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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Studium

Hochschulen trotzen dem Studienabbruch

Von Wolfgang Schmitz | 11. Mai 2017 | Ausgabe 19

Die HAW Hamburg siegt beim Wettbewerb „Maschinenhaus“ dank großen Praxisbezugs.

Hohe Eigenständigkeit, extrem großer Praxisbezug, hochaktuelle Themen und weitgehender Verzicht auf trockene Grundlagenvorlesungen: Mit diesem Mix versucht die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg den Studiengang „Regenerative Energiesysteme und Energiemanagement – Elektro- und Informationstechnik“ attraktiv und lernfördernd zu gestalten, um möglichst viele Studierende bei der Stange zu halten. Die Resonanz und eine Auszeichnung durch den VDMA belohnen das Engagement der Norddeutschen.

Foto: VDMA

„Das Hamburger Konzept fördert die Fähigkeit zur Problemlösung und erzeugt Einsicht in die Notwendigkeit der Grundlagen.“ Hartmut Rauen, VDMA.

Mit seiner Initiative „Maschinenhaus“, die mit insgesamt 165 000 € dotiert ist, will der Verband der Maschinenbauer Hochschulen unterstützen, die immer noch hohen Abbruchquoten von rund 25 % in den Ingenieurwissenschaften zu senken. Besonders erfolgreiche und kreative Ansätze zeichnet der Verband seit 2011 mit dem Maschinenhaus-Preis aus.

Beim Lernkonzept „Problem Based Learning“ der siegreichen HAW Hamburg orientiert sich der Lernstoff an einem Problem, für das die Studierenden selbstständig Lösungen erarbeiten sollen. Grundlagenvorlesungen vermitteln die Kompetenzen, um schnellstmöglich in die Praxis überzugehen. Um über Aktualität die Motivation zu erhöhen und dem Vorurteil zu begegnen, Energie- und Elektrotechnik seien spröde Angelegenheiten, geht es bereits in den ersten Semestern um das Thema erneuerbare Energien.

Bereits im dritten Semester bearbeiten die Studierenden aktuelle Fragen aus Industrie und Forschung. So lautet eine Fragestellung: Welche Szenarien sind möglich, um Hamburg zu 80 % mit regenerativen Energien zu versorgen, und welche Investitionen sind dafür nötig? „Durch den Anwendungsbezug wissen die Studierenden direkt, wofür sie die Grundlagen brauchen. Für die Lehre im Studiengang wurde ein fächerübergreifendthemenorientiertes Lernkonzept neu entwickelt“, berichtet Karin Landenfeld, Professorin an der Fakultät Technik und Informatik.

Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, lobt die Hamburger Initiative: „Das Hamburger Konzept fördert die Fähigkeit zur Problemlösung und erzeugt Einsicht in die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Grundlagen. Dies motiviert die Studierenden und ist gleichzeitig eine hervorragende Berufsvorbereitung.“

Hinter dem Sieger HAW Hamburg landeten die Fakultät für angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik der Hochschule München sowie die Fakultät Maschinenbau der HAW Würzburg-Schweinfurt auf den folgenden Rängen.

Beim Münchner Modell war die Jury vor allem von der Einführung des Teilzeit-Bachelors Mechatronik/Feinmechanik begeistert. Die Module des Studiengangs wurden von sieben auf elf Semester verteilt. „Das vermindert die Arbeitslast pro Semester erheblich. Die Studierenden haben mehr Zeit, neben dem Studium erste berufspraktische Erfahrungen zu sammeln oder ihr Studium mit einem ehrenamtlichen Engagement zu vereinbaren“, erläutert Studiengangsleiter Joachim Schenk die Beweggründe für die Neugestaltung.

Ein Wechsel in den Vollzeitmodus bleibt zu jeder Zeit möglich. Die Hochschule möchte den Studierenden auf diese Weise den Zeitdruck nehmen, der die Studienmotivation dämpft und häufiger Grund für Studienabbrüche ist. Durch die Möglichkeit zur Entschleunigung sollen gleichzeitig neue Studierendengruppen erschlossen werden.

Ähnlich dem Hamburger Konzept verfolgt die HAW Würzburg-Schweinfurt ein projektorientiertes Studien- und Lehrkonzept. Die Studierenden arbeiten in Gruppen an praktischen Aufgaben unter industrieähnlichen Bedingungen, wobei Kleingruppen innerhalb eines Projektes für Teilaufgaben verantwortlich sind. So sollen die angehenden Ingenieure eine Kugelbahn mit kräftigem Aufprall am Ende bauen. „Das Spannende sind die Übergänge, sowohl sozial zwischen den Gruppen als auch physisch zwischen den Bauabschnitten“, sagt Maschinenbauprofessor Winfried Wilke. „Das ist das in der Industrie bekannte Schnittstellenproblem: Man muss erst miteinander reden und dann bauen.“ Es motiviere die Studierenden, die Ergebnisse ihrer Arbeit zu sehen und zu wissen, dass ihre Arbeit auch in der Industrie Anerkennung findet.

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