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Dienstag, 12. Dezember 2017

Hochschule

„Eine ,starke Leitung‘ sucht Querdenker“

Von Hermann Horstkotte | 6. April 2017 | Ausgabe 14

Eine „unternehmerische Universität“ sei am besten geeignet, wissenschaftliche Vielfalt zu fördern, meint Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TU München.

VDI Nachrichten: Herr Professor Herrmann, Sie gelten als Stammvater der „unternehmerischen Universität“ mit einer starken Leitung. Kritiker wollen aber Professoren mehr Stimmrecht geben.

Foto: A. Eckert/A. Heddergott/TU München

Wolfgang A. Herrmann: „Bayern ist den richtigen Weg gegangen.“

Herrmann: Richtig verstanden und praktiziert lebt die „unternehmerische Universität“ aus der Vielfalt ihrer Talente. Ihnen ist der Gestaltungsfreiraum der Wissenschaftsfreiheit zu gewähren, der nicht im Widerspruch zu gemeinsam definierten strategischen Zielen steht. Eine „starke Leitung“ zeichnet sich dadurch aus, dass sie das Kräftepotenzial des Professorenkollegiums erkennt, fachübergreifendes Zusammenwirken fördert, für die Bereitstellung ausreichender Finanzmittel sorgt, Leistungsträger von administrativer Ablenkung entlastet und die Kohärenz der Hochschulgemeinschaft im Ganzen fördert.

Baden-Württemberg stärkt Professorenrechte

Kritiker haben außerhalb Bayerns Recht bekommen, als sie mehr Rechte für Professoren forderten.

Hochschulrecht ist Landesrecht, unterschiedliche Regelungen gehören zum föderalen Wettbewerb. Ausweislich der Attraktivität und Leistungen seiner Universitäten ist nicht zu bezweifeln, dass Bayern den richtigen Weg gegangen ist.

Viele Professoren sehen in der Wissenschaftsfreiheit das persönliche Recht, die Pläne managender Vordenker nicht umsetzen müssen. Was bedeutet das für Technische Universitäten?

Individuelle Forschung in „Einsamkeit und Freiheit“ passte gut zum Verständnis der Geisteswissenschaften im 19. Jahrhundert. Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen von heute und morgen sind so komplex, dass sie im Wesentlichen nur in der gut organisierten Verbundforschung zu schultern sind: Gesundheit und Ernährung, Klima und Energie, nachhaltige Ressourcennutzung, Information, Kommunikation und Digitalisierung, Mobilität und Infrastruktur. Hier ist der Einzelne verloren. Der gelebte Teamgeist der unterschiedlichen Talente steht obenauf.

Teamgeist schön und gut. Was aber bleibt dann noch von der Wissenschaftsfreiheit des Einzelnen?

Ein funktionstüchtiger, leistungsfähiger Gesamtorganismus eröffnet dem Einzelnen überhaupt erst individuelle Entfaltungsmöglichkeiten. In dieser Einbettung führen koordinierte Großprojekte wie DFG-Sonderforschungsbereiche zu gesellschaftlich und wirtschaftlich vorteilhaften Ergebnissen. Eine „starke Hochschulleitung“ zwingt niemanden zur Mitwirkung, katalysiert aber umso mehr das Zusammenspiel der Kräfte. Dabei sind eine effiziente Struktur und ein entscheidungsfähiges Management ebenso wichtig wie eine intakte Universitätsgemeinschaft.

Was ist das Rezept einer erfolgreichen Hochschulleitung, um einzelne Wissenschaftler, oft Eigensinnige und Querdenker ohne Konformitätszwang, unter einen Hut zu bringen?

Eine „starke Leitung“ sucht diese Eigensinnigen und Querdenker. Denn sie sind das Salz in der Suppe. Aber sie müssen beizeiten auch Leistung vorweisen, denn sie sind nicht für sich alleine auf der Welt. Gute Führung bedeutet stets auch das fordernde „Anstiften zum Miteinander“ verbunden mit ehrlicher, aufrichtiger Kommunikation. Die Universität kann sich nicht auf klassische Rollenbilder verschwören, wenn sie Dienerin einer sich wandelnden Gesellschaft sein will. „Starke“ Präsidenten und Dekane – warum und zu wessen Vorteil sollten sie schwach sein, bitte? Stärke zeigt sich nicht in Bevormundung, sondern in der Kunst der Motivation.

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