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Montag, 11. Dezember 2017

Beruf

Ein Job mit Suchtgefahr

Von Chris Löwer | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Hanna Becker ist Elektrotechnikern, liebt aber ihren Job als Softwareentwicklerin in einem jungen und agilen Team.

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Foto: privat

Hanna Becker freut sich über die lockere Atmosphäre und die flachen Hierarchien an ihrem Arbeitsplatz.

Wer Hanna Becker vor Jahren nach ihrem Berufswunsch gefragt hat, der bekam zur Antwort: „Irgendwas mit Sprachen.“ Im gewissen Sinne kam es so – und doch ganz anders. Zunächst hatte die junge Frau aus Franken einen Bachelor als Übersetzerin abgelegt und wollte in der technischen Übersetzung arbeiten. „Sprachen, Physik und Mathe haben mich schon immer interessiert“, erzählt sie. Informatik lag weit außerhalb ihrer Erwägungen. Nicht zuletzt, weil ihre beiden älteren Brüder bereits diesen Weg eingeschlagen hatten. „Ich dachte, das ist nur etwas für Nerds“, sagt Becker lachend. Damit ist sie in guter Gesellschaft – denn das denken viele. Die wenigsten hinterfragen allerdings ihren Glauben, finden selbst Spaß am Coden (Programmieren) und machen einen Start als Softwareentwickler – so wie Hanna Becker.

Ihre Geschichte geht so weiter: Becker kehrt noch mal an die Uni zurück und studiert am Karlsruher Institut für Technologie KIT Elektrotechnik – ihr starkes technisches Interesse setzt sich durch. „Ich finde Schaltungen spannend und vor allem, wie man sie selber austüftelt“, sagt die heute 31-Jährige. Während des Studiums kommt sie mit angewandter Informatik in Kontakt und fängt Feuer. Für sie war das fast logisch: „Die wenigsten bedenken, dass der Studiengang Elektro- und Informationstechnik heißt und sich immer stärker in Richtung Informatik entwickelt.“ Was natürlich nicht heißt, dass dieses Studium Softwareentwickler in Serie ausspuckt.

Auch bei Becker sah es erst nicht danach aus. Mit dem Master in der Tasche fing sie beim Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Aussicht auf eine Promotionsstelle an. Doch so richtig gefiel es ihr nach Jahren des Studiums nicht „Ich wusste recht schnell: Das ist nicht das Richtige, weil ich anwendungsorientiert arbeiten wollte.“

Zufällig machte Becker ein Bekannter auf das IT-Beratungs- und Entwicklungshaus andrena objects in Karlsruhe aufmerksam, das Leute suchte, gern auch Quereinsteiger. Intern werden dort auch Fachfremde intensiv ausgebildet, um als Softwareentwickler arbeiten zu können: „Das habe ich als meine Chance gesehen, den Übergang von der Elektrotechnik in die Softwareentwicklung zu finden“, berichtet Becker.

Seit fast einem Jahr ist sie nun mit dabei und bereut ihren Schritt nicht: „Was ich an der IT-Branche nach wie reizvoll finde, ist dass sie immens innovationsfreudig ist.“

Ihr Arbeitgeber andrena versteht sich als „Experte für Agiles Software Engineering“, arbeitet viel für die Finanzindustrie und setzt auf die agile Methode Scrum. Eine Arbeitsweise, die Becker sehr schätzt: Morgens um 9 Uhr gibt es eine kurze Besprechung im Team, dann geht es meist paarweise an die Rechner, um zu coden. „So kann man voneinander lernen und entwickelt schneller neue Ideen. Das kenne ich so von der Arbeit als Ingenieur nicht“, sagt Becker. „Coden macht mir auch deshalb so viel Spaß, weil man sofort das Ergebnis sieht, weiß, ob es geklappt hat oder nicht.“ Becker spricht von einem „Instant-Feedback-Erlebnis“, „Glücksgefühlen“, „Suchtgefahr“ und davon, dass es ihr Freude bereitet, „Aufgaben durch logische Überlegungen zu lösen, wie man das beim Programmieren die ganze Zeit macht“.

Als angenehm empfindet sie auch die lockere Arbeitsatmosphäre und die flachen Hierarchien. Das muss man mögen, um als Ingenieur in der Branche Fuß zu fassen. Nicht jeder ist das gewohnt, nicht jeder mag das. „Sehr dominante Charaktere oder ausgeprägte Einzelgänger werden sich schwertun, weil im gleichberechtigten Team gearbeitet wird“, berichtet Becker.

Wer als Ingenieur einen Wechsel in die Softwarebranche anstrebt, sollte sich gezielt nach Unternehmern umsehen, die ausdrücklich Seiteneinsteiger suchen, lautete Beckers Tipp. Und sie sollten natürlich nicht bei null anfangen, sondern fürs Programmieren brennen. Sie selber möchte ihre Wissensbasis schnell verbreitern und auf lange Sicht wieder ihre Kenntnisse in der Elektrotechnik bei der hardwarenahen Programmierung in den Job einbringen.

Hanna Becker kann sich gut in eine Aufgabe verbeißen, schon während des Studiums reagierte sie mitunter unwirsch, wenn Kommilitonen sie überreden wollten, mit ihnen mittags in die Mensa zu gehen, obwohl sie gerade beim Coden war. Zu einem Nerd ist Becker trotzdem nicht geworden. In ihrer Freizeit geht sie bouldern (klettern ohne Seil und Gurt), joggen und singt in einem Chor.

Und ihrem ursprünglichen Berufsziel nach dem Motto „Irgendwas mit Sprachen“ ist sie im gewissen Sinne auch treu geblieben – es sind eben Programmiersprachen draus geworden.  

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