Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Dienstag, 12. Dezember 2017

Kommentar

Dankt der Braungebrannte ab?

Von Wolfgang Schmitz | 9. März 2017 | Ausgabe 10

Ein cooler Mittdreißiger lenkt einen schnittigen SUV unter mithilfe vieler digitaler Informationen durch eine menschenfeindliche und autolose Wüstenlandschaft. Was, wenn die feurige Maschine den Fahrer im Stich lässt? Weit und breit keine Aussicht auf eine helfende Hand.

Wolfgang Schmitz, Redakteur: Das Auto verliert als Machtsymbol an Bedeutung.

Den braun gebrannten Typ Marke Manager und Frauenkenner bringt das nicht aus der Ruhe. Er ist völlig versunken in das berauschende Fahrgefühl und in die Sicherheit, dass ihm mit diesem Hightech-Flitzer höchstens der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Keine Sorge: Technische Defekte waren gestern.

So oder ähnlich sehen TV-Werbespots aus, die gerne und höchst profitabel in der Halbzeit von Fußballspielen gezeigt werden. Denn jetzt sitzen die potenziellen Käufer vor dem Bildschirm, Männer, die gerne das hätten, was der braun gebrannte Schönling mit den ergrauten Schläfen steuert: das Gefühl von Macht, Stärke und Freiheit.

Das Bild des omnipotenten Autobesitzers hat früher gezogen und zieht auch heute noch. Aber wird es das künftig auch noch? Zweifel sind angebracht. Das Auto war spätestens seit James Dean Synonym für Erwachsenwerden und Eigenständigkeit. Als Machtsymbol hat es bereits an Bedeutung eingebüßt. Das Smartphone hat ihm den Rang abgelaufen. Das Alleskönnerhandy ist Ausweis für Coolness, Kompetenz und Gemeinschaft. Jüngst fragten Wissenschaftler Jugendliche nach der idealen Autofahrt. Die meisten Kreuze standen hinter „Am liebsten hinten im Fond und mit Chauffeur“.

Also nix mit Rausch und Fahrgefühl. Das sollte Autoherstellern zu denken geben. Und Werbefachleuten. Macht der Braun- gebrannte noch Sinn, wenn selbstfahrende Autos ihn mit einer Tüte Chips und dem Smartphone auf den Rücksitz verbannen?

stellenangebote

mehr