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Freitag, 15. Dezember 2017

Wissenschaft

Hochschulrankings sagen nicht alles

Von Hermann Horstkotte | 23. März 2017 | Ausgabe 12

Wenn deutsche Unis in internationalen Rankings nicht ganz vorne landen, hat das nicht zwangsläufig mit mangelnder Qualität zu tun.

Kennzahlen sind das Maß für den Erfolg in Wirtschaft und Gesellschaft: in Unternehmensbilanzen, im Medaillenspiegel oder in internationalen Rankings von Hochschulen. Aber Achtung bei den Platzierungen in der akademischen Arena: Ihre Wahrheit steht und fällt mit jeweils unterschiedlichen Urteilskriterien.

Sieben deutsche Universitäten zählen im Bereich Ingenieurwissenschaften und Technologie zu den besten 100 von insgesamt 500 führenden Hochschulen aus aller Welt. Das zeigt das international viel beachtete „QS World University Ranking“ für 2017. Ganz vorne mit dabei sind die TU München (Platz 24) und die RWTH Aachen (33). Die drei ersten Plätze gehen in die USA und nach England, der größte Rivale in Festland-Europa ist die TH Zürich.

Die größte Beachtung finden alljährlich die beiden angelsächsischen Listen „Times Higher Education“, das QS-Ranking sowie das Shanghai Ranking. Sie sind vorwiegend akademisch orientiert. Hingegen zählen für „The World´s Most Innovative Universities“ speziell Patente, also Schutzrechte für die direkte wirtschaftliche Wertschöpfung.

 „Wir freuen uns sehr darüber“, kommentiert der Aachener Rektor Ernst Schmachtenberg das Abschneiden seiner Universität im QS-Ranking, schränkt jedoch ein: „Bei aller Resonanz muss man stets im Blick haben, dass Hochschulrankings nur einen kleinen Ausschnitt des universitären Leistungsspektrums erfassen.“

Wichtiger Erfolgsmaßstab neben den Forschungsergebnissen sind für Schmachtenberg die Arbeitsmarktaussichten der Absolventen. Das QS-Ranking befragt zwar zigtausend Arbeitgeber weltweit, deren Urteil zählt aber nur 10 % für die Gesamtplatzierung. Die Wertschätzung durch internationale Professorenkollegen wiegt viermal mehr. Zusätzliche Kriterien von unterschiedlichem Gewicht sind das Zahlenverhältnis von Lehrenden und Lernenden nebst dem jeweiligen Ausländeranteil sowie Veröffentlichungen mit ihrem Nachhall bei anderen Autoren in der Fachwelt. Neben solch mehrdimensionalen Ranglisten aus kumulierten Einzelgrößen verweist Gerhard Müller, Vizepräsident der TU München, auf weitere Rankings, die den Berufseinstieg (Employability) nicht nur nachrangig, sondern als Hauptsache betrachten oder sich auf Innovationen aus den Hochschulen konzentrieren. Damit werden unterschiedliche Dimensionen hervorgehoben und differenziert betrachtet.

Müller zieht einen Vergleich aus der Raumakustik heran, seinem Spezialgebiet. Bei der Frage nach dem besten Raum für Musik hängt es davon ab, ob dort Sinfonien der Klassik oder Gregorianische Choräle erklingen sollen. „Das kann nicht einfach über eine einzelne Kennzahl abgebildet werden.“

Bei der Erfolgsbilanz einer Hochschule ist zu berücksichtigen, dass zu ihrem Instrumentarium auch Untersuchungen und Dienstleistungen für private Auftraggeber gehören, die naturgemäß weitgehend Betriebsgeheimnisse bleiben und insoweit nicht veröffentlicht werden. So kann die Platzierung im Ranking beim flüchtigen Leser im Publikum oder speziell auch in der Politik leider schnell einen täuschenden Eindruck von den wirklichen Leistungen einer Hochschule oder eines Instituts erwecken.

Die Grenzen der Rankings werden schon aus ihren Anfängen heraus deutlich. Ausgangspunkt war vor gut einem halben Jahrhundert das Interesse von Bibliothekaren, welche Zeitschriften am meisten zitiert werden und deshalb als führend und unverzichtbar erscheinen. Heute ergibt sich das aus gigantischen Datensammlungen.

Dabei ist die Zitierhäufigkeit, der sogenannte Impact Faktor, ein stark umstrittenes Ranking-Kriterium. Das Echo, das ein Fachjournal findet, mag ein Indiz für seine durchschnittliche Qualität sein – diese erlaubt aber, wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) warnt, keine „belastbare Aussage“ über einen einzelnen Aufsatz und Autor oder seine Hochschule. Deshalb stellt die DFG klar, dass für die Förderung in der milliardenschweren „Exzellenzinitiative“ von Bund und Ländern allein „inhaltliche Bewertungen“ und keine „quantifizierenden Kennzahlen“ ausschlaggebend sind. Qualitätskontrolle ist offenbar mehr als ein Rechenkunststück. 

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