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Montag, 11. Dezember 2017

Architektur

Grenzgänger der Gebäudeplanung

Von Fabian Kurmann | 6. April 2017 | Ausgabe 14

Vor 125 Jahren geboren, avancierte Richard Neutra vom Wiener Architekturstudenten zur Ikone moderner Architektur in den USA.

BU Portrait Richard Neutra
Foto: Dion Neutra

Richard Neutra (rechts) mit Dion, einem seiner drei Kinder. Im Alter von 78 Jahren starb Neutra 1970 in Wuppertal.

Geboren ist er in Österreich, bekannt wurde er in den USA. Dort gilt er als einer der wichtigsten Figuren der klassischen Moderne in der Architektur. Die Rede ist von Richard Neutra. Am 8. April wäre er 125 Jahre alt geworden.

Nach seinem Abitur studierte Neutra an der Technischen Hochschule in Wien Architektur und besuchte die Bauschule unter Adolf Loos, der als einer der Wegbereiter für moderne Architektur gilt. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs wurde Neutra zum Wehrdienst eingezogen und musste sein Studium vorerst unterbrechen. Nach Kriegsende, im Jahr 1923, beschloss Neutra in die USA überzusiedeln.

Schon wenige Jahre nach seiner Übersiedlung begann Neutra mit der Arbeit an seinem Buch „Wie baut Amerika?“, das er 1927 veröffentlichte. Es ist eine Studie über die ingenieurtechnischen Errungenschaften und urbanen Probleme amerikanischer Städte dieser Zeit. Verbesserungsvorschläge und Innovationsideen finden sich darin ebenfalls.

Durch die Recherchen zu diesem Buch und seine Erfahrung mit Stahlskelettbau-Projekten in Chicago kam er in Kontakt mit der Technik, Beton nicht zu gießen, sondern durch einen Schlauch zu pumpen und an die Bewehrung zu spritzen. So konnte er die schwer zugängliche Baustelle eines seiner bekanntesten Projekte erschließen. Für die Villa einens Arztes, das „Lovell Health House“, erhielt er viel Anerkennung. Das Stahlskelett wurde komplett vorfabriziert und konnte in nur 40 Stunden aufgebaut werden. Die Fensterrahmen aus Industriestahl entsprachen Standardgrößen, so dass die Fassade in einem Bruchteil der Zeit und mit deutlich weniger Gerüst aufgebaut werden konnte als bei damals gängigen Methoden. Sogar der Putz wurde hier erstmals aufgespritzt.

Trotz all der Aufmerksamkeit habe sein Vater nicht einen einzigen Planungsauftrag durch das Projekt bekommen, erinnert sich sein Sohn Dion Neutra, ebenfalls Architekt. Mangels Aufträgen und um die Bekanntheit zu nutzen, ging der Vater auf eine weltweite Vortragstour.

Foto: Ricardo DeAratanha/Los Angeles Times via Getty Images

In Kalifornien baute Neutra einige seiner bekanntesten Gebäude. Merkmale waren ein Flachdach und große Fenster mit Blick in die Natur.

Für Dion war Neutra Senior ein Visionär: „Er wünschte sich, dass sich Architekten die Forschung, Errungenschaften und Konzepte anderer Fachgebiete bei ihren Planungen zunutze machen sollten.“

Als Beispiel kann das Zusammenspiel von Psychologie und Architektur dienen. Neutra war überzeugt, dass die Architektur die menschliche Natur und die ihr zugrunde liegenden Instinkte berücksichtigen müsse. Seiner Ansicht nach stellte die Natur nicht etwas Externes dar, sondern einen Teil des Menschen. Viele seiner Werke versuchen daher durch großzügige Fensterflächen die Kommunikation zur Außenwelt zu intensivieren.

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