Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Dienstag, 12. Dezember 2017

Porträt

Der Optimierer

Von Matilda Jordanova-Duda | 25. Mai 2017 | Ausgabe 21

MitAutos können sich Ingenieure identifizieren. Aber mit Industrieruß? Tim Freytag hat mit Carbon Black kein Problem. Im Gegenteil.

Gasruß BU
Foto: Gasruß

Wirtschaftsingenieur Tim Freytag ist bei Gasruß in Dortmund Mädchen für (fast)alles.

Harald Baumgart ist überzeugt: „Carbon Black ist der Stoff, aus dem Diamanten sind.“ Mit dem dreckigen Ausstoß alter Dieselmotoren und Kohleöfen habe das Produkt wenig gemein, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Gasrußwerke (DGW) in Dortmund. Das schwarze Pulver aus purem Kohlenstoff wird durch kontrollierte abgestufte Verbrennung von Erdgas in einem Reaktor erzeugt. Als Rubber Blacks dem Kautschuk für Autoreifen beigemischt, beeinflusst es die Abrieb- und Rutschfestigkeit oder die Elastizität bestimmter Reifenteile. Baumgart: „Die Kunst ist es, durch Steuerung des Verbrennungsprozesses verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften herzustellen.“

Deutsche Gasrußwerke

Mit einem anderen Verfahren erzeugt das Unternehmen feinste Rußpartikel (Pigment Blacks), die Tinten, Wimperntusche, Lacke und Textilien schwarz färben. Zudem betreiben die DGW zwei eigene Kraftwerke mit dem brennbaren Restgas und Dampf, die bei der Produktion abfallen. Sie versorgen sich selbst sowie Firmen und Wohnviertel der Umgebung mit Strom und Wärme.

DGW-Anteilseigner sind der Rußhersteller Orion, die Reifenproduzenten Continental, Pirelli und Goodyear sowie die Vorwerk GmbH. Sie sind zugleich Abnehmer der Ruße. 144 Mitarbeiter, darunter sieben Ingenieure, erwirtschafteten 2016 über 80 Mio. € Umsatz. Das Geschäft ist hart, Importe aus China und Russland haben die Zahl der Konkurrenten beim Industrieruß stark erhöht.

Tim Freytag, 29-jähriger Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Verfahrenstechnik, hat im Betrieb am Dortmunder Hafen vielfältige Aufgaben: die Überwachung und Optimierung der Produktion, die Verbesserung der Betriebssicherheit, die Durchführung von Betriebsversuchen sowie die Koordination bei der Einführung eines PIMS (Plant Information Management Systems). „Als Prozessingenieur bin ich auch direkt an der Entwicklung und Umsetzung der Forschungsergebnisse unseres Hauptanteilseigners Orion beteiligt“, sagt Tim Freytag, der seit 2015 bei DGW arbeitet. Als Beispiel nennt er die Bewertung von Rohstoffen oder bauliche Veränderungen am Reaktor anhand von Strömungssimulationen.

Freytag hat seinen Master an der FH Wedel gemacht, die Abschlussarbeit schrieb er bei Daimler über die Polymer-Hybrid-Fertigung. Der junge Ingenieur hat aber noch nicht ausgelernt. Jetzt heißt es „Learning by doing“, etwa indem er sich über Kautschuktechnologie weiterbildet. Der umfassende Einblick in die Kautschuk verarbeitende Industrie erlaube ihm besseres Verständnis und Rüstzeug für die Kundengespräche, sagt er.

Eine Besonderheit der DGW sind die projekt- und prozessbezogenen Teams, die es quer durch alle Abteilungen und Hierarchieebenen gibt und die mit ihren Ideen helfen, die Kosten zu senken sowie Mengen und Erlöse zu steigern. Das Energieteam etwa hat bessere Gaslieferverträge ausgehandelt, und das Produktionsteam durch eine optimierte Fahrweise der Reaktoren die Ausbeute erhöht. „Für uns ist das ein zentrales Element der kontinuierlichen Verbesserung“, betont Geschäftsführer Baumgart.

Tim Freytag leitet das neue Continous-Improvement-Team, das sich aus Mitarbeitern aus Technik, Produktion, Logistik und Verwaltung zusammensetzt und sich wöchentlich trifft. Der Fokus liegt auf Verbesserungen innerhalb der Produktion und der Technologiebeherrschung. Einfache Ideen ohne Investitionskosten werden ebenso geprüft und umgesetzt wie größere Projekte. Beispiel ist eine flexiblere Verschaltung der Hochsilos, um die vorhandenen Lagerkapazitäten besser nutzen zu können. Wenn die Themen sich mit denen anderer Teams überschneiden, arbeiten diese zusammen oder teilen die Aufgaben untereinander auf. 

stellenangebote

mehr