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Donnerstag, 23. November 2017, Ausgabe Nr. 47

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Strategien

Erfolg – eine Frage der Nachhaltigkeit

Von Sabine Hense-Ferch | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Nachhaltigkeit erschließt Zielgruppen sowie Innovationen und stärkt das Arbeitgeberimage.

Nachhaltigkeit BU
Foto: panthermedia.net/Yaruta

Schützende Hände und viel Geduld sind nötig, wenn Nachhaltigkeit zum Unternehmenscredo erklärt wird.

Kleine bunte Kügelchen und ein Monitor, der Verlaufskurven anzeigt. Was einfach aussieht, ist bei näherer Betrachtung ein hochkomplexes Instrument gegen Schadgase in der Luft.

Berufseinsteiger bevorzugen „nachhaltige“ Arbeitgeber

Diese Gase lassen elektronische Bauteile korrodieren. Für Steuerungs- und Überwachungsanlagen von Industriebetrieben wie Raffinerien, in der Petrochemie oder Papierindustrie ist das ein großes Problem. Eine Störung kann die gesamte Produktion lahmlegen, der Schaden geht schnell in die Millionen. „Wir verkaufen unseren Kunden ein Paket bestehend aus Filter, Monitoring und Service“, erläutert Edith Goldnik, Ingenieurin bei Freudenberg Filtration Technologies, die als Doktorandin wesentlich an der neuen Gasphasenfiltration mitgewirkt hat.

Die Vorteile der Neuentwicklung: bessere Atemluft für die Mitarbeiter, weniger Ausfall teurer Maschinen und Anlagen. Die Gasfiltration ist nur eine von zahlreichen Innovationen des Weinheimer Technologieunternehmens. „Wir investieren innerhalb der gesamten Freudenberg Gruppe mehr als 370 Mio. € pro Jahr in Forschung und Entwicklung, das sind rund 4,3 % des Umsatzes“, erklärt Edith Goldnik. „Nachhaltigkeit ist dabei ein starker Treiber für Innovationen.“

Foto: Freudenberg

Edith Goldnik, Ingenieurin bei Freudenberg Filtration Technologies, entnimmt mit einem Kollegen eine Pelletprobe. Das Unternehmen will mit seinen Filtrationslösungen Ressourcen und damit die Umwelt schonen.

Das ist nicht nur bei Freudenberg so. 57 % der deutschen Manager schätzen die Bedeutung von Nachhaltigkeit für die Innovationsfähigkeit als hoch ein. Bei den Berufseinsteigern sind es sogar 62 %. Das ergibt eine Forsa-Befragung unter 500 Mitarbeitern deutscher Industrieunternehmen verschiedener Branchen, der „Industrie-Innovationsindex 2016“. Die Befragung belegt den Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Innovationsfähigkeit in der Industrie: Unternehmen, die sich wirtschaftlich, gesellschaftlich und in Umweltaspekten nachhaltig engagieren, weisen eine überdurchschnittliche Innovationskraft auf.

Auch für Dagmar Fritz-Kramer sind Innovationsfreude und Nachhaltigkeit keine Gegensätze – im Gegenteil: Die Unternehmerin aus dem oberschwäbischen Erkheim leitet in vierter Generation das Fertighaus-Unternehmen Baufritz, das 2009 nachhaltigste deutsche Unternehmen im Hausbaubereich, beurkundet mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“.

„Der Anlass war bei uns ein schwerer Krankheitsfall in der Familie, dass wir uns schon sehr früh – in den 1980er-Jahren – um Ökologie, Baubiologie und Umweltfreundlichkeit beim Bauen bemüht haben. Heute ist das ein Qualitätsmerkmal, mit dem wir uns stark von Wettbewerbern differenzieren und auf eine ganz bestimmte Zielgruppe zuarbeiten“, sagt die Chefin von 350 Mitarbeitern.

Seit 30 Jahren erstellt Baufritz Nachhaltigkeitsberichte, auch die weltweit erste Biodämmung geht auf das Konto des Unternehmens. „Wir entwickeln heute etwa alle ein bis zwei Jahre durchschlagende Innovationen, die wirklich neue Standards auf dem Markt setzen, von vielen kleinen Verbesserungen in Einzelfällen, die man dann auch auf andere Projekte übertragen kann, ganz zu schweigen“, berichtet Fritz-Kramer. „Damit fahren wir gut.“ Nachhaltigkeit treffe den Nerv vieler Menschen. Das Thema sei mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. „Wir legen auch Wert auf nachhaltiges Handeln bei Lieferanten, von der atomstromfreien Produktion bis zur Zero-Waste-Produktion, bei der die Produktteile unverpackt zur Baustelle geliefert werden. Das zieht weite Kreise im Bereich der Partnerunternehmen und kommt bei unseren Kunden sehr gut an.“

Innovationen im Bereich Nachhaltigkeit entstehen bei Baufritz einerseits in der Zusammenarbeit mit Architekten und anspruchsvollen Kunden, andererseits aber auch in der internationalen Vernetzung: „Länder wie die Schweiz oder Luxemburg haben im Bereich Energieeinsparung ganz andere Anforderungen. Wenn wir die erfüllen, sind wir automatisch Vorreiter auf dem deutschen Markt“, glaubt Dagmar Fritz-Kramer.

Aber nicht nur bei der Kundengewinnung zahlen sich nachhaltige Entwicklungen aus, auch Fachkräfte werden hellhörig. „Wie innovativ und nachhaltig ein Unternehmen ist, kann für qualifizierte Bewerber ein ausschlaggebendes Kriterium sein“, sagt Björn Schumacher, der in dritter Generation die Schumacher Packaging Gruppe leitet. „Mit innovativen und nachhaltig handelnden Firmen können sich Bewerber gut identifizieren, hier können sie eigene Ideen einbringen und ihr Entwicklungspotenzial entfalten.“

Das Unternehmen aus Ebersdorf bei Coburg ist einer der größten Hersteller für Verpackungen aus Wellpappe und stellte in den vergangenen Jahren verschiedene nachhaltige Produkte und Lösungen vor, etwa eine Innovation zur Herstellung von Verkaufsdisplays aus mehreren Lagen Wellpappe, die vollständig recycelbar sind. Auch die neue Produktlinie – Transportverpackungen und Paletten, die nicht aus vernageltem Holz, sondern aus Papier hergestellt sind – ist eine patentierte Weltneuheit und ebenfalls rückstandsfrei wiederverwertbar. „Innovationen werden bei uns häufig von Kunden angestoßen, die den Material- und Rohstoffverbrauch oder die Transportkosten senken möchten. Wir entwickeln diese Ideen dann weiter und übertragen sie auf andere Kunden und Branchen“, sagt Schumacher.  

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