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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Kommentar

Chancenschleichheit

Von Claudia Burger | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Meine Güte, seit Jahrzehnten höre ich mir das an: Mehr Frauen in die Führungsetagen, mehr Chancen, mehr Gleichberechtigung und so weiter und so weiter. Unbestritten: Es hat sich ein bisschen was getan.

Claudia Burger, Redakteurin: Fachkräftemangel beklagen, und dann nicht richtig bezahlen, das muss aufhören.

Aber eben nur ein bisschen, obwohl Frauen nicht nur die Hälfte des Himmels gehört, sondern auch der Erde. Und obwohl Mädchen und Frauen in Deutschland (und nicht nur hier) meist sehr, sehr gut ausgebildet sind und ihre männlichen Mitschüler und Kollegen nicht selten in den Schatten stellen.

Klar, jetzt höre ich schon wieder die Stimmen, die sagen: Selbst Schuld. So wenige Ingenieurinnen arbeiten in ihrem Beruf, zu wenig Frauen steigen überhaupt in die Mint-Studienfächer ein (obwohl die Zahl steigt). Tja, woran liegt das? Es gibt viele Ursachen und eine davon ist in den Firmen zu finden. Zumindest fordert Ulrike Struwe, Projektleiterin beim Nationalen Pakt für Frauen in Mint-Berufen ein Umdenken zu einer Willkommenskultur für männliche und weibliche Mitarbeiter in den Unternehmen. Und dieses Umdenken dauert und dauert, da kann Frau schon mal die Geduld verlieren oder sich anderweitig orientieren.

Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern: Der Chef eines Unternehmens sagte unter der Hand seinen fast ausschließlich männlichen Führungskräften: „Teilzeit in Führungsposition, das können Sie vergessen.“ Das ist wenig motivierend für junge Männer – und für junge Frauen, die beide an Familienplanung denken und ein geteiltes Rollenmodell leben wollen.

Fest steht: Die Frauen, die in diesen Beruf einsteigen, erhalten nicht selten weniger Geld als die männlichen Kollegen mit vergleichbarer Tätigkeit. Ja, geht’s noch? Über Fachkräftemangel klagen und jammern und dann nicht entsprechend bezahlen? Und das zieht sich ja bekanntlich nicht nur durch die Ingenieurwelt. Zudem ist gerade eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. erschienen, die besagt, dass erwerbstätige Frauen täglich 1,6-mal so lang unbezahlt arbeiten wie Männer, weil sie mehr in Kindererziehung und Hausarbeit als Männer investieren. Fast jede zweite Frau in Deutschland arbeitet in Teilzeit. „Solange das so bleibt, ist eine Gleichstellung in Beruf und Gesellschaft nicht erreichbar“, sagt das Institut. Wie schon vor Jahrzehnten.

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