen ist die Fähigkeit zur ingenieurmäßigen Entwicklung von zuverlässiger Software zur entscheidenden Kompetenz geworden“, berichtet Petrich. „Für die Ingenieure von morgen eröffnet die digitale Transformation neue Perspektiven, aber sie stellt sie auch vor neue Anforderungen und verlangt spezifische Qualifikationen.“

Der Arbeitsalltag eines Ingenieurs habe sich durch die Digitalisierung gewandelt – und er werde sich weiter verändern. Womit IT- und Softwarekenntnisse unverzichtbar in jeder Branche werden. Petrich: „Die Grenzen zwischen den Disziplinen Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik werden mehr und mehr verwischen. Ingenieure müssen ihr Profil erweitern und sich interdisziplinärer aufstellen.“ Kurzum: Ohne Digitalkompetenz läuft nichts.

Besonders gefragt sind Software-Ingenieure. „Dieser Bedarf wird im Zuge der digitalen Transformation weiter zunehmen“, sagt Petrich, „Unternehmen investieren nicht mehr nur in IT-Lösungen, um bestimmte Geschäftsprozesse zu digitalisieren – die Geschäftsmodelle der Unternehmen selbst verändern sich.“ Für gut qualifizierte, digital denkende Ingenieure werden die Zeiten also noch rosiger.  

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