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Dienstag, 12. Dezember 2017

Arbeitswelt

IT-Erzieher als neuer Beruf

Von Michael Sudahl | 2. März 2017 | Ausgabe 09

Fraunhofer Zukunftsforum beschäftigte sich mit der Macht der Digitalisierung.

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Foto: panthermedia.net/nd3000

Neue Arbeitsweisen, neue Teams: Die Unternehmen suchen nach neuen Wegen, um die digitale Transformation zu einem Erfolg zu machen.

Elektromobilität, Internet der Dinge, kognitive Systeme und Mensch-Maschine-Kollaboration – beim Zukunftsforum 2017 ging es um die Arbeit von morgen. Welche Folgen die rasante Digitalisierung für Unternehmen und deren Mitarbeiter hat, erörterten Vorstände, Personalchefs und Besucher auf Einladung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) Stuttgart. Dass die digitale Welle rollt und in den nächsten zehn Jahren gewaltige Umbrüche in der Arbeitswelt anstehen, das sahen beim Forum fast alle Beteiligten so. Was jedoch im Einzelnen in Unternehmen schon heute geschieht oder morgen passiert, darüber gaben die Firmenvertreter Einblicke und Einschätzungen.

Ivo Körner von IBM Deutschland berichtete, wie der Supercomputer Watson helfe, in Zementwerken 30 % Energie einzusparen. Das sei möglich, weil er, gespeist vom Wissen erfolgreicher Werksleiter, als Ratgeber anderen Werken helfe, Prozesse zu optimieren. Dass Computer Menschen nicht ersetzen, ist dem IBM-Vize-Präsidenten wichtig – denn genau diese Ängste plagten viele Angestellte, wenn es um kognitive Intelligenz geht. „Natürlich gehen Arbeitsplätze verloren“, sagt Körner – aber es würden neue Berufe entstehen. Etwa der IT-Erzieher. Das sind Informatiker, die sich mit Ethik und Gesellschaft beschäftigen – und dieses Wissen Rechnern vermitteln. Denn Systeme und Programme wie Watson könnten nur so gut beraten, wie sie mit Wissen versorgt und erzogen seien.

Welche Folgen die Digitalisierung für die Mint-Berufe hat, schilderte Wilhelm Bauer. Der IAO-Chef geht davon aus, dass in den kommenden Jahren in OECD-Ländern der Bedarf an Ingenieuren, Mathematikern und Informatikern auf 31 Mio. Fachkräfte wächst. Trotz aktueller Flüchtlingsdiskussion sei klar: „Wir brauchen dringend Mint-Migranten“, so der Institutsleiter. Der verweist darauf, dass in dieser Berufsgruppe die Arbeitslosenquote in der Region Stuttgarter aktuell bei 1,9 % liege. Neben fehlenden Fachkräften identifizierten die Teilnehmer als weitere Herausforderung der Digitalisierung das Arbeitsumfeld. Mehr Start-up-Charakter in ihren Firmen, flache Hierarchien und Mut zum Risiko sehen die Personalvorstände von Daimler, Porsche und Lufthansa als Werkzeuge für den Wandel. So hat Daimler voriges Jahr das Projekt Leadership 2020 gestartet. Neben dem Kerngeschäft – das immer noch weit mehr als 90 % des Umsatzes ausmacht – sollen 104 Kollegen den Strukturwandel im Konzern vorantreiben. Und zwar ohne dass der Vorstand dazwischenfunkt – so die Idee. Ergebnisse seien Nischenprodukte wie eine App, die 360-Grad-Fotos von Autos schießt und daraus Reparaturvorschläge generiert. Wobei Daimler-Vorstand Wilfried Porth davor warnt, die Start-up-Welt zu glorifizieren. „99 % aller Ideen scheitern“, so der Daimler-Vorstand. Silicon Valley sei gnadenlose Selektion, anstrengend und herausfordernd. Trotzdem wollen die Dickschiffe der Automobilindustrie mit Altgewohntem brechen – zumindest in Teilen und gegen interne Widerstände. Porsche etwa, das sich seit den 1990er-Jahren als Agilitätsvorreiter sieht, gründete eine Digital GmbH. Sie soll die Anbindung des Autos an Apps und das Netz erforschen und Produkte liefern.

Deutlich wurde bei der Konferenz: je anfälliger das Geschäftsmodell der Unternehmen, desto mutiger – mitunter auch verzweifelter – das Bestreben nach Wandel. Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) etwa, ein Verlag mit 42 Tageszeitungen und einer halben Million Lesern, fahndet nach neuen, lukrativen Geschäften. Mithilfe von Fraunhofer-Forschern hat das Medienhaus aus 211 Trends 16 gebündelt und daraus Trendpfade entwickelt. Wie Projektleiter Jochen Weber erklärt, kristallisieren agile Projektteams heraus, welche für Geschäftsmodelle taugen.

Um „out of the box“ denken zu können wie die NOZ sei ein Kulturwandel in den Firmen zwingend, bekräftigte auch Lufthansa-Vorstand Bettina Volkens. Wenn Dinge passieren, an die vor einem Jahr noch keiner gedacht hätte, komme alles auf den Prüfstand. Eine Entwicklung sei die Verflachung der Hierarchie. Die mittlere Führungsebene werde ausgedünnt. Auch Porsche-Personalvorstand Andreas Haffner kennt diesen Prozess. Der Autobauer habe bereits vor Jahren zwei Hierarchieebenen entfernt. Wichtig auf dem Weg in die digitale Arbeitswelt sei, die Leute besser einzubinden und mehr wertzuschätzen. „Kultur geht nicht über E-Mail“, sagt Daimler-Mann Wilfried Porth. Bei Lufthansa sieht das so aus: Trainings haben keine vorgekaute Agenda mehr, stattdessen legen die Führungskräfte im Training eigenverantwortlich fest, in was und wie sie geschult werden wollen. 

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