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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Unternehmenskultur

Führungskräfte digital schlecht aufgestellt

Von Claudia Burger | 12. Oktober 2017 | Ausgabe 41

Carlo Mackrodt von Rochus Mummert sieht Vorteile, wenn Unternehmen holokratische Strukturen etablieren.

Bildartikel zu 170828_Rochus Mummert_Pressefoto_Dr. Carlo Mackro
Foto: panthermedia.net/Brock Jones

Selbstbild und Wahrheit stimmen häufig nicht überein. Führungskräfte halten sich oft für Digital Leader, sind es aber nicht.

VDI nachrichten: Wie kann erfolgreiches und nachhaltiges Employer Branding in Zeiten digitaler Transformation aussehen?

Foto: Rochus Mummert

Mackrodt: Der Arbeitsmarkt wandelt sich zunehmend von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Unternehmen sich verstärkt damit auseinandersetzen, wofür sie als Arbeitgeber stehen. Top-Führungskräfte und High Potentials können sich ihre Jobs häufig aussuchen, gerade in Branchen und Unternehmensbereichen, in denen der Fachkräftemangel bereits stark zu spüren ist, zum Beispiel der IT. In Zeiten der digitalen Transformation stehen Marken wie Google, Amazon oder Tesla als Arbeitgeber hoch im Kurs. Umso wichtiger ist es für weniger bekannte Unternehmen, ihre Vorzüge als Arbeitgeber herauszuarbeiten und klar zu kommunizieren. Denn häufig bieten gerade diese Unternehmen attraktive Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten, nur leider weiß die Zielgruppe das nicht.

Zwei Studien zur Kompetenz von Chefs für den Wandel

 Was müssen Arbeitgeber beim Recruiting beachten, um passende Talente für ihr Unternehmen langfristig zu gewinnen?

Carlo Mackrodt

Arbeitgeber müssen zukünftige Mitarbeiter genau dort abholen, wo sie unterwegs sind. In Zeiten der digitalen Transformation heißt das für Unternehmen, auch zusätzliche Kanäle und Formate für ihr Recruiting zu berücksichtigen. Ob Social Media, digitale Businessnetzwerke oder innovative Start-ups: Kommunikationskanäle und Plattformen werden vielfältiger.

Zudem müssen Unternehmen ihre Bewerbungsprozesse hinterfragen. So wird es beispielsweise in Zukunft gängige Praxis sein, dass Online-Bewerbungsportale direkt mit persönlichen LinkedIn- oder Xing-Profilen verknüpft werden können und Feedbacks via Smartphone-App verfügbar sein werden. Ich gehe aber davon aus, dass persönliche Bewerbungsgespräche auch in Zukunft ein ganz essenzieller Teil des Bewerbungsprozesses sein werden. Denn um Talente nachhaltig zu binden, geht es neben Fachkompetenz immer auch um den „cultural fit“, sprich gemeinsame Werte und Vorstellungen. Das lässt sich nach wie vor am besten in persönlichen Gesprächen herausfinden.

Das Wichtigste für Unternehmen ist natürlich, stets im Blick zu behalten, welchen Kandidaten sie gerade suchen. Denn eines ist klar: Eine erfahrene Top-Führungspersönlichkeit bedarf eines anderen Recruitingprozesses als ein junger High Potential der Generation Y.

Sie sprechen in Ihrer Studie „Digital Leadership 2017“ über Innovations-Scouting. Was ist das und was braucht es dafür?

Die Geschwindigkeit, in der Innovationen entstehen, steigt im Zuge der Digitalisierung und der Industrie 4.0. Innovations-Scouting heißt für Unternehmen, einen systematischen Prozess zu entwickeln, mit dem sie geeignete Innovationen identifizieren und schnell im gesamten Unternehmen zur Verfügung stellen können. Dabei gilt es unter anderem, besonders agile Märkte zu beobachten und sich immer wieder zu fragen: Was machen Unternehmen in diesen Märkten anders? Was können wir lernen?

Topmanager und Führungskräfte sehen sich in ihrem eigenen Unternehmen zu 50 % wertgeschätzt. Es gibt aber Luft nach oben.

Und dann geht es natürlich darum, innerhalb eines Unternehmens Innovationen systematisch zu fördern. Hier sind explizit die Führungskräfte gefordert und in der Verantwortung. Wichtige Aspekte sind unter anderem eine tolerante Fehlerkultur und das Einlassen auf neue technische Entwicklungen und Tools, die im Zuge der digitalen Transformation entstehen.

 Die Studie sagt auch, Führungskräfte investieren wenig in ihre digitale Fortbildung, zählen sich aber häufig zu den Digital Leadern. Wie passt das zusammen?

Zum einen neigen Top-Führungskräfte durchaus dazu, sich selbst zu überschätzen, insbesondere in Unternehmen, in denen ehrliches Feedback und offene Kommunikation fehlen. Zum anderen herrscht insgesamt häufig Uneinigkeit darüber, was Digital-Know-how eigentlich beinhaltet. Agiles Projektmanagement, Affinität zu digitalen Themen und Social Networking sind sicherlich wichtige Aspekte in Bezug auf die digitale Transformation. Wahre Digital Leader müssen aber ganzheitlicher und strategischer agieren, zum Beispiel digital gestützte Geschäftsmodelle komplett neu durchdringen, konzipieren und umsetzen. Hier haben viele Führungskräfte noch deutlich Nachholbedarf.

 Was muss vordringlich in deutschen Unternehmen passieren, damit sie die digitale Transformation hinbekommen?

Die Digitalisierung ist ein massiver Veränderungsprozess, der Einfluss auf jeden Unternehmensbereich hat. Damit derartige Veränderungsprozesse erfolgreich und nachhaltig gelingen, bedarf es flexibler und agiler Organisationsstrukturen sowie einer klaren Vision und Strategie. In einigen Unternehmen haben sich bereits sehr erfolgreich holokratische Organisationsformen als Gegenkonzept zu klassisch patriarchalisch geprägten Strukturen etabliert. Holokratisch organisierte Unternehmen definieren dynamische Rollen anhand der zu lösenden Aufgaben und nicht anhand der Personen oder Hierarchiestufen. Einzelne Mitarbeiter können daher mehrere Rollen einnehmen, statt in ihrer starren Aufgabenbeschreibung „festzusitzen“. So sind Entscheidungen und Anpassungen innerhalb eines Projektverlaufs auch kurzfristig möglich, die Aufgaben werden spannender und Fehlentwicklungen bzw. -investitionen werden reduziert.

Agilität, Flexibilität und der Mut, neue Wege zu gehen, werden wesentliche Erfolgsfaktoren sein, damit die digitale Transformation gelingt. Wie sagte Steve Jobs so passend: „Schaffe Leidenschaft, Begehrlichkeit dabei sein zu wollen, stelle nur die besten Mitarbeiter ein und pfusche denen nicht in ihr tägliches Geschäft.“ Oder frei nach Saint-Exupéry: „Wenn Du willst, dass Menschen den Atlantik überqueren wollen, erzähle ihnen von der Schönheit der neuen Welt, dann brauchst Du ihnen nicht zu zeigen, wie man Schiffe baut.“ Ich finde, in diesen Aussagen steckt viel Wahrheit.

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