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Freitag, 15. Dezember 2017

Kinoklassiker

Die Mutter aller utopischen Filme

Von Jens D. Billerbeck | 12. Januar 2017 | Ausgabe 01

Vor 90 Jahren, am 10. Januar 1927, wurde Fritz Langs Monumentalfilm Metropolis uraufgeführt. Und floppte zunächst.

Mtropolis Büchse
Foto: Foto [M]: Mathias Schumacher/ddp images/VDIn

Schatzdose: Eine der Filmdosen, in denen die 16-mm- Kopie der Lang- fassung von Metropolis lange Jahre in einem argentinischen Museum schlummerte.

Atemberaubende Wolkenkratzer, tiefe Straßenschluchten, Hochstraßen voller Autos und dazwischen fliegen Doppeldecker: Die Aufnahmen der Zukunftsstadt Metropolis sind Ikonen des utopischen Films. Fritz Langs gleichnamiger Stummfilmklassiker hat in den 90 Jahren seit seiner Uraufführung Scharen von Regisseuren, Kameraleuten und Tricktechnikern beflügelt. Die düstere Zukunftsvision einer streng gegliederten Zweiklassengesellschaft und deren Überwindung gilt heute als Klassiker. Doch der Weg dahin war mühsam.

Metropolis-Zahlen

Der Uraufführung am 10. Januar 1927 waren mehr als 300 Drehtage, hauptsächlich in Babelsberg, aber auch in Berlin-Staaken und Wien, vorausgegangen. Das Drehbuch verfasste Langs Ehefrau Thea von Harbou. Für die animierten Straßenszenen wurden mehrere Hundert Modellautos im Stop-Motion-Verfahren aufgenommen: Nach jedem belichteten Filmbild wurden die Modelle etwas weiterbewegt. Für andere optische Tricks war Eugen Schüfftan verantwortlich, der das gleichnamige Verfahren entwickelte, bei dem Personen vor deutlich kleineren Modellkulissen per aufwändiger Spiegeltechnik gefilmt wurden. Die Figur des Maschinenmenschen und andere Filmskulpturen schuf der Bildhauer Walter Schulze-Mittendorf. Das alles hatte seinen Preis und sorgte dafür, dass Metropolis der bis dahin teuerste deutsche Film wurde.

Die Uraufführung allerdings geriet zum finanziellen Fiasko: Nach dem Start im Berliner Zoo-Palast lief der Film bis zum 13. Mai 1927 im Ufa-Palast am Nollendorfplatz und zog laut Wikipedia nur 15 000 Besucher an. Danach wurde er von der mittlerweile in finanzieller Schieflage befindlichen Ufa zurückgezogen, kräftig gekürzt und Szenen wurden umgestellt. Die Originalfassung galt seitdem als vernichtet bzw. verschollen.

Auf dem Weg zum Klassiker: Ab den 1960er-Jahren entstanden aus dem vorhandenen Material verschiedene Neufassungen von Metropolis. Der bis dahin ehrgeizigste Versuch einer Rekonstruktion wurde erstmals 2001 in München gezeigt. Neben einer aufwändigen digitalen Überarbeitung der in die Jahre gekommenen Filmbilder wurden die rund 30 min fehlenden Materials durch inzwischen aufgefundene Standbilder, Schwarzbilder und Zwischentitel ausgefüllt.

In dieser Fassung wurde Metropolis als erster Film überhaupt in das Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen und steht dort heute neben der Lutherbibel, der 9. Sinfonie von Beethoven und dem literarischen Nachlass Goethes.

Hier wäre die Geschichte fast zu Ende gewesen. Doch 2008 erregte ein Überraschungsfund aus Buenos Aires die Filmwelt: Im argentinischen Museo del Cine Pablo C. Ducrós Hicken schlummerte die Kopie einer früh aus Deutschland ausgeführten Fassung von Metropolis, die dem Original von 1927 sehr nahekam.

Es folgte ein spannendes Detektivspiel: Anhand einer Zensurkarte von 1926, auf der alle Zwischentexte der Uraufführungsfassung vermerkt waren, und auf Basis der erhaltenen Originalpartitur der Filmmusik von Gottfried Huppertz, die zahlreiche Synchronmarken zum Filmgeschehen enthielt, konnte die Authentizität der argentinischen Kopie sichergestellt werden. Aus der Fassung von 2001 und den technisch deutlich schlechteren Bildern der darin noch fehlenden Teile (in Buenos Aires lagerte nur eine 16-mm-Kopie des sehr oft gebrauchten originalen 35-mm-Materials) konnte so eine Version des Klassikers erstellt werden, die nur noch um wenige Minuten vom Original abweicht. Sie erlebte im Februar 2010 parallel in Frankfurt und Berlin ihre erste öffentliche Aufführung und kam dann 2011 auch wieder in die Kinos.

Bericht zur Rekonstruktion von 2010 unter:http://fwm-stiftung.de/projekt-metropolis

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