Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Montag, 11. Dezember 2017

Biografie

Die zündende Idee des Robert Bosch

Von Eckart Pasche | 9. März 2017 | Ausgabe 10

Vor 75 Jahren starb der Technikpionier, der wesentlich zum Durchbruch des motorisierten Verkehrs beitrug.

Bildartikel zu magneto_ignition_for_automobiles_1897.jpg
Foto: Bosch

Der Niederspannungs-Magnetzünder erzeugte einen elektrischen Funken für die Kraftstoffentzündung.

Das Hotel „Krone“ bei Ulm bietet seit mehr als 180 Jahren eine Schlafstatt und Stärkungen auf seiner Speisekarte. In diesem Gasthaus erblickte als elftes von zwölf Kindern der damaligen Wirtsleute Maria Margaretha und Servatius Bosch am 23. September 1861 Robert Bosch das Licht der Welt. Zum Anwesen gehörten eine Brauerei, 250 Morgen Acker- und Weideland, das sich bis nach Ulm zog, 50 Morgen Wald sowie 25 Rinder und acht Pferde. Schon damals lag die Haupteinnahmequelle im vorbeirollenden Verkehr: Bevor sich die Fuhrleute am nächsten Morgen auf die nebenan liegende Steige begaben, stärkten sie sich und ihre Zugtiere und ruhten sich in der Herberge aus.

Die Bosch-Gruppe

Doch mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Ulm – Heidenheim ab 1850 befürchtete Servatius die Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene und damit den Verlust seiner Gäste. So verkaufte er 1869 die „Krone“ und zog mit seiner Familie nach Ulm.

Hier besuchte Robert die Realschule, wo er sich intensiv mit der experimentell betriebenen Physik beschäftigte. Doch zur theoretischen Logik der Mathematik fand er keinen Zugang, sodass ein Wechsel an die Polytechnische Schule Stuttgart, eine Keimzelle der heutigen Universität, nicht möglich war. Stattdessen ließ er sich 1876 bis 1879 zum Feinmechaniker ausbilden.

Foto: Bosch

Robert Bosch kam in der Nähe von Ulm als elftes Kind von Wirtsleuten zur Welt.

Nach der Lehrzeit begab er sich auf eine weitläufige, internationale Wanderschaft, stets zu den ersten Adressen der jeweiligen Branche. Zunächst zu Bosch & Haag, der Kölner Firma seines Bruders, anschließend in die Fabrik elektrischer Apparate C. & E. Fein in Stuttgart, zu Rödiger in Hanau, zur Sigmund Schuckert KG in Nürnberg, zu Gottlob Schäffer in Göppingen. 1884 wagte der 23-Jährige den Sprung in die USA, zunächst zu S. Bergmann & Co., dann zu den Edison Machine Works in New York. 1885 kehrte er nach Europa zurück und verdingte sich im englischen Woolwich bei Siemens Brothers. Bereits im selben Jahr wechselte er nach Magdeburg zu Buss, Sombart & Co.

Seinen reichen Erfahrungsschatz brachte er 1886 nach Stuttgart, wo er eine feinmechanische Werkstätte mit der Absicht, „Apparate, möglichst elektrotechnische“ zu bauen, eröffnete. Auch wenn dieser Neuanfang schwer erkämpft werden musste, war er doch der Startschuss für eine spektakuläre deutsche Firmengeschichte.

Schon im Jahr 1887 bekam Bosch den Auftrag, einen Niederspannungs-Magnetzünder für stationäre Motoren zu bauen. Diesen verbesserte sein Werkmeister Arnold Zähringer 1897 für den Einsatz in Automobilen. Denn damals gab es nur Batteriezündungen mit unbefriedigend geringen Reichweiten sowie die Glührohrzündung, von der eine erhebliche Brandgefahr ausging. „Mir selbst sind in meiner langen Praxis unzählige Male meine Wagen in Brand geraten“, beschwerte sich der frühe Automobilist Emil Jellinek schon 1899. Im Jahr 1901 entwickelte Boschs Entwicklungsingenieur Gottlob Honold das System zur Hochspannungs-Magnetzündung mit Zündkerze weiter.

Bosch konnte die Missstände mit seinem „Drehhülsen-Magneto“ lösen und wurde so zum Zulieferer für die aufkommende Motorrad- und Auto-Industrie. Bald entwickelte er die moderneren „High Voltage Magnetos“. Ein Renault mit diesen Bosch-Zündern gewann das erste Grand-Prix-Rennen 1906. Nach der Jahrhundertwende expandierte die „Elektrotechn. Fabrik Robert Bosch“ enorm. Binnen fünf Jahren verzehnfachte sich die Mitarbeiterzahl, und eine USA-Dependance entstand.

Vom wachsenden Umsatz profitierten auch die Angestellten (Bosch: „Ich zahle keine guten Löhne, weil ich reich bin. Ich bin reich, weil ich gute Löhne zahle“). 1906 führte er den Achtstundentag ein, sorgte für beste Arbeitsbedingungen (frische Luft, gute Beleuchtung), trat als großer Stifter in Erscheinung: Der Königlich Technischen Hochschule in Stuttgart schenkte er 1 Mio. Mark im Jahr 1910 „zur Pflege und Förderung der physikalischen Grundlagen der ausführenden Technik“. Diese verlieh ihm den Grad eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber. Später folgten viele weitere Millionen – etwa für den Bau des Rhein-Neckar-Kanals, Kinderheime, ein homöopathisches Krankenhaus-Projekt und sein landwirtschaftliches Versuchsgut in Bayern.

Foto: Bosch

Ein besonderes Stück Zeitgeschichte: Werbung aus dem Jahr 1910 für den „Drehhülsen-Magneto“.

Den Erfolg führte der Firmengründer auf die Wertschätzung seiner Mitarbeiter und seinen hohen Qualitätsanspruch zurück: „Es war immer ein unerträglicher Gedanke, es könne jemand bei Prüfung eines meiner Erzeugnisse nachweisen, dass ich irgendwie Minderwertiges leiste. Deshalb habe ich stets versucht, nur Arbeit hinauszugeben, die jeder sachlichen Prüfung standhielt, also sozusagen vom Besten das Beste war. Lieber Geld verlieren als Vertrauen.“ Qualitätssicherung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ganz ohne Consultants und Hochglanzbroschüren.

Im Ausland erwirtschaftete das Unternehmen schon vor dem Ersten Weltkrieg fast 90 % seines Umsatzes. Doch mit Kriegsausbruch fiel dieser in sich zusammen. Ersatz bot die Aufrüstung: Das fahrende Kriegsgerät wurde mit Bosch-Zündkerzen ausgerüstet. Und auch der Zweite Weltkrieg wurde mithilfe von Bosch-Produkten geführt. 1937 verfügte Robert Bosch in seinem Testament, dass die Dividende des Unternehmens in gemeinnützige Zwecke fließen sollte. So liegen die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH heute zu 92 % bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung. Für sein medizinisches Engagement verlieh ihm die Universität Tübingen anlässlich seines 80. Geburtstags 1941 die Würde eines Dr. med. h.c.

Robert Bosch hat sich zeitlebens intensiv für Gesundheitsforschung und Pflege eingesetzt. Mehrere Krankenhäuser sind nach ihm benannt. Da ist es schwer zu verstehen, dass er nach eigenem Bekunden nie im Leben einen Arzt aufgesucht hat. So wurde auch seine Ohrenentzündung nur homöopathisch behandelt und führte am 12. März 1942 in Stuttgart zum Tode. 

stellenangebote

mehr