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Dienstag, 12. Dezember 2017

Kommentar

Das Hamsterrad hält niemand an

Von Wolfgang Schmitz | 30. März 2017 | Ausgabe 13

Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Es ist ein gutes Stück Kultur.

Wolfgang Schmitz, Redakteur: Firmen sind keine gesellschaftlichen Reparaturwerkstätten.

Die Hühnerkeule mal nicht in sich hinein zu stopfen, sondern bewusst zu genießen, ist ein Kinderspiel im Vergleich zu dem Geduldstest, intensiv zuzuhören. Seien Sie mal ehrlich: Können Sie sich auf eine Sache voll und ganz konzentrieren und alles andere ausschalten? Können Sie sich ganz dem widmen, was der Freund, der Partner oder der Kollege Ihnen erzählt? Irgendwann schwillt der Kamm und Sie denken: Stopp, jetzt bin ich aber mal dran! Nach dem Gespräch wissen Sie nicht mehr, was dem Gegenüber eigentlich auf den Magen schlug. Egal, wird schon nicht so wichtig gewesen sein!

Wer achtsam durchs Leben geht, ist um viele Erfahrungen reicher. Wer seine Sinne weitet, bekommt mehr mit. Das muss nicht immer angenehm sein. Aber bekanntlich lernt man aus negativen Erlebnissen. Wie kaputt aber sind wir, dass wir solche Programme institutionalisieren müssen? Der Stress läuft wie in einem Hamsterrad hinter uns her. Je schneller wir werden (und wir werden immer schneller), desto mehr nimmt auch der Stress Fahrt auf. In Gesellschaft und Arbeitsleben werden wir der Situation allein nicht mehr Herr. Wir brauchen Hilfe. Blieben wir im Hamsterrad stehen, würde der Stress uns gnadenlos überrollen. Jemand, der sich als Prellbock zwischen uns schiebt, könnte die Lage entspannen. Das kann der Achtsamkeitstrainer sein.

Antistressprogramme sind als Pflaster für die geplagte Seele inzwischen genauso feste Bestandteile in vielen Firmen wie Erste-Hilfe-Kästen. Wer verordnete Seelenmassage aber nur nutzt, um aus Mitarbeitern noch mehr Produktivität herauszuquetschen, hat die Botschaft nicht verstanden und selbst mit Achtsamkeit nichts am Hut.

Andererseits sind Unternehmen keine Reparaturwerkstätten unserer Gesellschaft. Psychischer Druck begleitet uns tagtäglich, ob als Arbeits- oder Freizeitstress. Firmen sind nur ein Teil des Systems. Sie können das Hamsterrad nicht anhalten, sie können höchstens seine Geschwindigkeit verringern. Arbeitgeber, die ihren gesellschaftlichen Beitrag zur Entschleunigung beitragen, werden im rasanten Wettbewerb nicht verlieren, sie werden Anhänger und gute Mitarbeiter gewinnen.

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