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Dienstag, 12. Dezember 2017

Unterricht

I-Dötzchen lernen das Schreiben beim Tippen

Von Ines Gollnick | 23. Februar 2017 | Ausgabe 08

In einer Grundschule in Hennef lernen die Schulanfänger, auch I-Dötzchen genannt, mit dem iPad. Das Konzept ist bundesweit einmalig.

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Foto: Stadt Hennef

Begeisterung beim spielerischen Lernen mit dem persönlichen iPad in der 1 C der Gemeinschaftsgrundschule Gartenstraße in Hennef.

Die I-Dötzchen der Klasse 1 C an der Gemeinschaftsgrundschule Gartenstraße in Hennef schreiben mit dem iPad nicht nur ihre ersten Buchstaben, sie schreiben mit ihrer Klassenlehrerin Ulrike Gemein auch Bildungsgeschichte. Denn zum ersten Mal arbeitet dort jeder Grundschüler von der ersten bis zur vierten Klasse mit seinem persönlichen Tablet. Das ist bundesweit einmalig.

Die Motivation der Sechsjährigen an diesem Morgen im Fach Deutsch ist groß. Die Kinder scannen einen QR-Code mit der Kamera ihres Tablet-Computers, um eine App, zu öffnen, die Aufgaben für sie bereithält. Sie müssen beispielsweise den richtigen Anlaut eines Wortes durch Berührung des Bildschirms herausfinden. „H“ gehört zum Hut, der als Zeichnung abgebildet ist. Wer das richtig macht, bekommt dafür Punkte.

30 Schüler und Schülerinnen arbeiten völlig eigenständig. Sie stellen selbst fest, ob sie den richtigen Anlaut gewählt haben, weil das Programm bei richtigen Zuordnungen grüne Felder anzeigt. Wenn sie falsch liegen, korrigieren sie sich selbst. Das machen sie schnell und mit viel Spaß. Am interaktiven Whiteboard laufen die Antworten zusammen. Klassenlehrerin Ulrike Gemein behält so den Überblick über das Tun ihrer Schützlinge.

Sie unterrichtet seit über zehn Jahren medienunterstützt mit Laptops, Whiteboards und Tablets, ist Medienkoordinatorin der Schule und Medienberaterin und Moderatorin bei Lehrerfortbildungen. Für sie ist die iPad-Klasse in Hennef eine Fortschreibung der Arbeit mit Tablets an ihrer Schule, gewissermaßen ein Idealzustand für Lehrende und Schüler, um die Medienkompetenz zu steigern, da jedes Kind über ein Gerät verfügt und die komplette Grundschulzeit damit arbeitet. Mit den schuleigenen Geräten des Pools, die es schon Jahre gibt, war diese Art des Unterrichts nicht möglich. Denn sie wurden von allen benutzt. Außerdem war nicht garantiert, dass ein Schüler in der nächsten Stunde dasselbe Gerät bekam, ein Nachteil, wenn es darum geht, an den gespeicherten Ergebnissen weiterzuarbeiten.

„So extrem, wie ich mit dem iPad-Unterricht differenzieren kann, gelingt das mit dem traditionellen Unterricht nicht“, hebt die Pädagogin ihre Erfahrung hervor. Sie könne individuelle Übungen zusammenstellen, die dem Lernniveau des einzelnen Kindes entsprechen. Kinder bekämen passgenau die Übungen, die sie gerade benötigen, egal, ob es sich um Zahlen oder Buchstaben handelt.

Die Programme sind so aufgebaut, dass direktes und häufiges Feedback bei jedem Schritt erfolgt. Mit direkten Rückmeldungen lernen die Kinder leichter. Der handliche Minicomputer wird gewissermaßen zum Kollegen oder Assistenten des Unterrichtenden. „So haben wir mehr pädagogische Zeit für die Kinder“, so Gemein.

Ohne einen Sponsor wäre die Pilotklasse vermutlich nicht auf die Schiene gekommen. Ulrike Gemein und Schulleiterin Anke Hennig hatten ein Konzept in der Tasche, das den Cornelsen Verlag auf der Bildungsmesse „Didacta“ überzeugte. Schule und Verlag schlossen einen Kooperationsvertrag. Das Unternehmen investierte 9000 € für die Anschaffung der Geräte. Der Verlag wolle durch die Praxis mit den Grundschülern mitlernen. Didaktisch nehme er aber keinen Einfluss.

Der technische Support ist für die erfolgreiche Arbeit einer iPad-Klasse von Bedeutung. Fiele beispielsweise das WLAN aus, bliebe Ulrike Gemein gelassen. Sie kann die IT-Abteilung der Stadt sofort anrufen und bekäme Hilfe. Der Stadt Hennef ist es schon seit längerer Zeit wichtig, die digitale Kompetenz von Schülern und Lehrern zu fördern und zu unterstützen. Sie investiert als Schulträger rund 400 000 € jährlich in die Medientechnik an Hennefer Schulen. Der dritte Medienentwicklungsplan für den Zeitraum von 2017 bis 2022 regelt unter anderem die IT-Konzeption und die Homogenisierung der Ausstattung an den Schulen.

Die Gemeinschaftsgrundschule Gartenstraße ist seit zehn Jahren vollständig strukturiert verkabelt, hat eine flächendeckende WLAN-Versorgung und eine gute Anbindung an das Internet.

Bei aller Begeisterung der Schüler für das moderne Lernwerkzeug weist Ulrike Gemein darauf hin, dass Stift, Schere, Papier, Kleber und Buch nach wie vor einen großen Stellenwert im Unterricht haben. Es gebe immer einen Methodenmix, auch wenn das einfach zu bedienende Tablet mit seinen Tönen und Bildern eine besondere Faszination auf Kinder ausübt. Sorgen, auch von Eltern, dass Kinder munter Apps laden, seien unbegründet. Dank eines Schulfilters werde die Freischaltung von Apps zentral gesteuert.

Die iPad-Klasse steht in den nächsten Jahren unter besonderer Beobachtung, weil die Frage, welche Kinder leistungsfähiger sind, noch nicht beantwortet ist. Die Pädagogen werden deshalb eine Evaluierung vornehmen, sprich die iPad-Klasse mit der klassischen Art des Unterrichts in anderen Klassen vergleichen. Sie stützen sich dabei auf informelle Gespräche mit den Kollegen und führen Vergleichsarbeiten in der dritten Klasse durch.  

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