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Dienstag, 12. Dezember 2017

AUSSTELLUNG.

Die Erde ist eine Kartoffel

Von Eckart Pasche | 18. Mai 2017 | Ausgabe 20

Das Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) zeigt im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte „Fokus: Erde. Von der Vermessung unserer Welt“ zur Entwicklung der Geowissenschaften.

Potsdamer Kartoffel 2011.jpg
Foto: Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Die „Potsdamer Kartoffel“ basiert auf Messungen des Erdschwerefelds.

Der Schriftsteller Daniel Kehlmann konstatierte in seinem Bestseller-Roman „Die Vermessung der Welt“ : „Nichts, was einmal jemand vermessen hatte, war noch oder konnte je sein wie zuvor.“ Wer die Messlatte an die Welt lege, habe diese bereits seinen Maßen unterworfen. Mit Leichtigkeit erzählt der Autor, wie es gewesen sein könnte, als der Mathematiker Carl Friedrich Gauß (1777–1855) aus der Studierstube heraus und der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769–1859) mit Wanderstab und Kompass die Erde vermaßen und berechneten.

Nachgemessen

Auch Reinhard Hüttl, wissenschaftlicher Vorstand des GFZ, betont, dass das Erzählen von Geschichten und die Erforschung der Erde eng miteinander verwoben seien: „Die ersten Geografen waren wie reisende Journalisten oder sammelten Geschichten von Reisenden, um Beobachtungen zusammenzustellen und Ideen über die Welt und die Natur zu formulieren.“ Berichte von großen Schätzen spielten eine wichtige Rolle bei der Erkundung von Rohstoffen.

Das Wissen um das Gelände und den Untergrund, die Fähigkeit zu navigieren sowie Methoden, die Steuern auf Ländereien zu berechnen, waren und sind existenziell für Militärs und Verwalter von Städten und großen Reichen. Hüttl: „Unsere moderne Gesellschaft basiert auf Technologien und Forschung, die mit Geowissenschaften zusammenhängen: von der Wettervorhersage zur Risikoabschätzung bei Naturgefahren, von der Landwirtschaft zur GPS-Navigation, von der Prospektion von Metallen und seltenen Erden zur Abschätzung des Meeresspiegelanstiegs.“

1830 wurde in Potsdam eine Relaisstation einer 580 km langen optischen Telegrafenlinie von Beralin nach Koblenz in Betrieb genommen. Doch bereits nach 15 Jahren war diese Technik obsolet, der elektrische Telegraf hielt Einzug.

Foto: Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ/E. Gantz

Ein Pendelapparat zur relativen Messung der Erdschwere, hergestellt vor 1900.

Der letzte Aufseher der optischen Telegrafenstation war Oberst Johann Jacob Baeyer. Dieser Fachmann für Trigonometrie und Landvermessung schlug vor, das mitteleuropäische Gradnetz zu vereinheitlichen und dazu einen Meridianbogen von Kristina (Oslo) bis nach Palermo zu vermessen. 1867 initiierte er die Gründung eines Geodätischen Instituts. „Die Mitteleuropäische Gradmessung sowie das Geodätische Institut gelten als der Ursprung der modernen Geodäsie“, sagt Hüttl. Die heutige Internationale Gesellschaft der Geodäten sieht sich in der direkten Nachfolge dieser Wissenschaftsorganisation.

Auf dem Telegrafenberg zu Potsdam wurde 1892 der Neubau des Geodätischen Instituts fertiggestellt. Gemeinsam mit dem Astrophysikalischen Observatorium (1874) sowie dem Magnetischen (1888) und dem Meteorologischen Observatorium (1893) bildete das Geodätische Institut den Nukleus des Geo-Campus, der in den 1990er-Jahren den Namen „Wissenschaftspark Albert Einstein“ erhielt.

Die jetzt gezeigte Schau versammelt 120 Objekte von 20 institutionellen und privaten Leihgebern, darunter zahlreiche bisher unveröffentlichte Fotos, Grafiken und Karten. Besonders wertvoll sind ausgewählte Exponate, mit denen das GFZ der Öffentlichkeit erstmals Einblick in seine historische Instrumentensammlung gewährt. In der Zusammenschau machen die Exponate nicht nur Wissenschaftsgeschichte anschaulich, sondern sind auch faszinierende Zeugnisse einer Zeit, die von einem schier unerschütterlichen Fortschrittsgeist geprägt war. „Es ist auch die Weltgeschichte, die aus Potsdam mitgeschrieben wurde“, sagt Johannes Leicht, der Kurator der Schau.

Foto: Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ/ H. Vonderlind

Der Universaltheodolit wurde bei der mitteleuropäischen Gradmessung 1868 eingesetzt.

Für die Präsentation öffnete die historische Sammlung des GFZ ihre Tore. Zu sehen ist unter anderem ein sogenannter Universaltheodolit, mit dem Mitte des 19. Jahrhunderts Horizontal- und Vertikalwinkel zur Vermessung der Landschaft bestimmt wurden. Mit speziellen Pendelapparaten wurde die Erdanziehung bestimmt. In Vitrinen liegen Vergleichsmessstäbe, mit denen beispielsweise ein Metermaß geeicht werden konnte.

Mit dem Start von „Sputnik“ im Oktober 1957 begann das Zeitalter der Satelliten. Bald war es möglich, die Erde von außen zu betrachten. In der Schau gibt ein im Durchmesser etwa 2 m großes Modell die Dimensionen vor: 1 mm darauf entspricht 6,5 km. In der Mitte des Raums schwebt hell erleuchtet ein mit Luft gefüllter Erdball. Er bildet den zentralen Punkt der Ausstellung – optisch und inhaltlich.

Auf dunkelgrauem Grund reihen sich dann über zwei Stockwerke die Exponate. Darunter die bereits genannten Messgerätge sowie der Doktorhut von Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im All und Modell des geowissenschaftlichen Kleinsatelliten GFZ-1. Alles steht beispielhaft für die Gewinnung von Erkenntnissen über Form, Zustand und Aussehen der Erde, die nach Potsdamer Messungen die Form einer Kartoffel hat. Die Besucher können die berühmte „Potsdamer Kartoffel“ in die Hand nehmen. Sie basiert auf Messungen des Erdschwerefelds. Heute werden dafür Gravimeter benutzt, die an bestimmten Punkten aufgebaut werden. Die „Kartoffelform“ entsteht erst durch eine Fülle an Messpunkten weltweit, die für die Erdschwere mithilfe von Satellitenmessungen bestimmt wurden. Aktuell kommen Daten von der Satellitenmission Grace.

Ein sogenanntes Science Poster wurde für die Ausstellung entwickelt. Die Idee zu diesem interaktiven Bildschirm hatte Ariane Kujau vom Geoforschungszentrum: „Ich wollte die Inhalte der Ausstellung – etwa wie ein Erdbeben entsteht oder wo sich auf der Erde seismologische Messpunkte befinden – sichtbar machen“, erklärt sie. Mitarbeiter des Geoforschungszentrums erklären zudem bei Führungen, wie es zu einem Vulkanausbruch kommen kann, oder stellen mit buntem Sand dar, wie sich Sedimentschichten unter dem Einfluss von Kraft verändern können. Auch eine Rallye für Kinder mit einem Wissensquiz ist fester Bestandteil. 

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