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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Porträt

Damit Windstrom schneller zum Verbraucher kommt

Von Hans Schürmann | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Bislang trauen sich nur wenige Frauen eine Karriere als Elektroingenieurin zu. Anne-Katrin Marten ist eine von ihnen.

BU Schürmann
Foto: 50Hertz/Siegfried Wagner

Anne-Katrin Marten ist eine Bilderbuchingenieurin. Sie fühlt sich im Praktischen genauso zu Hause wie in wissenschaftlichen Gefilden.

Mit dem Ersatz bisheriger Stromerzeuger durch regenerative Energieformen wächst der Abstand von dem Ort, an dem der Strom generiert wird, zu der Region, in der er genutzt wird. Netzbetreiber in Deutschland sind gefordert. Sie bauen nicht nur neue Leitungen und modernisieren die älteren, sie nutzen auch zunehmend neue Technologien, mit denen es gelingt, größere Strommengen zu übertragen und das Stromnetz während des Ausbaus und später stabil zu halten.

Bundesweit arbeiten zahlreiche Ingenieure mit Hochdruck an solchen Übertragungskonzepten. Eine von ihnen ist Anne-Katrin Marten. Die 30-Jährige arbeitet beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission in Berlin und entwirft Konzepte und Strategien für die Übertragung von Strom über lange Strecken. „Das ist eine spannende Aufgabe, weil man ständig Neuland betritt“, ist Marten begeistert.

So gebe es europaweit noch keine Restriktionen beim Transport großer Strommengen über bestehende Überlandleitungen, der sogenannten Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ). Man arbeite an komplett neuen Technologien und Normen für die Netze der Zukunft mit und könne sich bereits als junger Mensch beweisen. „Hier gibt es keine alten Hasen, die stur ihre Richtung vorgeben“, sagt die junge Ingenieurin.

Anne-Katrin Marten hat Elektro- und Informationstechnik in einem dualen Studium mit Bachelorabschluss studiert. Für Marten stand schon früh fest, dass sie nach dem Abi Technik studieren werde. Eine Entscheidung, die vielleicht durch die Erziehung beeinflusst worden sei, so die junge Frau. Als Kind habe sie zwar auch mit einer Barbie gespielt, aber auch 30 Matchbox-Autos gehabt. „Naturwissenschaftliche Fächer haben mir immer Spaß gemacht und ich habe mich gern mit Naturphänomenen und logischen Prozessen beschäftigt. Da lag eine solche Berufsausbildung nahe“, sagt Marten.

Das Interesse habe sich im Studium noch verfestigt. Deshalb sei für sie auch relativ schnell klar gewesen, dass sie an das Bachelorstudium noch ein Masterstudium anschließen werde. In ihrer Masterarbeit beschäftigte sich Marten intensiver mit der Hochspannungsgleichstromübertragung. Marten sei eine der wenigen Frauen, die den Schritt zu einem technischen Studium und anschließend bis zur Promotion gewagt hätten, freut sich ihr Doktorvater Dirk Westermann, Professor an der TU Ilmenau in Thüringen. Sie sei eine Studentin gewesen, die sich mit Herzblut in die Arbeit am Fachgebiet eingebracht habe, erinnert sich Westermann.

Ihre Dissertation schloss Marten mit „Summa cum laude“ ab. „Mit ihren Arbeiten hat sie den wissenschaftlichen Grundstein für den Betrieb von Energienetzen der Zukunft gelegt“, so der Professor. Die Elektroingenieurin erhielt Ende vergangenen Jahres den Dr. Wilhelmy-Preis des Verbands der Elektrotechnik und Elektronik (VDE) für herausragende Dissertationen.

Die Zeit während der Masterarbeit hat die junge Wissenschaftlerin genutzt, um Erfahrungen in internationalen Fachkreisen und in Industrieprojekten zu sammeln. Sie baute sich ein nationales und internationales Netzwerk auf. Zudem hat sie in mehreren Arbeitsgruppen, Forschungs- und Industrieprojekten intensiv mitgearbeitet, wovon sie nun in ihrer ersten Anstellung erheblich profitiert.

„Ich hatte nie den Eindruck, dass es eine Rolle gespielt hat, dass ich oft die einzige Frau war. Um ernst genommen zu werden, ist es einzig und allein wichtig, dass man sich fachlich einbringt“, erzählt Marten. Sicher habe es auch Situationen gegeben, in denen sich ihr Gegenüber in eine Beobachtungshaltung begeben habe, nach dem Motto: „Schauen wir mal, was sie wirklich kann.“ Aber das habe wahrscheinlich eher mit ihrem Alter zu tun gehabt als mit ihrem Geschlecht.

Wie es häufig vorkommt, wurden der jungen Frau bereits während des Studiums erste Stellen angeboten. Doch erst bei der dritten Anfrage sagte sie zu. „Ich habe mich für den Start bewusst für die Praxis entschieden“, so Marten. Seit August 2016 arbeitet sie bei 50Hertz in der Abteilung „Konzepte und Systemstrategie in der Systemführung“.

„Meine Aufgabe ist es, im Vorhinein Betriebskonzepte für die Stromübertragung zu entwickeln sowie in Simulationen und im späteren Betrieb nachzuweisen, dass diese Konzepte auch funktionieren“, beschreibt die Ingenieurin. Die Konzepte werden im Anschluss mithilfe von Software an die Leitwarten der Netze übertragen.

Die Arbeit erfordere den ständigen Austausch mit Kollegen, internen Netzplanern, anderen Netzbetreibern sowie mit externen Anbietern von neuer Technik. Das Interessante an der jetzigen Arbeit sei vor allem der Perspektivenwechsel: „In der Wissenschaft wird mit einem wesentlich weiteren Zeithorizont geplant, Netzbetreiber schauen eher auf die aktuellen und die kurz bevorstehenden Herausforderungen und haben daher kurzfristigere Zeiträume im Blick“, erläutert Marten.

Obwohl die Ingenieurin zufrieden ist, kann sie sich später eine Aufgabe im Management gut vorstellen. Mit den praktischen Erfahrungen, die sie jetzt sammele, schaffe sie eine gute Basis. Aber auch eine Rückkehr in die Wissenschaft will die promovierte Ingenieurin nicht ausschließen.  

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