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Freitag, 15. Dezember 2017

Kommentar

Die falschen Bauern

Von Wolfgang Schmitz | 23. Februar 2017 | Ausgabe 08

Es war zu Zeiten der globalen Finanzkrise, als sich der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis als Zoologe versuchte. „Wenn der Bauer die Stalltür offen lässt und der Fuchs sich die Hühner holt, ist das nicht die Schuld des Fuchses."

Wolfgang Schmitz, Redakteur: Drei-Affen-Politik des VW-Aufsichtsrates.

Soll heißen: Das Raubtier hat nur die sich bietende Möglichkeit genutzt. Daraus sei dem Tier kein Vorwurf zu machen. Übertragen auf die Wirtschaft hieße das: Nicht denjenigen, der sich bereichert, sondern die dösige Aufsicht trifft die Schuld. VW hat in jüngster Vergangenheit einige Beispiele für solches Fehlverhalten geliefert. Im Gegensatz zum schusseligen Bauern kann man VW nicht vom Vorwurf freisprechen, dem eigenen Unternehmen, der Branche und der Gesellschaft wissentlich geschadet zu haben. Die Korruptionsaffäre, in die die Konzernleitung ebenso verstrickt war wie der Betriebsrat, sowie der Abgasskandal zeugen von einer beispiellosen Drei-Affen-Politik des Aufsichtsrates: nichts gesehen, nichts gehört, nichts gesagt. Und unter den „Affen“ sind rund die Hälfte Arbeitnehmer, zusätzlich die niedersächsische Politik. Sie sind damit wesentlicher Teil einer geschlossenen Gesellschaft, die untereinander Gehälter und einen Vertrag wie den von Christine Hohmann-Dennhardt auskungeln. Die als Chefaufklärerin im Vorstand installierte Juristin warf nach nur 13 Monaten das Handtuch. Dafür soll sie mit einer Abfindung von 12,5 Mio. € und dem Anspruch auf eine monatliche Rente in Höhe von 8000 € entlohnt werden.

Ganz gleich, welche Beweggründe Hohmann-Dennhardt zum Abschied motiviert haben – dass Arbeitnehmer und Politiker solche Abmachungen mittragen, ist skandalös und inakzeptabel. Und nährt die von politischen Simplifizierern – leider oft zu Recht – angeführte These, dass „die da oben“ doch sowieso machen, was sie wollen, und sich die Elite immer mehr vom großen Rest der Gesellschaft distanziert. Gerne nehmen politische Extremisten den Ball auf und bieten sich als scharfe Kontrolleure der Füchse an. Solche Bauern braucht kein Hühnerstall. Nehmen wir ihnen die Argumente!

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