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Dienstag, 12. Dezember 2017

Studium

Im Dienst von König Anwender

Von Chris Löwer | 9. März 2017 | Ausgabe 10

Technische Systeme – vom Auto bis zum Smartphone – sollen sicher und mühelos bedient werden können. Mit dieser Herausforderung beschäftigen sich Ingenieurpsychologen. Sie sind immer stärker gefragt.

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Foto: imago/teutopress

Albtraum Kartenautomat: Ingenieur- psychologen arbeiten daran, technischen Geräten ihren Schrecken zu nehmen.

Ingenieurpsychologie – nein, dabei geht nicht um das, was der Name vermuten lässt“, lacht Sebastian Pannasch, „Wir versuchen nicht, Ingenieure zu therapieren.“ Pannasch ist Professor am Institut für Ingenieurpsychologie und angewandte Kognitionsforschung der TU Dresden. Er braucht in seinem Institut keine Couch als Arbeitsmittel, sondern fähige Köpfe, die Mensch-Maschine-Interaktion untersuchen. Sie wollen dafür sorgen, dass wir möglichst intuitiv und fehlerfrei Rechner, Autos, Smartphones und Automaten bedienen.

„Ingenieurpsychologen sorgen dafür, dass psychologisches Wissen über die Informationsverarbeitung des Menschen, seine Wahrnehmung und Aufmerksamkeit in die Konzeption von technischen Systemen einfließt“, erklärt Pannasch und merkt an: „Reibungslose Bedienbarkeit steht bei Ingenieuren nicht immer an erster Stelle.“

Durch „nutzerzentrierte Designprozesse“ soll das besser werden. Dabei spielt Kognitionspsychologie eine große Rolle. So forscht Pannasch schwerpunktmäßig zur Blickbewegungsmessung, weil mit ihr gut analysiert werden kann, was warum Aufmerksamkeit erzeugt und damit wahrgenommen wird.

So lässt sich etwa die Bedienerfreundlichkeit einer Softwareoberfläche testen und verbessern. Gleiches gilt für einen Abraumbagger, der oft durch eine Fülle von Monitoren eher ablenkt als informiert. Pannasch und sein Team haben in das Führerhaus eines solchen Ungetüms Ordnung durch weniger und intuitiv erfassbare Informationen gebracht. Auf diese Weise verbesserten sie die Arbeitsleistung der Baggerführer signifikant.

Auch an der TU Braunschweig hat sich das Teilgebiet der Arbeitspsychologie etabliert – hier mit dem Fokus auf Verkehrsfragen. Die Ingenieurpsychologen erforschen unter anderem, warum sich Menschen auf der Straße so verhalten, wie sie es tun. Warum sie Fehler machen, die zu Unfällen führen? Warum sie bestimmte Fortbewegungsmittel wählen? Aber auch, wie man jemanden dazu bewegt, lieber mit dem Rad zu fahren?

Das Fach ist im Aufwind, da Mensch-Maschine-Interaktionen zunehmen und komplexer werden. Gedacht sei nur an vernetztes Arbeiten, Assistenzsysteme im Auto, überbordende Funktionsfülle auf dem Smartphone, kurz, das Leben in einer digitalisierten Gesellschaft.

Auf den steigenden Bedarf reagiert jetzt auch der Hochschulcampus Tuttlingen der Hochschule Furtwangen: Hier startet zum Wintersemester 2017 erstmals der Bachelor-Studiengang Ingenieurpsychologie. Die Hochschule will „den Trend in Unternehmen und Gesellschaft hin zur Technisierung aufgreifen“, wie es bei der Kick-off-Veranstaltung hieß.

„Letztlich geht es darum, die Bedienung komplexer Produkte einfach zu gestalten: Psychologisches Wissen und der Einsatz psychologischer Methoden ist deshalb unabdingbar“, erklärt Stephan Messner, der den Aufbau des Studiengangs verantwortet hat. „Menschen interagieren privat und beruflich stetig mit Geräten und Maschinen. Je intuitiver diese zu bedienen sind, desto besser,“ so der Professor.

Dafür brauche es Experten, die den Menschen als Ganzes verstehen, Kenntnisse über dessen Verhalten und kognitive Fähigkeiten sowie das technische Know-how haben, sagt Messner. Ein Paradebeispiel für die Aufgaben eines Ingenieurpsychologen sei das autonome Fahren: Wie kann ein pilotiert fahrendes Fahrzeug die Aufmerksamkeit des Fahrers möglichst schnell erhalten, wenn ein Eingreifen erforderlich ist, ohne die Person dabei zu erschrecken und dadurch eine Fehlhandlung zu provozieren? „Diese Frage lässt sich nur durch den Einsatz interdisziplinären, technisch-psychologischen Wissens und entsprechender Methoden beantworten“, sagt Messner.

Für Messner steht fest: „Das Thema Ingenieurpsychologie wird in den Unternehmen und in der Gesellschaft zunehmend wichtig.“ Sofern sieht er für die Studierenden hervorragende Jobaussichten: „Vor dem Hintergrund der vierten industriellen Revolution wird der Bedarf an solchen Experten steigen.“

Studienschwerpunkte in Tuttlingen sind allgemeine und kognitive Psychologie, psychologische Methodenlehre sowie Arbeitspsychologie. Mensch-Maschine-Systeme, Gebrauchstauglichkeit, Ergonomie, Technik, Management- und Kommunikationsmethoden decken weitere Kernkompetenzen ab, die vermittelt werden. Alle Fächer werden in enger Kooperation mit Firmen aus der Region angeboten. Eines der Unternehmen ist der Medizintechnikanbieter Aesculap aus Tuttlingen. Vorstand Joachim Schulz hat den neuen Studiengang mitgestaltet: „Die Psychologie nimmt angesichts der fortschreitenden Digitalisierung des Arbeitsumfelds unserer Medizintechnikkunden erheblich an Bedeutung zu.“

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