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Dienstag, 12. Dezember 2017

Rohstoffe

Forschung, hinter der alle stehen

Von Ralph H. Ahrens | 4. Mai 2017 | Ausgabe 18

In NRW ziehen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft an einem Strang: Braunkohle, Biomasse, Abfälle und CO2 sollen die künftigen Rohstoffe für Kunst- und Kraftstoffe sein.

Chemie Professor BU
Foto: panthermedia.net/rparys

Braunkohle lässt sich zum Chemierohstoff verwerten, hoffen Forscher, und böte dann dem Rheinischen Revier neue Zukunftsperspektiven.

Im Rheinischen Braunkohlerevier und im Ruhrgebiet wird am Abschied vom Ausgangsstoff Erdöl für Chemikalien und Treibstoffe geforscht. Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft packen diesen Umbau der Rohstoffbasis gemeinsam an.

Mit dabei ist RWE. Am Innovationszentrum Kohle am Braunkohlekraftwerk Niederaußem sollen Fachleute des Konzerns sowie von ThyssenKrupp Industrial Solutions und der TU Darmstadt ausloten, wie sich aus dieser Kohle chemische Substanzen gewinnen lassen. An einem Teststand im Labor sollen die Gase Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff (H2) bei hohem Druck und hoher Temperatur so miteinander gemischt werden, dass nutzbare Chemikalien entstehen. Gleichzeitig kündigt RWE an, mit der Stiftungsprofessur „Kohlenstoffquellen und -umwandlung“ die Kohlenstoffforschung an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) zu stärken.

Die Professur wird in den Forschungsverbund „geschlossene Kohlenstoffkreislaufwirtschaft“ CCCE (Closed Carbon Cycle Economy) eingebunden. RWE will den Verbund unterstützen, „zu einem Think Tank für die Transformation in Sachen Carbon zu werden“, sagt Vorstandsmitglied Lars Kulik. Die Professur wird der Konzern mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) an der RUB-Fakultät für Maschinenbau einrichten.

Das Land, die RUB und RWE stellen für die ersten sieben Jahre 6,9 Mio. € bereit. „Erfahrungsgemäß können wir pro Euro Förderung bis zu 2,50 € an Drittmitteln einwerben“, so Roland Span, Dekan der Fakultät für Maschinenbau. Es könne daher ein großer Ingenieurlehrstuhl mit einem interdisziplinären Team aus mehr als 50 Mitarbeitern werden. „Hauptziel ist, alternative heimische und regenerative Quellen für Kohlenstoff als Grundstoff für Kraftstoffe und die chemische Industrie zu erschließen.“ Zu untersuchen sei, wie sich verschiedene Kohlenstoffquellen für die stoffliche Verwertung eignen. Auch Verfahren sollen entwickelt werden, die unabhängig von der jeweiligen Kohlenstoffquelle einsetzbar sind. Dies alles gehe nicht ohne technischen Sachverstand, betont Span. „Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden Energietechnik-, Verfahrens- oder Chemieingenieure sein.“

Die RWE-Initiativen stehen nicht allein. Der Leverkusener Polymerhersteller Covestro baut CO2 aus Industrieabgasen in einen Baustein für Polyurethan ein. ThyssenKrupp will Abgase nutzen, um Substanzen für Düngemittel herzustellen. Das Ziel: Chemiebetriebe sollen Kohlenstoffatome aus alternativen Quellen nutzen – seien es pflanzliche Abfälle oder CO2 aus Industrieabgasen.

Als Zwischenschritt bietet sich auch Braunkohle an, die künftig nicht mehr im großen Stil zur Stromerzeugung verfeuert werden soll. Deren stoffliche Verwertung böte auch dem Rheinischen Revier eine Perspektive, meint Elisabeth Hülsewig, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Bergheim. „Neue Chemierohstoffe als ,Made in Bergheim‘ in alle Welt zu verkaufen – das wäre auch ein Gütesiegel für unsere Stadt.“ Dies hält Guido van den Berg, SPD-Mitglied im Landtag, für realistisch: „Der Kohlenstoff wird im Rheinischen Braunkohlerevier so effizient gewonnen, dass die Preise anderer Länder damit unterboten werden können. Ein Riesenthema, und Niederaußem ist dabei Forschungsstandort. Bergheim wird heute ein bisschen Uni-Stadt.“

Alle Parteien im NRW-Landtag stehen hinter der Entwicklung. „RWE greift mit der Stiftungsprofessur einen Vorschlag der ,Enquête-Kommission zur Nachhaltigen Zukunft der Chemie-Industrie in NRW auf‘“, so Hans-Christian Markert. Der grüne Abgeordnete hat die Kommission initiiert und geleitet. Im Abschlussbericht fordern alle Parteien die Chemie auf, ihre Rohstoffbasis zu verbreitern, unabhängiger von Erdöl zu werden und mithilfe von Biomasse, Abfällen und CO2 aus Industrie- und Kraftwerksabgasen geschlossene Kohlenstoffkreisläufe zu entwickeln. 

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