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Dienstag, 12. Dezember 2017

Studie

Cybermobbing bereits in Grundschulen

Von Wolfgang Schmitz | 18. Mai 2017 | Ausgabe 20

Der Medienkonsum von Kindern wird immer mobiler – und aggressiver. Das Bündnis gegen Cybermobbing zieht Zwischenbilanz.

Cybermobbing BU
Foto: panthermedia.net/daisy-daisy

Verzweiflung und Einsamkeit sind häufig die Folgen von Cybermobbing. Die Opfer sind längst nicht mehr nur unter Pubertierenden zu finden.

Zuerst die schlechte Nachricht: Die Opfer von Cybermobbing werden stetig jünger. Schon in den Grundschulen beginnt der Psychoterror. Fast 13 % der Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgänge sind bereits Opfer von Cybermobbing-Attacken gewesen, diese Quote steigt auf 23 % in der Altersgruppe der 14- bis 16 Jährigen.

Die gute Nachricht ist nur ein schwacher Trost: Im Vergleich zu 2013 ist ein leichter Rückgang bei den älteren Schülern zu erkennen, der auf die Aktivitäten an Schulen und auf die gesteigerte Sensibilität der Eltern, der Schüler und der Gesellschaft allgemein zurückzuführen ist. In absoluten Zahlen sind es jedoch über 1,4 Mio. Jugendliche, die jährlich zu Opfern werden. Nach den Tatmotiven gefragt, haben sich diese in den letzten vier Jahren verändert: Waren es damals noch die Langeweile oder der Spaß, so wird heute gezielt und härter gemobbt, um andere „fertig zu machen“.

Diese Trends gehen aus einer aktuellen Umfrage des „Bündnis gegen Cybermobbing“ in Kooperation mit der Deutschen Telekom hervor. Im Zeitraum von Oktober 2016 bis Februar 2017 wurden über 3000 Eltern, Lehrkräfte und Schüler befragt.

Die Studie belegt, wie hilflos sich Erziehungsberechtigte gegenüber den virtuellen Attacken fühlen. Die befragten Eltern beklagen, dass die mediale Entwicklung ihre elterliche Erziehung deutlich erschwere und zu einer Überforderung führe. Lediglich 10 % überprüfen, was ihre Kinder im Internet machen.

60 % der Lehrer geben an, ihnen seien Cybermobbingfälle unter ihren Schülern bekannt. Mit Blick auf die Gefahrenpotenziale des Internets sieht sich auch die Mehrheit der Lehrer schlecht informiert. Sie fordern daher präventive Maßnahmen wie Antigewalttrainings, Lehrerfortbildungen sowie Hilfs- und Beratungsstellen und gesetzliche Regelungen.

Das Bündnis gegen Cybermobbing empfiehlt eine deutschlandweite Online-Beratungsstelle und ein Hilfeportal.

Laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom, die ebenso wie die Umfrage des Bündnisses gegen Cybermobbing am Dienstag vorgestellt wurde, sind Kinder und Jugendliche in Deutschland immer früher, immer länger und immer mobiler im Netz unterwegs. Während 2014 noch 39 % der Sechs- bis Siebenjährigen gelegentlich das Internet nutzten, ist es heute bereits fast die Hälfte. Auch die verbrachte Zeit im Internet stieg in diesem Zeitraum sprunghaft an, von 11 min vor drei Jahren auf heute 39 min täglich.

Ähnlich sieht die Entwicklung bei den Acht- bis Neunjährigen aus. Hier steigerten sich die Werte der Internetnutzer von 76 % auf 81 %. Die Zeit, die Kinder im Internet verbringen, hat sich binnen drei Jahren fast verdreifacht, von 16 min im Jahre 2014 auf heute 43 min.

Deutlich öfter als noch vor drei Jahren nutzen Kinder und Jugendliche Smartphones und Tablets. Während vor 2014 erst 20 % der Sechs- bis Siebenjährigen mit einem Smartphone oder Handy kommunizierten, sind es jetzt 38 %, die Tablet-Nutzung stieg von 28 % auf 64 %. Ab zwölf Jahren gehören die Geräte für so gut wie alle Jugendlichen zur Standardausstattung.

„Der Medien- und Internetkonsum von Kindern und Jugendlichen wird immer mobiler. Ins Internet zu gehen ist den Kindern völlig fremd, sie sind, ‚always on‘ – egal wo und egal wann“, kommentiert Bitkom-Vizepräsident Achim Berg die Studie, für die 926 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren befragt wurden.

Die Bitkom-Studie bescheinigt Kindern und Jugendlichen einen reflektierten Umgang mit dem Internet. 62 % der Befragten geben demnach an, darauf zu achten, welche persönlichen Informationen sie über sich selbst ins Netz stellen. 54 % verfolgen, welche Informationen über sie im Internet sichtbar sind. Nur bei jedem Zehnten kümmern sich die Eltern nicht darum, wo und wie sich ihr Kind im Internet bewegt.

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