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Dienstag, 12. Dezember 2017

Kommentar

Eine Frage von Gut oder Böse

Von Peter Steinmüller | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Schädlinge wollte der promovierte Chemiker Gerhard Schrader bekämpfen, als er in den 1930er-Jahren an organischem Phosphorsäureester forschte. Seine Arbeiten mündeten in der Erfindung des Nervengases, das jetzt in Syrien für Tod und Schrecken sorgt. Schrader verkaufte damals seine Erkenntnisse für 50 000 Reichsmark an das Militär.

Peter Steinmüller, Chef vom Dienst: Wertevermittlung nicht an den Religionsunterricht delegieren.

Heutige Naturwissenschaftler sind weit entfernt vom Zynismus vergangener Zeiten. Trotzdem ist es richtig und wichtig, dass die Wertevermittlung im naturwissenschaftlichen Unterricht in den Fokus von Pädagogen und Politikern gerät.

Zwar lagen in der naturwissenschaftlichen Forschung Chancen und Risiken für die Menschheit schon immer nahe beisammen, wie etwa die Beispiele Kunstdünger und Kernkraft zeigen. Mittlerweile geht aber die Vielfalt technischer Möglichkeiten Hand in Hand mit einem Wertepluralismus, in dem der Mensch schnell den moralischen Kompass verliert.

So haben die klassischen Instanzen der Wertevermittlung, die Kirchen, immer weniger Einfluss auf die Menschen. Nur noch knapp 60 % der Deutschen glauben eigenen Aussagen zufolge an Gott. Schon allein deshalb kann die Aufgabe, Schülerinnen und Schülern den grundlegenden Unterschied zwischen Gut und Böse beizubringen, nicht an den Religions- und Ethikunterricht delegiert werden.

Ethische Fragen können in den Naturwissenschaften auch deshalb leichter behandelt werden, weil Politik und Hochschulen von der Ökonomisierung der Bildung abrücken, wie sie in den Nullerjahren betrieben wurde. Die Rückkehr Bayerns zum G9 ist dafür ein wichtiges Signal. Das schafft Freiräume, sich über die engen Grenzen der eigenen Disziplin hinweg zu orientieren.

Die Aufgabe der Wissenschaft war von jeher, wahr und falsch zu unterscheiden. Immer wichtiger wird es, das Gute vom Bösen zu trennen.

  

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