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Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

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Management

Feste Vergütung auf dem Vormarsch

Von Claudia Burger | 1. Dezember 2016 | Ausgabe 48

Immer seltener setzen Dax-Unternehmen auf erfolgsabhängige Honorierungen für Aufsichtsratschefs und Vorstände. Das gefährdet die Nachhaltigkeit des Unternehmenserfolgs, kritisieren zwei Studien.

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Foto: panthermedia.net/Lena Wurm

Auch der Boss will mehr Geld. Vorstandsvorsitzende verdienen im Schnitt zweimal so viel wie die Kollegen im Vorstand.

Die Aufsichtsratsvorsitzenden der Dax-Unternehmen werden 2016 im Durchschnitt 372 000 € verdienen. Damit steigen die Bezüge der Chefaufseher um 4,4 %. Die höchste Gesamtvergütung erhalten der Prognose nach die Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank (800 000 €), von Siemens (608 000 €) und BMW (600 500 €). Am niedrigsten vergüten Merck (97 800 €), Adidas (205 300 €) und ThyssenKrupp (210 000 €) ihre Chefaufseher.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Willis-Towers-Watson-Studie „Aufsichtsratsvergütung im Dax 2016“. Es sei ein Trend zur Vereinfachung der Vergütungssysteme zu erkennen: Inzwischen setzen 18 Unternehmen auf eine ausschließlich feste Vergütung des Aufsichtsrats. Zwölf Unternehmen richten diese dagegen am kurz- oder langfristigen Unternehmenserfolg (beispielsweise gemessen am Ergebnis pro Aktie) aus. „Im internationalen Vergleich befindet sich die Aufsichtsratsvergütung in Deutschland auf einem passenden Niveau“, kommentiert Helmuth L. Uder die Ergebnisse. Er ist Managing Director Board & Executive Compensation bei Willis Towers Watson. Um jährlich 7 % stieg die Vergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden seit 2005 durchschnittlich an. Die Vergütung der CEOs stieg hingegen in geringerem Umfang – um durchschnittlich 3 % pro Jahr seit 2005. „Die Aufgaben des CEOs haben sich weniger stark verändert als die Aufgaben des Aufsichtsrats – das erklärt den geringeren Anstieg der Vorstandsvergütung“, so Uder.

Ausschließlich auf die feste Vergütung ihrer Aufseher setzen die Dax-Unternehmen laut Studie in diesem Jahr noch stärker als im Vorjahr. „Das ist eine einfache und transparente, aber nicht unbedingt die beste Lösung“, ist die Einschätzung von Ralph Lange, Manager Executive Compensation bei Willis Towers Watson. „Denn die Aufgabe der Aufsichtsräte ist zweigeteilt: Erstens sollen sie die Unternehmensleitung kontrollieren – hierfür ist eine feste Vergütung passend. Zweitens sollen sie die Unternehmensplanung und die Entwicklung der Unternehmensstrategie begleiten – und dementsprechend auch bezogen auf den langfristigen Unternehmenserfolg honoriert werden.“ Seit 2012 empfiehlt der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK), erfolgsorientierte Bestandteile der Aufsichtsratsvergütung auf die nachhaltige Unternehmensentwicklung auszurichten. Für die kommenden Jahre gehen die Vergütungsexperten von deutlich geringerer Unstetigkeit aus. Uder: „Eine Festvergütung schwankt – vorbehaltlich einer Anpassung – grundsätzlich nicht. Variable Vergütungselemente werden zudem noch stärker auf den langfristigen Unternehmenserfolg abgestellt. In der Regel wird dieser an Kennzahlen aus mehreren Jahren gemessen, sodass sich Ausschläge durch Gewinn oder Verlust über mehrere Jahre verteilen und glätten.“ 13 % der Dax-Unternehmen gewähren ihren Aufsichtsräten noch eine kurzfristige variable Vergütung. „Wir gehen davon aus, dass diese Unternehmen ihre Vergütungssysteme künftig umstellen, um den DCGK-Anforderungen zu entsprechen“, so Uder.

Der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten ist laut Studie im Dax insgesamt auf 29 % gestiegen. Dreizehn Unternehmen haben laut Lange die seit diesem Jahr gültige 30-%-Quote noch nicht erreicht. „Angesichts der üblichen Vertragslaufzeiten der Aufsichtsräte und der anstehenden Neubesetzungen ist zu erwarten, dass in drei Jahren nahezu alle Dax-Unternehmen die gesetzlich geforderte Quote erfüllen können“, sagt Lange. Im internationalen Vergleich verdienen die Dax-Chefaufseher weiterhin deutlich weniger als ihre Kollegen in der Schweiz und Großbritannien. „In Ländern wie der Schweiz oder Großbritannien ist der Aufsichtsrat allerdings auch intensiver in die Unternehmensführung eingebunden, was das höhere Vergütungsniveau teilweise erklärt“, so Uder. Die Studie nutzt als Grundlage der Auswertungen öffentlich verfügbare Quellen, insbesondere Satzungen und Hauptversammlungsbeschlüsse aus dem Jahr 2016, die Geschäftsberichte für 2015 sowie Analystenberichte.

Eine Studie der Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Universität Frankfurt kommt zu dem Ergebnis, dass die Vorstands-Boni in Deutschland unzureichend an den langfristigen Unternehmenserfolg geknüpft sind. Zwar handele es sich bei rund 60 % der Gesamtvergütungen für Dax- und MDax-Vorstände um leistungsabhängige Zahlungen – von denen wiederum mehr als die Hälfte langfristig ausgerichtet sind. Allerdings basierten die meisten dieser „Long Term Incentives“ auf Cash- statt auf Aktienplänen.

Die Einkommen der Chefaufseher steigen in diesem Jahr im Durchschnitt laut Studie von Willis Towers Watson um 4,4 %

Mit der Auszahlung entkoppelt sich also der Bonus automatisch von der Geschäftsentwicklung. „Im internationalen Vergleich kann Deutschland damit als ein Sonderfall bezeichnet werden. Aus Sicht der Studienautoren wäre es zielführender, langfristige Boni in Form von Aktien des eigenen Unternehmens zuzuteilen – und die Vorstände durch Klauseln anzuhalten, die Papiere auch über einen längeren Zeitraum zu halten, gegebenenfalls sogar über die Organtätigkeit hinaus. „Dadurch würde sichergestellt, dass es im ureigenen Interesse der Vorstände ist, ihre Arbeit auch wirklich am nachhaltigen Erfolg des Unternehmens auszurichten“, so Remo Schmid, Mitautor der Studie und verantwortlicher Partner für Vergütungsfragen bei PwC in Deutschland. Unternehmensberatung und Universität analysierten die Vergütungsstrukturen der Dax- und MDax-Unternehmen. Die Auswertungen zeigen, dass sich die Vorstandsvergütung 2015 im Vergleich zum Vorjahr unterschiedlich entwickelt hat: Im Median erhielt ein Dax-Konzernchef 5,6 Mio. €, ein Plus von gut 3 %. Weitere Vorstandsmitglieder kamen auf 2,9 Mio. €, was ein Minus von 2 % bedeutet. Im MDax verdienten die CEOs im Median 2,5 Mio. €, ihre Vorstandskollegen erhielten 1,3 Mio. €. Der durchschnittliche Konzernchef verdient im Schnitt knapp das Zweifache eines einfachen Vorstands. Der Anteil von Frauen in den Unternehmensspitzen entwickelt sich im Schneckentempo. So waren gut 91 % aller Vorstandsposten im Dax Ende 2015 von Männern besetzt, im MDax sogar rund 96 %.

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