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Montag, 11. Dezember 2017

Kommentar

Gelobt wird, wer gehorcht

Von Claudia Burger | 10. August 2017 | Ausgabe 32

Öfter kuscheln, bitte: Zwei Drittel aller Mitarbeiter wollen häufiger von ihren Chefs gelobt werden, hat der Softwareanbieter Officevibe in einer Umfrage herausgefunden. Er stützt sich dabei auf eine beeindruckende Datenbasis aus mehr als 150 Ländern.

Peter Steinmüller, Ressortleiter: Wer Lob ausspricht, verrät stets etwas über sein Menschenbild.

Das Wirtschaftsmagazin t3n meint zu wissen, „was Mitarbeiter wirklich glücklich macht“, und fordert ganz technokratisch auf: „Engagierte Mitarbeiter mindestens einmal die Woche loben!“ Wenn es denn so einfach wäre. Wer Lob ausspricht, verrät stets etwas über sein Menschenbild.

„Lob will immer manipulieren“, warnt der Personalexperte Reinhard K. Sprenger. Insofern ist Lob stets Mittel zum Zweck: Der Lobende will das Verhalten seines Gegenübers beeinflussen – er soll entweder in seinem Tun bestärkt werden oder zu einer Änderung veranlasst werden. Das ist angemessen bei Kindern, die frühzeitig lernen sollen, was als gut oder schlecht in der Gesellschaft angesehen wird. Lob ist das zentrale Mittel zur Erziehung Unmündiger, die keine selbstständigen Entscheidungen treffen können. Wer seine Mitarbeiter häufig lobt, betont damit das patriarchalische Verhältnis zu ihnen. Gelobt wird, wer gehorcht.

Das heißt nicht, dass im Umkehrschluss die schwäbische Devise richtig ist: „Net gschompfe isch gnug globt.“ (Nicht geschimpft ist genug gelobt, Anm. d. Red.) Auf den richtigen Weg führt vielmehr eine andere Zahl aus der aktuellen Studie. Ein Drittel der Teilnehmer muss mehr als ein Vierteljahr warten, um vom Vorgesetzten ein Feedback zu bekommen. Offensichtlich vermissen Mitarbeiter ein inhaltliches Interesse an ihrer Arbeit, die einen Teil ihres Selbstbewusstseins und Lebensinhalts ausmacht – sie sehnen sich nach Wertschätzung. Diese Binsenweisheit wird seit Langem in Führungskräfteseminaren gelehrt, aber in der Managementpraxis nicht gelebt.

Doch wer als Vorgesetzter seine Mitarbeiter nur mechanisch lobt, erreicht sie bald nicht mehr, weil er unglaubwürdig wirkt. Und dann kann es passieren, dass ihn der eigene Chef schnell weglobt.

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