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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Berufsbild

Die neuen Lieblinge der Industrie

Von Hans Schürmann | 23. November 2017 | Ausgabe 47

Ingenieure der Automatisierungstechnik sind technische Tüftler und Teamplayer.

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Foto: imago/Westend61

Allein war gestern. Automatisierungstechniker stehen in engem Kontakt zu anderen Disziplinen.

Wer hat die beste Strategie? Wer ist schneller, wer kommt sicherer durch den Hindernisparcours? Studierende der Hochschule Coburg lassen kleine Roboter gegeneinander antreten. Das macht den Studenten aus den Studiengängen Automatisierungstechnik, Robotik und Informatik nicht nur Spaß, sie lernen dabei, worauf es später beim Bau autonomer Fahrzeuge ankommt.

Ein Team versucht, die Rennstrecke mithilfe von Ultraschall zu kartografieren. Das nächste setzt darauf, dass sein Roboter die Hindernisse einfach wegschiebt. Die Hardware war vorgegeben. Die Software mussten die Studenten selbst entwickeln, um Sensoren, Aktuatoren und das Display anzusteuern und den Roboter lenken zu können. Die Automatisierung von Produktionsprozessen ist für alle Industriezweige in Deutschland ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. „Elektroingenieure mit fundierten Kenntnissen in der Automatisierungstechnik und Robotik tragen wesentlich dazu bei, die Qualität und die Effizienz der Fertigung ständig zu verbessern“, sagt Michael Engel, Professor an der Hochschule Coburg.

Die Automatisierungstechnik ist ein interdisziplinäres Fach, mit Elementen aus der Technik und den Ingenieurwissenschaften. Automatisieren bedeutet, Anlagen und Maschinen so zu programmieren oder zu bauen, dass sie selbstständig und ohne die Bedienung von Menschen arbeiten und funktionieren können. Der Automatisierungstechniker betrachtet den Gesamtprozess und versucht, diesen zu optimieren. „Um die einzelnen Prozesse zu verbessern, benötigt der Automatisierungstechniker Wissen aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik“, weiß Jonas Gallenkämper, VDI-Geschäftsführer des Fachbeirats Ingenieurausbildung.

Das Bachelorstudium dauert in der Regel sieben Semester. Auf dem Studienplan stehen sowohl naturwissenschaftliche wie auch elektrotechnische Fächer: Informatik, Regelungstechnik, Mechatronik, Physik, Programmieren, Mess- und Steuertechniken sowie Leistungselektronik sind nur einige Beispiele für Schwerpunkte im Studium, die je nach Hochschule unterschiedlich kombiniert werden. Aber auch wirtschaftliche Fächer wie Betriebswirtschaft oder Qualitätsmanagement spielen eine Rolle.

Das Studium in Coburg ist gezielt auf die Anforderungen der beruflichen Praxis ausgerichtet. Die Studierenden arbeiten in Teams mit Kollegen aus anderen Studiengängen zusammen und schulen so ihre sozialen Kompetenzen. Projekte mit Partnern aus der Industrie fordern die Studierenden heraus, ihre Arbeitsergebnisse sicher zu präsentieren und schaffen Kontakte zur Praxis.

In der beruflichen Praxis haben Automatisierungsingenieure die Aufgabe, je nach Branche und Unternehmen, beispielsweise Kraftwerke, Produktionsanlagen, Verkehrswege und Gebäude wirtschaftlich effektiv zu betreiben. Sie entwerfen die Automatisierungssysteme, installieren und betreiben diese.

Die Ingenieure stellen dazu Prozessleitersysteme und Steuerungen her. Sie entwickeln die Hard- und Softwarekomponenten selbst oder passen Standardprogramme auf die jeweiligen Anforderungen an und installieren diese. Zudem begleiten sie Automatisierungslösungen, angefangen bei der Gestaltung des Projektes bis hin zur Umsetzung und Inbetriebnahme. Sie sorgen für die einwandfreie Funktion aller Steuerinstrumente, Messtechniken und Datenverarbeitungssysteme.

„Die Vermittlung von IT-Wissen während des Studiums wird immer wichtiger“, sagt Christoph Kübel, Personalchef bei Bosch. In der vernetzten Welt seien IT-Kompetenzen so wichtig wie die Grundrechenarten. „Nur wer die vernetzte Welt versteht, kann sie auch gestalten“, so Kübel. Bosch ist bereits ein Software-Unternehmen. Exzellente Einstiegschancen bei dem Unternehmen hätten daher Absolventen der Elektrotechnik, des Maschinenbaus und des Wirtschaftsingenieurwesens, die Software-Kompetenz mitbringen, so der Personalchef.

Nicht nur als technische Tüftler sollten sich Automatisierungstechniker verstehen, sie müssen heute mehr denn je in der Lage sein, zusammen mit anderen im Team kundengerechte Gesamtlösungen zu entwickeln. Das heißt, der Ingenieur wird zunehmend zum Dienstleister.

„Kunden möchten immer weniger ein Produkt kaufen, sondern vielmehr gleich eine Lösung“, sagt VDI-Geschäftsführer Gallenkämper. Um diese entwickeln zu können, müssen Teams in der Lage sein, Kompetenzen einzelner Fachleute zu nutzen. „Um etwa den ITler im Team richtig briefen zu können, damit er die richtige Lösung entwickeln kann, müssen sie seine Sprache kennen und wissen, wie dieser arbeitet“, erläutert Gallenkämper.

Das sieht auch Boschs Personalchef Kübel so: „Für die Arbeitswelt von morgen sind Zusammenarbeit, Kundenorientierung und Lernbereitschaft drei Schlüsselbegriffe. Zudem werden soziale und kommunikative Fähigkeiten immer wichtiger, da in Unternehmen oft fachlich gemischte Teams über alle Grenzen hinweg zusammenarbeiten.“

Aufgabe der Universitäten und Fachhochschulen sei es, hierfür die Grundlagen zu vermitteln, sagt der VDI-Geschäftsführer Gallenkämper. Aber es reiche, wenn die Studenten schon davon gehört hätten. „Ein bisschen am Anfang hilft schon viel. Für die Spezialisierung sind später die Unternehmen zuständig.“

Die fortschreitende Digitalisierung der Produktion und anderer Lebensbereiche macht Spezialisten der Automatisierungstechnik zu den neuen Lieblingen der Industrie. Das Einstiegsgehalt für Absolventen liegt laut Gehaltsstudien für das Jahr 2016 je nach Branche zwischen 46 000 € und 52 000 € pro Jahr. Die Aufstiegschancen von Ingenieuren für Automatisierungstechnik sind laut Experten aufgrund der breiten Ausbildung sehr gut. Es gibt viele Beispiele dafür, dass Automatisierungstechnikern die Chefetagen offenstehen. Vor allem Ingenieure, die in der Lage sind flexibel zu denken und offen zu kommunizieren, haben gute Chancen. cer/ws

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